Kategorie-Archiv: M11-P

Drei Jahre mit der Leica M11-P: Eine Liebeserklärung mit kleinen Einschränkungen?

Im November 2023 habe ich meinen ersten Bericht über die Leica M11-P veröffentlicht. Damals war ich gerade von meiner Leica M (Typ 240) auf die neue Kamera umgestiegen und ziemlich begeistert. Die M11-P war für mich der logische nächste Schritt: mehr Auflösung, bessere Möglichkeiten bei wenig Licht, ein geringeres Gewicht und natürlich das vertraute Bedienkonzept der Leica-M-Serie.

Ein Jahr später folgte der nächste Bericht. Der Titel lautete „Die Zähmung einer zickigen Diva“ und brachte meine damaligen Erfahrungen eigentlich ganz gut auf den Punkt. Die Kamera konnte fantastische Bilder liefern, hatte aber zwischenzeitlich mit einigen Firmwareproblemen zu kämpfen. Nach einem Update lief sie dann endlich so, wie ich es mir von Anfang an erwartet hatte.

Nun sind fast drei Jahre vergangen. Die M11-P hat mich auf Reisen begleitet, war bei vielen Gelegenheiten dabei und ist zu einem selbstverständlichen Werkzeug geworden. Es ist also an der Zeit, noch einmal zurückzublicken.

Was hat sich bewährt? Was nervt mich noch immer? Und würde ich die Kamera heute wieder kaufen?

Der Wechsel von der M240: Mehr als nur 60 Megapixel

Wer meine älteren Beiträge kennt, weiß, dass ich mit der Leica M (Typ 240) lange und gerne fotografiert habe. Sie war eine Kamera, mit der ich mich intensiv beschäftigt hatte und deren Eigenheiten ich kannte. Ein Wechsel war deshalb keine Selbstverständlichkeit.

Als ich Ende Oktober 2023 in München unterwegs war, wollte ich die M11-P unbedingt ausprobieren. Die normale M11 hatte ich bereits kennengelernt, aber ich wollte auf die P-Version warten. Sie gefiel mir optisch besser, und ich hatte das Gefühl, dass sie für mich das rundere Gesamtpaket sein würde.

Der Umstieg war dann überraschend unkompliziert. Eine Leica M bleibt eine Leica M. Die Bedienelemente sitzen dort, wo man sie erwartet, und das Grundprinzip ist vertraut. Wer mit einer digitalen M fotografiert, muss nicht erst ein völlig neues Kamerakonzept erlernen.

Trotzdem gab es Unterschiede, die ich sofort bemerkt habe. Das Gewicht war einer davon. Die M11-P fühlte sich im Vergleich zur M240 deutlich leichter an. Ich schrieb damals sogar, dass ich beim Anheben der Kamera gelegentlich erst kontrollierte, ob der Akku überhaupt eingelegt war. Das war natürlich etwas überspitzt, beschreibt aber meinen ersten Eindruck ganz gut. Auch der Weißabgleich war für mich ein echter Fortschritt. Im Vergleich zu meiner alten M240 hatte ich deutlich weniger das Gefühl, bei wechselnden Lichtverhältnissen nacharbeiten zu müssen.

Und dann war da natürlich der Sensor. Die 60 Megapixel eröffnen Möglichkeiten, die ich bei der M240 nicht hatte. Gerade bei Landschaften, Architektur und feinen Strukturen ist die Detailzeichnung beeindruckend. Gleichzeitig lassen sich Ausschnitte wählen, ohne dass das Bild sofort an seine Grenzen stößt. Ich hatte also allen Grund, zufrieden zu sein.

Die Bildqualität: Auch nach drei Jahren noch beeindruckend

Wenn ich heute auf die Bilder schaue, die ich mit der M11-P gemacht habe, ist die Bildqualität für mich nach wie vor eines der stärksten Argumente für diese Kamera. Der Vollformatsensor mit rund 60 Megapixeln bietet eine enorme Detailfülle. Was mich aber mindestens ebenso beeindruckt, ist die Flexibilität bei der Bildbearbeitung. Gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen lässt sich aus den DNG-Dateien noch erstaunlich viel herausholen.

In meinem ersten Erfahrungsbericht hatte ich das bereits anhand einiger Bilder aus München gezeigt. Damals waren die Aufnahmen praktisch unbearbeitet, und ich war von der Qualität schon nach den ersten Tagen angetan.

Ein Jahr später habe ich mich ausführlicher mit dem Rauschverhalten beschäftigt. Mein damaliges Fazit war, dass ISO 1.000 völlig unproblematisch ist und selbst ISO 3.200 noch sehr gut verwendbare Ergebnisse liefern kann. Das gilt für mich vor allem dann, wenn die Belichtung passt und ich das Bild nicht unnötig stark bearbeiten muss.

Dabei sollte man sich nicht von den 60 Megapixeln blenden lassen. Eine hohe Auflösung ist kein Selbstzweck. Sie hilft nur dann, wenn das Motiv, die Fokussierung und die Aufnahmebedingungen die entsprechenden Details auch tatsächlich hergeben. Gerade bei einer Messsucherkamera ist das ein wichtiger Punkt. Wenn der Fokus knapp danebenliegt, rettet auch der beste Sensor das Bild nicht.

Was mir gefällt, ist die Kombination aus hoher Auflösung und einem großen Spielraum in der Nachbearbeitung. Bei kontrastreichen Szenen, etwa bei Gegenlicht oder in einer Landschaft mit hellen Wolken und dunklen Schatten, kann ich die Belichtung in Lightroom korrigieren und viele Details zurückholen. Natürlich gibt es Grenzen. Ausgebrannte Lichter bleiben ausgebrannte Lichter, und auch eine M11-P kann die Physik nicht überlisten. Aber die Reserven sind für meine Art zu fotografieren ausgesprochen hilfreich.

