Seoul schläft nicht. Seoul blinkt. Teil 2

Seoul hat offenbar beschlossen, dass gerade Rot, Gelb und Neonblau gleichzeitig absolut sinnvoll aussehen. Ehrlich gesagt: Nach ein paar Stunden in diesen Straßen habe ich aufgehört, die Stadt verstehen zu wollen und angefangen, sie einfach wirken zu lassen.

Dieser Abend war keiner mit großem Plan. Eher ein zielloses Treiben durch ein Viertel, irgendwo zwischen dampfenden Garküchen, leuchtenden Convenience Stores und Menschen, die selbst um Mitternacht noch aussehen, als hätten sie einen wichtigen Termin.

Streetfotografie in Seoul fühlt sich anders an. Schneller. Dichter. Die Stadt gibt dir kaum Zeit zu überlegen. Ein Blick, ein Schatten, ein alter Mann mit Einkaufstüten unter grellem Neonlicht und eine Sekunde später ist alles wieder verschwunden. Wahrscheinlich mag ich genau deshalb diese Art der Fotografie so sehr: Sie ist nie perfekt. Sie ist ehrlich.

Die Bilder aus diesem Beitrag sind alle an einem einzigen Abend entstanden. Ein Viertel, ein paar Straßen, unzählige Eindrücke. Aber genau so hat sich Seoul für mich angefühlt: kontrastreich, warm, hektisch und gleichzeitig seltsam melancholisch.

Auch die Bearbeitung folgt diesem Gefühl. Etwas mehr Kontrast. Ein leichter Gelbstich. Nicht, weil Farben „korrekt“ sein müssen, sondern weil Erinnerungen es auch nie sind. Städte haben für jeden Menschen ihren eigenen Farbton – und Seoul war für mich an diesem Abend irgendwo zwischen Natriumdampflampe und letzter U-Bahn.

Und vielleicht ist das ohnehin das Schönste an Streetfotografie: Nicht die perfekte Abbildung einer Stadt, sondern der Versuch, ihren Charakter einzufangen. Selbst wenn er nur für einen Wimpernschlag sichtbar wird.

Euer Alex

Eine Stadt wie ein Atemzug – Zu groß, um ihn ganz zu fassen: Seoul. Teil 1

Seoul: 25 Millionen Leben, die sich in Straßen ergießen, in U-Bahnen verdichten, in Neonlichtern flimmern. Und irgendwo dazwischen: ich. Mit meiner Leica. Immer ein wenig zu langsam für den Moment, der schon wieder weitergezogen ist.

Ich bin nicht in Seoul, um anzukommen. Nicht wirklich. Die Tage sind gezählt, die Termine eng getaktet, die Wege oft vorgegeben. Und doch gibt es diese Zwischenräume, Minuten, manchmal nur Sekunden, in denen die Stadt sich öffnet. Nicht für lange, nicht vollständig, aber gerade genug, um einen Blick zu erhaschen.

Fotografie wird in solchen Momenten zu etwas anderem. Weniger Planung, weniger Perfektion. Mehr Instinkt. Mehr Loslassen. Ich laufe nicht durch Seoul, ich treibe. Zwischen Hochhäusern und kleinen Gassen, zwischen der Ruhe eines Tempels und dem unaufhörlichen Puls der Straßen. Alles scheint gleichzeitig zu passieren, und doch ist jeder Moment unwiederbringlich.

Vielleicht ist das der Kern meiner Woche in Seoul: das Flüchtige festzuhalten, ohne zu glauben, man könne es besitzen. Fünf Tage in denen ich nur an den Abenden Zeit habe mich mit der Stadt zu beschäftigen. Aber da ist auch dieser eine Tage ohne Termine, nur für die Stadt!

Das hier ist der Anfang einer kleinen Serie. Sie wird keine vollständige Geschichte erzählen. Dazu ist Seoul zu groß, zu vielschichtig, zu lebendig. Aber vielleicht entsteht etwas anderes: ein Mosaik aus Momenten. Unvollständig, subjektiv, ehrlich.