Das APO-Summicron 35 mm und die M11-P als eine ideale Kombination

Wenn ich heute über die M11-P schreibe, komme ich an meinen Objektiven nicht vorbei. Denn die Kamera ist für mich nicht nur wegen ihres Sensors interessant, sondern vor allem als Teil eines Systems. Besonders das APO-Summicron-M 35 mm ASPH. passt hervorragend dazu. Die hohe Auflösung der Kamera stellt gewisse Anforderungen an die Optik. Das APO erfüllt diese Anforderungen mit Leichtigkeit. Feine Details, klare Kontraste und eine sehr kontrollierte Abbildung machen die Kombination zu einem Werkzeug, mit dem ich mich gerne intensiv beschäftige.

Die M11-P spielt ihre Stärken dabei voll aus. Der hochauflösende Sensor gibt mir die Möglichkeit, bei Bedarf nachträglich einen Ausschnitt zu wählen. Das ersetzt keine längere Brennweite, schafft aber zusätzlichen Spielraum. Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie sich Kamera und Objektiv gegenseitig ergänzen können.

Die Bedienung: Eine Kamera, die mich fotografieren lässt

Einer der Gründe, weshalb ich bei Leica geblieben bin, ist das Bedienkonzept. Ich möchte beim Fotografieren nicht ständig durch Menüs navigieren oder überlegen, welche Automatik gerade aktiv ist. Ich möchte Blende, Zeit und Fokus bewusst einsetzen und mich auf das Motiv konzentrieren. Die M11-P kommt diesem Wunsch sehr entgegen.

Das Menü ist übersichtlich, wichtige Funktionen lassen sich individuell belegen, und mit dem Favoritenmenü sind die Einstellungen, die ich regelmäßig benötige, schnell erreichbar.

Bereits in meinem ersten Bericht hatte ich die frei belegbaren Tasten hervorgehoben. Ich nutze die Funktionstasten, um mir den Zugriff auf wichtige Einstellungen zu erleichtern. Das Daumenrad für die Belichtungskorrektur ist ebenfalls eine gute Lösung. Besonders angenehm finde ich, dass ich die Korrektur zunächst aktivieren muss, bevor ich sie versehentlich verstellen kann.

Natürlich ist die Bedienung nicht perfekt. Einige Einstellungen verbergen sich in den Profilen, und das Schnellmenü lässt sich versehentlich verändern. In meinem ersten Jahr hatte ich einmal unbemerkt das Dateiformat von RAW auf JPG umgestellt. Erst nach ungefähr 30 Aufnahmen fiel mir das auf. Das war ärgerlich, und ich würde mir nach wie vor wünschen, dass sich solche Einstellungen besser gegen unbeabsichtigte Änderungen schützen lassen. Trotzdem überwiegen für mich die Vorteile deutlich. Die Kamera lässt sich so konfigurieren, dass sie zu meiner Arbeitsweise passt. Und wenn das einmal erledigt ist, muss ich mich im Alltag kaum noch mit ihr beschäftigen.

Der Messsucher – bewusst anders

Die Leica M ist keine Kamera für jeden Einsatzzweck. Sie hat keinen Autofokus und keinen elektronischen Sucher, der das spätere Bild bereits mit allen Einstellungen zeigt. Stattdessen fotografiert man mit einem optischen Messsucher, bei dem die Scharfstellung manuell erfolgt. Das ist nicht unbedingt schneller oder komfortabler als ein modernes spiegelloses Kamerasystem. Bei bewegten Motiven, schnellen Situationen oder sehr knapper Schärfentiefe kann es durchaus anspruchsvoll werden.

Aber genau diese Arbeitsweise gefällt mir. Ich muss mich mit dem Motiv beschäftigen, die Entfernung einschätzen und den Fokus bewusst setzen. Ich sehe außerhalb der Leuchtrahmen, was sich neben dem eigentlichen Bildausschnitt abspielt, und kann Situationen dadurch oft frühzeitig erfassen. Die Kamera zwingt mich gewissermaßen dazu, mich mit dem Bild auseinanderzusetzen, bevor ich auslöse.

Natürlich kann man das romantisieren. Ein Messsucher macht nicht automatisch bessere Bilder, und manuell zu fokussieren ist kein Qualitätsmerkmal an sich. Aber die Arbeitsweise passt zu mir, und das ist letztlich entscheidend.

Die Leica-Fotos-App – überraschend nützlich

Eines der Themen, bei denen ich anfangs skeptisch war, war die Verbindung zwischen Kamera und Smartphone. Ich wollte vor allem das Geotagging nutzen. Die Bilder sollten automatisch mit GPS-Daten versehen werden, damit ich sie später in Lightroom auf einer Karte anzeigen und nach Orten sortieren kann.

In meinem ersten Bericht schrieb ich, dass ich die Verbindung mit der Leica-Fotos-App zunächst weiter beobachten wollte. Ein Jahr später konnte ich bereits ein sehr positives Fazit ziehen: Die Standortdaten wurden zuverlässig übertragen, und ich musste mich im Alltag kaum noch darum kümmern.

Das ist eine Funktion, die man leicht unterschätzt. Auf einer Reise entstehen schnell Hunderte oder Tausende Bilder. Nach einigen Monaten weiß man vielleicht noch, in welcher Region man unterwegs war, aber nicht mehr, an welchem Ort eine bestimmte Aufnahme entstanden ist. Wenn die Bilder automatisch verortet werden, ist das eine echte Hilfe bei der Archivierung.

Ich habe die Verbindung einmal eingerichtet und danach weitgehend in Ruhe gelassen. Genau so sollte es sein. Die App ist für mich deshalb weniger ein Spielzeug für die schnelle Bildübertragung, sondern ein praktisches Werkzeug für die Organisation meiner Bilder.

Die Software – das Kapitel, das ich lieber ausgelassen hätte

So positiv mein erster Eindruck von der M11-P war, so ernüchternd verlief eine spätere Phase.