Eine Woche. Eine Kamera. Ein Objektiv. Ich. Und eine Stadt, die sich für mich nach dieser Woche nicht ganz greifen lässt. Raus in die Straßen, hinein in dieses Meer aus Bewegung, Licht und Geschichten. Wir beginnen mit einem Überblick von Oben: aus luftigen 485 m Höhe vom Lotte World Tower (Gesamthöhe: 555 m). Zartes Gelb gekoppelt mit hartem Kontrast dominiert die Bildsprache – gewollt, was sonst!

Euer Alex

In der alten Heimat

Nach langer Zeit war ich wieder mal in dem Ort in dem ich aufgewachsen bin. Familie besuchen, die Osterfeiertage etwas genießen und einfach etwas langsam machen. Leider blieb die Kamera meist in der Tasche – daher gibt es nur wenige Bilder.

Hier im Blog ist es im Moment sehr ruhig – viel Arbeit und auch sonst viel los. In den kommenden Wochen stehen aber ein paar Reisen an, dann hoffe ich, dass es auch hier wieder etwas voller wird.

Euer Alex

Buchtipp: Alex Webb – The suffering of light

Heute habe ich wieder einmal einen Buchtipp für euch – und zwar das Buch „The Suffering of Light“ von Alex Webb. Zugegeben: Am Anfang war ich etwas skeptisch. Mit der Zeit habe ich mich jedoch intensiver mit dem Buch beschäftigt. Und ja, nicht jedes Bild spricht mich gleichermaßen an, aber einige sind schlicht grandios. Besonders beeindruckend ist Webbs Können immer dann, wenn er ohne natürliches Licht auskommen muss und nur sehr wenig künstliches Licht zur Verfügung hat. Die Stimmung, die er unter diesen Bedingungen zu erzeugen vermag, ist einfach gewaltig.

Mehr Infos zu Webb und seinem Werk findet ihr hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Alex_Webb

https://www.magnumphotos.com/photographer/alex-webb

Viel Spaß beim Stöbern…

Euer Alex

Das Teil das ich nie haben wollte…

Eigentlich wollte ich ihn nie haben. Wirklich nicht!
Ein elektronischer Sucher an einer Leica M, das fühlte sich für mich lange nach einem Stilbruch an. Zu elektronisch, zu wenig „M“. Und dann steht da dieses Ding auch noch oben auf der Kamera und sieht aus… nun ja, darüber reden wir später.

Der Auslöser war am Ende kein plötzlicher Kaufrausch, sondern eher eine leise Kettenreaktion.

Neulich entdeckte ich meinen alten Aufstecksucher für 21 mm. Ein schönes Teil, aber ehrlich gesagt: Ich habe ihn praktisch nie benutzt. Gleichzeitig sah ich, was dafür inzwischen aufgerufen wird. Also wurde er verkauft. Kurz darauf folgten meine alten Canon-Blitze, die seit gut zehn Jahren ungenutzt in der Schublade lagen. Technisch sicher noch okay, praktisch für mich völlig bedeutungslos. Und plötzlich war da Budget. Ohne wirklich „Geld auszugeben“. Ein bisschen addiert, nicht viel draufgelegt und auf einmal war der Visoflex 2 greifbar. Aber das allein hätte nicht gereicht.

Die Sache mit der Naheinstellgrenze

Im letzten Sommer wurde mir etwas immer klarer: Ich nutze die Naheinstellgrenze meines 35er APO erstaunlich oft. Und genau da beginnt das Problem. Bei praller Sonne über das Display im LiveView scharfzustellen ist… sagen wir: suboptimal. Man kneift die Augen zusammen, hält die Kamera irgendwie schattig, verrenkt sich halb und merkt nach einer Weile, dass die Augen einfach müde werden. Richtig müde.