Mit der Firmware-Version 2.1.1 traten im Mai 2024 Probleme auf. Die Kamera stürzte wiederholt ab und ließ sich teilweise erst nach dem Herausnehmen und erneuten Einsetzen des Akkus wieder verwenden. Das war nicht nur lästig, sondern für eine Kamera dieser Preisklasse schlicht enttäuschend. Ich hatte damals zunächst die Speicherkarte in Verdacht. Vielleicht lag es an deren Typ, Größe oder Geschwindigkeit. Eine eindeutige Erklärung erhielt ich seinerzeit allerdings weder aus den Diskussionen in den einschlägigen Foren noch von Leica.

Kurz vor meiner Reise nach Frankreich erschien dann die Firmware-Version 2.1.2. Die Probleme verschwanden, und auf der Reise konnte ich ungefähr 1.000 Bilder ohne weitere Ausfälle aufnehmen. Das war eine Erleichterung.

In meinem damaligen Bericht habe ich geschrieben, dass ich verstehen kann, wenn auch Leica mit Softwarefehlern zu kämpfen hat. Das stimmt grundsätzlich. Moderne Kameras sind komplexe elektronische Geräte, und Software ist ein wesentlicher Teil ihrer Funktion. Trotzdem erwarte ich bei einer Kamera dieser Preisklasse, dass sie zuverlässig arbeitet. Wenn ich auf Reisen bin, möchte ich mich nicht fragen müssen, ob die Kamera beim nächsten Einschalten wieder funktioniert.

Gerade deshalb war die Erfahrung für mich so ärgerlich. Die gute Nachricht war, dass sich das Problem durch das Update offenbar erledigt hatte. Die schlechte Nachricht war, dass ich überhaupt erst in diese Situation geraten war. Und ja: ab und an habe ich noch immer „Aussetzer“ bei der M11-P. Nicht mehr häufig, aber immerhin noch (im Sommer am Atlantik mit den fast 1.000 Bildern in 3 Wochen ist dies einmal vorgekommen).

Für den Langzeiteindruck ist das wichtig: Eine Kamera wird nicht allein an der Bildqualität gemessen. Sie muss auch dann funktionieren, wenn man sie braucht.

Haptik und Verarbeitung: Das Besondere steckt im Detail

Über die Haptik habe ich bereits in meinen ersten beiden Berichten geschrieben. Und tatsächlich ist das ein Punkt, der mir an der M11-P nach wie vor gefällt. Das Gehäuse fühlt sich hochwertig an, die Bedienelemente sind präzise, und die Kamera vermittelt ein angenehmes Gefühl von Solidität, ohne unnötig schwer zu sein.

Besonders positiv überrascht war ich von der Oberfläche. Bei der M11, die ich vor dem Kauf ausprobieren konnte, hatte ich den Lack als vergleichsweise rau und schmutzanfällig in Erinnerung. Bei meiner M11-P war das Gefühl anders: Die Oberfläche erschien mir angenehmer, griffig und weniger anfällig für Verschmutzungen.

Ich hatte damals vermutet, dass Leica hier nachgebessert haben könnte, obwohl das Unternehmen keine entsprechende Änderung kommuniziert hatte. Heute weiß ich, dass es so ist!

Was mich nach drei Jahren noch immer stört

Natürlich ist nicht alles perfekt. Einige konstruktive Entscheidungen sind für mich nach wie vor gewöhnungsbedürftig.

Da wäre zunächst der Speicherkartenschacht, der sich unter dem Akku befindet. Um die SD-Karte zu entnehmen, muss ich also zunächst den Akku herausnehmen. Das ist kein Drama, aber auch keine besonders elegante Lösung.

Da ich die Bilder häufig am Abend auf den Rechner übertrage, stört es mich im Alltag nur wenig. Auf längeren Touren lasse ich die Bilder auch einmal mehrere Tage auf der Kamera. Trotzdem wäre ein separater Kartensteckplatz praktischer.

Der USB-C-Anschluss auf der Unterseite ist ebenfalls nicht ideal. Wenn ich die Kamera mit einem Kabel verbinden oder laden möchte, muss ich sie entsprechend ablegen. Das ist ein Kompromiss, mit dem ich leben kann, aber eine andere Position wäre aus meiner Sicht sinnvoller gewesen.

Und schließlich bleibt die Startzeit ein Punkt, den ich bereits in meinem ersten Bericht angesprochen habe. Ich hatte damals ungefähr drei Sekunden gemessen, bis die Kamera nach dem Einschalten einsatzbereit war. Das ist nicht dramatisch, aber im Vergleich zu manchen modernen Kameras auch nicht besonders schnell.

Es sind keine Punkte, die mir die Freude an der M11-P nehmen. Aber sie zeigen, dass selbst eine sehr gute Kamera nicht frei von Kompromissen ist.

Die 256 GB interner Speicher: Ein unterschätzter Vorteil

Eine der wichtigsten Neuerungen der M11-P gegenüber der ursprünglichen M11 ist für mich der interne Speicher. Die Kamera verfügt über 256 GB internen Speicher, auf dem sich Bilder zusätzlich zur SD-Karte oder alternativ dazu ablegen lassen. Das klingt zunächst nach einer technischen Randnotiz. Im Alltag ist es aber ein echter Vorteil.

Wenn die Speicherkarte voll ist oder ich sie versehentlich vergessen habe, kann ich trotzdem weiterfotografieren. Noch wichtiger finde ich die Möglichkeit, Bilder gleichzeitig auf dem internen Speicher und der SD-Karte abzulegen. Das ersetzt kein vollständiges Backup. Wenn ich auf Reisen bin, sollte ich meine Bilder trotzdem regelmäßig auf ein weiteres Speichermedium sichern. Aber eine zusätzliche Kopie innerhalb der Kamera ist eine sinnvolle Absicherung.

Für mich ist das eine der Änderungen, die den praktischen Nutzen der M11-P gegenüber älteren digitalen M-Kameras erhöhen.

Würde ich die M11-P heute wieder kaufen?

Das ist vermutlich die wichtigste Frage dieses Beitrags. Die Antwort lautet: Ja.

Nicht, weil die Kamera perfekt wäre. Nicht, weil sie die meisten Megapixel oder die modernste Ausstattung bietet. Und auch nicht, weil auf ihr Leica steht. Ich würde sie wieder kaufen, weil sie zu meiner Art zu fotografieren passt.

Die Bildqualität ist hervorragend, die Bedienung ist angenehm, und der Messsucher sorgt dafür, dass ich mich auf das konzentriere, was ich fotografieren möchte. Die Kamera ist leicht genug, um mich auf Reisen nicht unnötig zu belasten, und die Kombination mit meinen M-Objektiven funktioniert für mich ausgezeichnet.

Ich brauche keine Kamera, die mir jede fotografische Entscheidung abnimmt. Ich möchte eine Kamera, die mir ein verlässliches Werkzeug in die Hand gibt und mich dabei unterstützt, meine eigenen Vorstellungen umzusetzen.

Genau das leistet die M11-P.

Und was wünsche ich mir von einer M12-P?

Wenn ich mir Gedanken über einen möglichen Nachfolger mache, wird die Liste erstaunlich kurz. Natürlich wäre eine weitere Verbesserung des Rauschverhaltens bei hohen ISO-Werten willkommen. Auch eine schnellere Startzeit, ein besser zugänglicher Speicherkartenschacht und ein paar kleinere Verbesserungen bei der Bedienung wären sinnvoll.

Aber ich wünsche mir keine grundlegende Veränderung des Konzepts. Der optische Messsucher soll bleiben. Die manuelle Fokussierung soll bleiben. Das Bedienkonzept soll übersichtlich bleiben. Und die Kamera soll weiterhin so gestaltet sein, dass ich mich auf das Fotografieren konzentrieren kann.

Vielleicht ist das die größte Stärke der M11-P: Sie ist modern genug, um eine hervorragende Bildqualität und zeitgemäße Funktionen zu bieten, und gleichzeitig traditionell genug, um sich nicht wie ein Computer mit angesetztem Objektiv anzufühlen.

Ob eine zukünftige M12-P tatsächlich Verbesserungen bringen wird, die für mich relevant sind, muss sich erst zeigen. Im Moment sehe ich jedenfalls keinen dringenden Grund, meine M11-P ersetzen zu wollen. Trotzdem sind für mich eine schnelle Startzeit und eine bombenstabile Firmware Dinge die eine M12 unbedingt mitbringen muss – und ja, dann könnte ich schwach werden.

Euer Alex

Der Sommer der Objektive

Die Sommerreise an der Atlantikküste liegt hinter uns. Es sind wieder viele Bilder entstanden, und wie so oft stellt sich nach einer Reise die Frage, welche Ausrüstung sich bewährt hat und welche Objektive tatsächlich zum Einsatz gekommen sind.

Über die Leica M11-P möchte ich noch einen eigenen Bericht schreiben. Ich habe die Kamera nun seit drei Jahren und es gibt einiges zu erzählen.

Heute möchte ich mich deshalb den Objektiven widmen. Genauer gesagt, zwei Brennweiten, die mich schon seit vielen Jahren begleiten: 35 mm und 50 mm. Und ich möchte der Frage nachgehen, warum ich inzwischen fast ausschließlich mit dem APO-Summicron-M 35 mm fotografiere, während das Summilux-M 50 mm immer öfter in der Fototasche bleibt.

Das 21er spielt dabei eine Sonderrolle. Dass ich es auf einer solchen Reise deutlich seltener verwende, überrascht mich nicht. Ein 21 mm ist ein Spezialist, der seine Stärken dann ausspielt, wenn man wirklich viel Raum zeigen möchte oder die Perspektive bewusst einsetzen will. Es ist aber nicht die Brennweite, mit der ich den größten Teil meiner fotografischen Geschichten erzähle.

Bei 35 und 50 mm sieht die Sache anders aus.

35 mm oder 50 mm: Eigentlich eine einfache Entscheidung?

Als ich vor vielen Jahren in das Leica-M-System eingestiegen bin, war das 50er für mich gesetzt. Ich kannte die Brennweite, wusste, was ich damit anfangen konnte, und mochte die Art, wie sich Motive aus ihrer Umgebung herauslösen lassen. Das Summilux-M 50 mm ASPH. war deshalb eine naheliegende Wahl. Das 35er kam als Ergänzung dazu. Es galt als die klassische Reportagebrennweite und versprach, etwas mehr von der Umgebung ins Bild zu bringen. Ich wollte damit Landschaften, Architektur und Situationen fotografieren, bei denen ein 50er manchmal etwas zu eng war.

Soweit die Theorie.

In der Praxis hat sich die Gewichtung inzwischen deutlich verschoben. Das APO-Summicron-M 35 mm ASPH. sitzt fast immer auf der M11-P. Das 50er nehme ich zwar nach wie vor gerne in die Hand, aber ich muss mich inzwischen beinahe bewusst dafür entscheiden.

Warum ist das so? Ist es einfach die Begeisterung für das APO, das mich mit seiner Abbildungsleistung immer wieder überrascht? Oder hat sich meine Art zu fotografieren verändert?

Ich denke, es ist eine Mischung aus beidem.

Die künstlerische Seite: Wie viel Umgebung braucht ein Bild?

Für mich liegt der entscheidende Unterschied zunächst in der Bildgestaltung. Mit 35 mm bekomme ich ein Motiv und seine Umgebung in einer Weise zusammen, die mir sehr entgegenkommt. Ich kann eine Person zeigen, ohne sie vollständig aus dem Zusammenhang zu lösen. Ich kann ein Gebäude fotografieren und gleichzeitig etwas von seiner Umgebung erzählen. Ich kann eine Landschaft so gestalten, dass nicht nur die Landschaft selbst, sondern auch ein Detail im Vordergrund Teil der Geschichte wird.