In München hatte ich dann die Gelegenheit, die Leica EV1 auszuprobieren. Und obwohl das ein ganz andere Story ist, blieb der Gedanke eines elektronischen Sucher hängen: Wie wäre das eigentlich an meiner M11-P? Dieser Gedanke ließ mich nicht mehr los.

Gekauft. Und ja: hässlich!

Also habe ich ihn gekauft. Und ich bleibe dabei: Vom Design her finde ich den Visoflex 2 einfach nur grässlich. Er passt optisch so gar nicht zu der klaren, reduzierten Linie einer M. Er ist ein Fremdkörper. Punkt! Aber: technisch ist das Teil hervorragend umgesetzt.

Der Sucher zeigt exakt das gleiche Bild wie das Display im LiveView. Keine Überraschungen, keine Umwege. Was ich hinten sehe, sehe ich auch im Sucher, nur eben dort, wo es bei hellem Licht hingehört: direkt am Auge.

Der Visoflex 2 schaltet sehr zuverlässig ein, sobald man sich mit dem Auge nähert. Kein Gefummel, kein bewusstes Umschalten. Es fühlt sich selbstverständlich an und genau das will man bei einem Zubehör, das man eigentlich nie wollte.

Das Sucherbild selbst ist hervorragend: klar, kontrastreich, gut aufgelöst. Auch feines Scharfstellen im Nahbereich macht damit genau so viel Spaß, wie man es sich erhofft. Oder anders gesagt: Es funktioniert einfach.

Noch kein Langzeittest – aber ein gutes Gefühl

Ich konnte den Visoflex 2 noch nicht ausgiebig testen. Kein Langzeiterlebnis, keine abschließende Bewertung. Aber bisher macht er genau das, was er soll. Unauffällig, zuverlässig, ohne Drama.

Vielleicht ist das am Ende das größte Kompliment.

Ich habe mir etwas gekauft, das ich nie haben wollte.
Ich finde es optisch immer noch nicht schön.
Aber ich bin ziemlich sicher, dass ich es behalten werde.

Manchmal gewinnt eben die Praxis über die Prinzipien.

Euer Alex

Winterstille

Nach einer kleinen Pause melde ich mich mit zwei Bildern zurück, die kürzlich bei einer Schneewanderung entstanden sind. Tief im winterlichen Wald stand diese Hütte – ganz verlassen, still und fast ein wenig geheimnisvoll. Beim näheren Hinsehen offenbarte sie einige überraschend spannende Details, als hätte sie noch Geschichten aus anderen Zeiten zu erzählen.

Viel Zeit blieb allerdings nicht: Der Wind pfiff mir eisig um die Ohren, die Kälte kroch langsam durch alle Schichten. Also hieß es bald weiterziehen; zurück, dem Warmen entgegen.

Euer Alex

Der düstere Beginn des Jahres

Ok, ich gebe es zu: Das Jahr könnte „heller“ und positiver beginnen. Aber mit Blick auf die allgemeine Weltlage ist mir das Lachen schon vor einiger Zeit vergangen. Was bleibt also: Fotografie! Hmmm…und dann kommen solche Bilder raus! Da kann ich jetzt aber auch nicht weiterhelfen – nehmt es einfach wie es ist und es wird ja sicher auch wieder bunter – bald! Versprochen!

Aber was seht ihr da eigentlich abgebildet? Es ist die Kirche im Freiburger Stadtteil Rieselfeld. Architektonisch wird das Bauwerk dem Brutalismus zugeordnet. Mehr Infos zum Bau finden sich hier.

Ich habe bei der Ausarbeitung der Bilder bewusst alle Regler ins „Extreme“ gezogen und damit eine recht harte Abbildung geschaffen. Aus meiner Sicht ist diese Darstellung grenzwertig, aber für mich stimmig zum Bauwerk.

Euer Alex