Gerade auf einer Reise entlang der Atlantikküste ist das ein großer Vorteil. Mich interessieren nicht nur die großen Landschaften, die man ohnehin fotografieren würde. Spannend sind oft die kleinen Dinge am Wegesrand, die Strukturen in einer Häuserfassade, ein Boot im Hafen, ein Stück Straße im besonderen Licht oder eine Person, die zufällig Teil der Szene wird.

Das 50er funktioniert anders. Es zwingt mich stärker dazu, auszuwählen. Ich muss genauer überlegen, was tatsächlich ins Bild gehört und was draußen bleiben soll. Das kann sehr reizvoll sein. Ein Motiv lässt sich isolieren, störende Elemente verschwinden leichter aus dem Bild, und die Gestaltung wird häufig ruhiger und konzentrierter.

Aber ich habe den Eindruck, dass ich auf Reisen meist nicht nur einzelne Motive fotografieren möchte. Ich möchte Situationen festhalten. Ich möchte, dass ein Bild etwas über den Ort erzählt, an dem es entstanden ist. Dafür ist das 35er häufig die passendere Brennweite.

Nähe statt Ausschnitt

Ein weiterer Punkt ist die Art, wie ich mich beim Fotografieren bewege.

Mit einer Festbrennweite kann ich nicht einfach am Zoomring drehen. Ich muss meinen Standort verändern, näher herangehen oder Abstand gewinnen. Das klingt banal, ist aber ein wesentlicher Teil meines Fotografierens.

Beim 35er finde ich oft schneller die passende Position. Ich kann relativ nah an ein Motiv herangehen und trotzdem noch genügend Umgebung einbeziehen. Das Bild bleibt offen, ohne beliebig zu wirken.

Beim 50er ertappe ich mich hingegen gelegentlich dabei, dass ich gerne einen Schritt zurückgehen würde, aber nicht kann, weil hinter mir bereits eine Wand, ein Zaun oder die nächste Häuserzeile steht. Natürlich lässt sich das nicht verallgemeinern. Manchmal ist es genau umgekehrt und ich wünsche mir mehr Brennweite.

Entscheidend ist für mich aber, wie häufig diese Situationen vorkommen. Und da gewinnt das 35er inzwischen ziemlich deutlich.

Eine kleine Anmerkung zur Perspektive: Nicht die Brennweite allein verändert die räumliche Wirkung eines Bildes. Entscheidend ist vor allem der Standort der Kamera. Wenn ich für den gleichen Bildausschnitt mit dem 35er näher an ein Motiv herangehe, verändert sich die Perspektive. Das kann die räumliche Wirkung deutlich beeinflussen. Bleibt der Standort hingegen gleich, zeigt das 50er lediglich einen engeren Ausschnitt.

Gerade deshalb ist die Wahl zwischen 35 und 50 mm mehr als eine Frage des Bildwinkels. Sie beeinflusst, wie ich mich einem Motiv nähere und wie ich es in seine Umgebung einordne.

Und was ist mit der berühmten Dreidimensionalität?

Ein Thema, das mich schon lange beschäftigt, ist die räumliche Wirkung von Objektiven. In der Leica-Welt wird gerne von einer besonderen Dreidimensionalität gesprochen, dem berühmten „3D-Pop“.

Natürlich ist dieser Effekt nicht allein von der Brennweite abhängig. Er entsteht aus dem Zusammenspiel von Perspektive, Licht, Kontrast, Schärfeverlauf und der Art, wie ein Objektiv den unscharfen Bereich wiedergibt.

Das 50er hat hier einen offensichtlichen Vorteil: Bei gleicher Blende und vergleichbarem Aufnahmeabstand lässt sich mit ihm eine geringere Schärfentiefe erzielen als mit dem 35er. Mit seiner maximalen Öffnung von f/1.4 kann das Summilux den Hintergrund zudem sehr deutlich in Unschärfe auflösen.

Interessanterweise überzeugt mich das APO 35 aber auch in diesem Bereich. Die Schärfe ist außergewöhnlich hoch, der Mikrokontrast beeindruckend, und die Übergänge in die Unschärfe empfinde ich als ausgesprochen harmonisch. Gerade bei feinen Strukturen, Bäumen, Gräsern oder unruhigen Hintergründen gefällt mir die Abbildung des APO sehr gut.

Ich hatte früher durchaus die Erwartung, dass ein Summilux mit seiner größeren Öffnung beim Freistellen grundsätzlich überlegen sein müsste. Meine Erfahrungen mit dem APO haben dieses Bild relativiert. Die maximale Blendenöffnung ist eben nur ein Faktor unter mehreren.

Das bedeutet nicht, dass das 35er das 50er in jeder Hinsicht ersetzt. Wenn ich ein Gesicht bei wenig Licht fotografieren oder den Hintergrund möglichst stark auflösen möchte, ist die zusätzliche Lichtstärke des Summilux ein echtes Argument. Aber im Alltag brauche ich diesen Vorteil offenbar seltener, als ich früher gedacht hätte.

Die technische Seite: Das APO-Summicron ist schon eine Ansage

Das APO-Summicron-M 35 mm ASPH. ist optisch ein außergewöhnliches Stück Technik. Leica hat hier einen enormen Aufwand betrieben, um eine hohe Auflösung, geringe chromatische Aberrationen und eine sehr kontrollierte Abbildung zu erreichen.

Die technischen Daten sind beeindruckend: zehn Linsenelemente in fünf Gruppen, vier asphärische Flächen und eine apochromatische Korrektur. Die Naheinstellgrenze liegt bei 30 cm. Das Objektiv ist damit deutlich vielseitiger, als man es von einem klassischen M-Objektiv erwarten würde.

Was bedeutet das in der Praxis?

Zunächst einmal liefert das APO eine Detailzeichnung, die auch mit dem hochauflösenden Sensor der M11-P hervorragend harmoniert. Feine Strukturen bleiben differenziert, Kontraste werden präzise wiedergegeben, und selbst bei kritischen Motiven fällt es schwer, dem Objektiv etwas vorzuwerfen.

Natürlich sind solche Unterschiede nicht in jedem Bild sichtbar. Bei einem kleinen „Webbild“ oder einem Foto, das auf dem Smartphone betrachtet wird, spielt die maximale Auflösung oft eine untergeordnete Rolle. Aber wenn ich mir Bilder in groß ansehe oder Ausschnitte genauer betrachte, ist die Qualität durchaus bemerkenswert.

Für mich ist allerdings nicht die absolute Schärfe das entscheidende Argument. Es ist die Kombination aus Schärfe, Mikrokontrast und der Art, wie das Objektiv den unscharfen Bereich wiedergibt. Das Ergebnis wirkt auf mich sehr ausgewogen.

Und dann wäre da noch die Naheinstellgrenze.

30 cm – ein echter Mehrwert

Bei einem klassischen Leica-M-Objektiv endet der reguläre Messsucherbetrieb normalerweise bei 70 cm. Das APO kann bis auf 30 cm fokussieren, allerdings lässt sich dieser Bereich nicht mehr mit dem optischen Messsucher scharfstellen. Dafür benötigt man Live-View oder einen elektronischen Sucher. Das ist eine Einschränkung, die man kennen sollte. Gerade bei hellem Sonnenlicht ist das Fokussieren über das Display nicht immer angenehm.

Trotzdem nutze ich diese Möglichkeit erstaunlich häufig. Kleine Details, Gegenstände auf einem Tisch, Strukturen im Vordergrund oder einzelne Pflanzen lassen sich plötzlich ganz anders fotografieren. Ich muss nicht mehr so weit zurückweichen, wie ich es mit einem herkömmlichen M-Objektiv müsste.

Das ist gerade auf Reisen praktisch. Manchmal ist es ein kleines Detail, das eine Situation interessant macht. Und wenn ich es fotografieren möchte, kann ich mit dem APO einfach näher herangehen.

Mit dem 50er wäre das nicht in derselben Weise möglich. Die klassische Summilux-M-50-mm-ASPH.-Version hat eine Naheinstellgrenze von 70 cm. Die Neuauflage kommt näher, aber grundsätzlich ist das APO 35 in diesem Punkt ausgesprochen vielseitig.

Für mich ist das ein Argument, das in den üblichen Objektivvergleichen oft zu kurz kommt.

Aber das Summilux 50 mm ist doch lichtstärker!

Ja, natürlich. Und genau hier liegt der wichtigste technische Vorteil des 50ers. f/1.4 gegenüber f/2.0 bedeutet eine volle Blendenstufe Unterschied. Bei gleicher Verschlusszeit kann ich mit dem Summilux also mit halb so viel Licht auskommen. Oder ich kann bei gleicher ISO-Einstellung die Verschlusszeit halbieren. Das ist nicht wenig. Gerade bei Innenaufnahmen, in der Dämmerung oder bei bewegten Motiven kann diese zusätzliche Lichtstärke entscheidend sein. Auch die geringere Schärfentiefe kann gestalterisch wichtig sein. Ein Porträt, bei dem sich das Gesicht deutlich vom Hintergrund löst, lässt sich mit dem 50er einfacher realisieren.

Allerdings sollte man sich fragen, wie oft man diese Möglichkeiten tatsächlich braucht. Die M11-P liefert auch bei höheren ISO-Werten eine sehr gute Bildqualität. Wenn ich mit dem 35er bei f/2 fotografiere und die ISO-Einstellung etwas erhöhe, ist das für viele Situationen kein Problem.

Natürlich ist das kein vollständiger Ersatz für f/1.4. Wenn ich eine kurze Verschlusszeit benötige oder eine bestimmte Freistellung erreichen möchte, bleibt das Summilux im Vorteil.

Aber ich fotografiere auf Reisen nicht ständig bei Offenblende. Häufig bewege ich mich im Bereich von f/2,0 bis f/8, weil ich mehr von der Szene scharf abbilden möchte. In diesem Bereich spielt die größere Lichtstärke des Summilux keine Rolle mehr.

Und damit relativiert sich ein Argument, das auf dem Papier zunächst sehr überzeugend wirkt.

Die M11-P verändert die Rechnung ein wenig

Ein weiterer Aspekt ist die Auflösung der Kamera. Der 60-Megapixel-Sensor der M11-P eröffnet Möglichkeiten, die ich früher so nicht hatte. Wenn ich mit dem 35er fotografiere, kann ich später einen Ausschnitt wählen und damit einen engeren Bildwinkel simulieren. Das funktioniert erstaunlich gut, solange die Ausgabegröße nicht zu groß wird und die Bildgestaltung einen solchen Ausschnitt zulässt.

Natürlich wird aus einem 35er dadurch kein echtes 50er. Der Bildwinkel bei der Aufnahme bleibt ein anderer, die Perspektive lässt sich nachträglich nicht verändern, und mit dem Beschnitt verliere ich Auflösung. Trotzdem ist diese Möglichkeit im Alltag hilfreich. Ich fotografiere lieber etwas großzügiger und entscheide später, ob ich den gesamten Bildausschnitt brauche. Gerade bei einer Reise entstehen dadurch zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten.

Umgekehrt funktioniert das natürlich nicht: Was außerhalb des Bildwinkels liegt, kann ich nachträglich nicht herbeizaubern.

Das ist für mich ein weiterer Grund, warum das 35er als universelle Reisebrennweite so gut funktioniert. Ich habe genügend Spielraum, ohne dass ich bei jeder Aufnahme das Gefühl habe, mich endgültig festlegen zu müssen.

Und was ist nun mit dem 50er?

Ich möchte das Summilux keineswegs schlechtreden. Es ist nach wie vor ein hervorragendes Objektiv, und es gibt genügend Situationen, in denen ich es dem APO vorziehen würde.

Porträts, Details, Aufnahmen bei wenig Licht und Situationen, in denen ich ein Motiv bewusst aus seiner Umgebung herauslösen möchte, sind klassische Einsatzgebiete für das 50er. Auch bei der Gestaltung ruhiger, reduzierter Bilder kann es seine Stärken ausspielen.

Vielleicht liegt das Problem also gar nicht beim Objektiv, sondern bei meiner Art zu fotografieren. Ich scheine inzwischen häufiger Bilder machen zu wollen, die etwas von ihrer Umgebung erzählen. Ich möchte nicht nur zeigen, was ich gesehen habe, sondern auch, wo und in welchem Zusammenhang ich es gesehen habe. Das 35er unterstützt diesen Ansatz.

Das 50er verlangt eine andere Herangehensweise. Es fordert mich auf, genauer auszuwählen und stärker zu reduzieren. Das ist fotografisch durchaus wertvoll. Vielleicht sollte ich es auf der nächsten Reise einfach einmal bewusst für ein paar Tage montieren und das 35er zu Hause lassen. Ich bin gespannt, was dabei herauskommt.

Denn eine Sache sollte man bei aller Technik nicht vergessen: Ein Objektiv ist nicht deshalb besser, weil es mehr kann, sondern weil es zu der Art passt, wie man fotografieren möchte.

Mein Fazit

Nach der Sommerreise an der Atlantikküste ist mein Eindruck ziemlich klar: Das APO-Summicron-M 35 mm ASPH. ist für mich inzwischen die ideale Reisebrennweite.

Es ist universell genug, um Landschaften, Architektur, Menschen und Details zu fotografieren. Es liefert eine herausragende Abbildungsleistung, besitzt ein für mich sehr angenehmes Bokeh und bietet mit seiner Naheinstellgrenze von 30 cm zusätzliche Möglichkeiten, die ich tatsächlich nutze.

Das Summilux-M 50 mm ASPH. bleibt ein hervorragendes Objektiv. Seine Lichtstärke und die Möglichkeit, Motive stärker freizustellen, sind echte Vorteile. Nur benötige ich diese Vorteile offenbar seltener, als ich früher angenommen habe. Wäre ein APO 50 mm mit 30 cm Naheinstellgrenze das Ideal? Wer weiß 🙂

Und das 21er? Das bleibt mein Spezialist für die Situationen, in denen ich wirklich weitwinklig fotografieren möchte. Dass es auf einer Reise weniger zum Einsatz kommt, ist für mich völlig in Ordnung. Ich liebe das Objektiv aber unheimlich!

Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis: Ich brauche nicht für jede Situation das perfekte Objektiv. Ich brauche ein Objektiv, mit dem ich möglichst viele der Bilder machen kann, die ich tatsächlich machen möchte.

Und wenn ich ehrlich bin, greife ich dafür inzwischen fast immer zum APO 35.

Euer Alex

Sommermärchen 2026 (Teil 5) – Bis Mont-Saint-Michel

Von Roscoff aus ging es weiter entlang der Küste in Richtung Osten, immer wieder vorbei an kleinen Städtchen, beschaulichen Häfen und einer Landschaft, die sich mit jedem Kilometer ein wenig veränderte. Die raue, felsige Küste der Bretagne, das weite Meer und dieses besondere Licht begleiteten uns auch auf diesem letzten Abschnitt unserer Reise.

Unser Ziel für diesen letzten Teil der Reise war der Mont-Saint-Michel. Schon aus der Ferne ist dieser außergewöhnliche Ort ein beeindruckender Anblick. Die mittelalterliche Abtei thront auf einem kleinen Felsen mitten in der Bucht und scheint bei bestimmten Licht- und Gezeitenverhältnissen beinahe zwischen Himmel und Meer zu schweben.

Besonders faszinierend ist das Zusammenspiel von Landschaft, Wasser und Licht. Die riesige Bucht verändert mit den Gezeiten ständig ihr Gesicht. Mal scheint sich das Meer weit zurückzuziehen, dann rückt das Wasser wieder näher an den Felsen heran. Eine Landschaft, die sich nicht nur im Laufe des Tages, sondern manchmal innerhalb weniger Stunden völlig verändert.

Fotografisch bietet dieser Ort unzählige Möglichkeiten. Gleichzeitig ist es einer dieser Plätze, an denen man die Kamera auch einmal sinken lassen sollte, um den Moment einfach zu genießen.

Mit dem Mont-Saint-Michel endet unsere kleine Reise entlang der französischen Atlantikküste. Von den alten Fischerstegen am Meer über die lebendige Hafenstadt La Rochelle bis hin zu den kargen Felsen der Bretagne durften wir unterwegs viele unterschiedliche Eindrücke sammeln.

Was bleibt, sind schöne Erinnerungen, viele Bilder und die Gewissheit, dass es auf solchen Reisen oft gar nicht darum geht, möglichst viel zu sehen. Vielmehr sind es die besonderen Lichtstimmungen, die kleinen Entdeckungen am Wegesrand und die ungeplanten Stopps, die eine Reise unvergesslich machen.

Ganz abgeschlossen ist unser Roadtrip damit allerdings noch nicht. In einem letzten, ergänzenden Beitrag möchte ich noch ein wenig auf die fotografische Seite der Reise eingehen: auf die verwendete Ausrüstung, meine Erfahrungen mit der Leica M11-P und dem 35er APO und natürlich auf das Fotografieren selbst. Denn neben den Orten und den besonderen Lichtstimmungen ist es auch immer spannend, wie die Bilder unterwegs entstehen und worauf ich dabei achte. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen dieser Reise folgt also noch.

Euer Alex

Sommermärchen 2026 (Teil 4) – Bei Roscoff

Je weiter wir an der Küste nach Norden kamen, desto rauer und ursprünglicher wurde die Landschaft. Rund um Roscoff zeigte sich die Bretagne von einer besonders eindrucksvollen Seite. Karge, vom Meer geformte Felsen, dazwischen kleine Buchten und immer wieder der Blick hinaus auf den Atlantik. Eine Landschaft, die auf den ersten Blick fast spröde wirkt und gerade dadurch ihren besonderen Reiz entwickelt. Hier braucht es eigentlich nicht viel. Fels, Wasser, Himmel und das Licht.

Und dieses Licht war an diesen Tagen einfach traumhaft. Es legte sich weich über die Landschaft, ließ die Felsen immer wieder anders erscheinen und sorgte für diese ganz besondere Stimmung, die man an der Atlantikküste so intensiv erleben kann.

Wir sind einfach ein Stück an der Küste entlanggefahren, haben angehalten, wo es uns gefallen hat, und die Landschaft auf uns wirken lassen. Gerade solche Momente machen für mich den Reiz eines Roadtrips aus: kein festes Ziel, kein Zeitplan – nur die Straße, das Meer und die nächste interessante Stelle, an der man stehen bleiben möchte.

Roscoff und die Küste rundherum gehören für mich zu den Landschaften, die man nicht unbedingt beschreiben muss. Man muss sie eigentlich nur sehen.

Euer Alex

Sommermärchen 2026 (Teil 3) – Weiter in Richtung Norden

Nach La Rochelle ging es weiter: immer an der Küste entlang in Richtung Norden. Dabei waren es gar nicht unbedingt die großen Sehenswürdigkeiten, die uns besonders beeindruckten. Vielmehr waren es die kleinen Orte am Wasser, die schmalen Straßen, die alten Häuser und die vielen kleinen Häfen, die immer wieder zum Anhalten einluden.

Man fährt ein Stück, sieht irgendwo ein paar Boote zwischen den Häusern liegen und denkt: Hier müssen wir kurz schauen. Und genau diese ungeplanten Stopps waren für uns ein schöner Teil der Reise.

Die kleinen Häfen wirkten oft wunderbar ursprünglich. Fischerboote, alte Stege, Netze und jede Menge Spuren des täglichen Lebens am Meer. Dazu das besondere Licht der Atlantikküste, das sich ständig verändert: mal weich und fast silbrig, dann wieder kräftig und klar.

Und während wir langsam weiter nach Norden fuhren, wurde eines immer deutlicher: Die Atlantikküste hat unglaublich viele Gesichter. Große Strände, kleine Häfen, verschlafene Orte und immer wieder dieses faszinierende Zusammenspiel von Meer, Landschaft und Licht. Also ging es weiter. Immer der Küste entlang.

Euer Alex

Sommermärchen 2026 (Teil 2) – La Rochelle

Nach unserem ersten Halt am Atlantik ging es weiter nach La Rochelle: eine Stadt, die uns sofort begeistert hat. Maritimes Flair, alte Gassen, helle Steinfassaden und natürlich der beeindruckende alte Hafen machen den besonderen Charakter dieser Stadt aus.

La Rochelle blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Im 10. Jahrhundert zunächst als Fischerdorf gegründet, entwickelte sich die Stadt bereits im Mittelalter zu einem bedeutenden Handels- und Hafenplatz. Vor allem mit Salz und Wein wurde gehandelt. Der Reichtum dieser Zeit ist bis heute im Stadtbild zu spüren.

Das wohl bekannteste Motiv der Stadt findet sich am Vieux-Port: die drei mittelalterlichen Türme Tour Saint-Nicolas, Tour de la Chaîne und Tour de la Lanterne. Sie bewachten einst die Hafeneinfahrt; zwischen Saint-Nicolas und der Tour de la Chaîne konnte bei Bedarf sogar eine Kette gespannt werden, um den Zugang zum Hafen zu versperren.

Heute ist von der bewegten Geschichte vor allem die besondere Atmosphäre geblieben. Man schlendert durch enge Gassen, unter den für La Rochelle typischen Arkaden hindurch und steht wenige Minuten später wieder am Wasser. Die Mischung aus Geschichte und Meer macht die Stadt für uns so reizvoll.

Und natürlich ist es auch das Licht, das La Rochelle fotografisch so spannend macht. Das helle Gestein, das Wasser des Atlantiks und die wechselnden Lichtstimmungen ergeben immer wieder neue Motive. Ein wunderbarer Ort, um einfach durch die Stadt zu treiben, die Kamera dabei zu haben und sich überraschen zu lassen, was einem vor die Linse kommt.

Euer Alex

Sommermärchen 2026 (Teil 1) – Der Steg am Atlantik

Nun geht sie los, die kleine Serie von unserem Roadtrip im Sommer. Unser erster Halt führte uns an den Atlantik. Schon hier zeigte sich, wie sehr dieser Küstenabschnitt vom Wechsel der Gezeiten geprägt ist. Besonders fasziniert haben mich die alten Stege, die weit ins Meer hinausführen. Sie dienten den Fischern dazu, auch bei Ebbe hinaus aufs Wasser zu gelangen. Bei Niedrigwasser lagen sie allerdings fast vollständig trocken und wirkten dadurch beinahe wie freischwebende Wege, die ins Nichts führen.

Mit der Flut veränderte sich das Bild komplett. Dort, wo kurz zuvor noch Sand und Schlick zu sehen waren, reichte das Wasser nun bis an die Stege heran. Ein und derselbe Ort zeigte innerhalb weniger Stunden zwei völlig unterschiedliche Gesichter.

Auch fotografisch war dieser erste Halt etwas Besonderes. Das Licht war wunderbar weich und stimmungsvoll und brachte die Strukturen der Stege, das Wasser und den weiten Horizont sehr schön zur Geltung. Und dann waren da noch diese wunderbaren alten Häuser auf dem Weg zum Meer.

Euer Alex