Seoul hat offenbar beschlossen, dass gerade Rot, Gelb und Neonblau gleichzeitig absolut sinnvoll aussehen. Ehrlich gesagt: Nach ein paar Stunden in diesen Straßen habe ich aufgehört, die Stadt verstehen zu wollen und angefangen, sie einfach wirken zu lassen.
Dieser Abend war keiner mit großem Plan. Eher ein zielloses Treiben durch ein Viertel, irgendwo zwischen dampfenden Garküchen, leuchtenden Convenience Stores und Menschen, die selbst um Mitternacht noch aussehen, als hätten sie einen wichtigen Termin.
Streetfotografie in Seoul fühlt sich anders an. Schneller. Dichter. Die Stadt gibt dir kaum Zeit zu überlegen. Ein Blick, ein Schatten, ein alter Mann mit Einkaufstüten unter grellem Neonlicht und eine Sekunde später ist alles wieder verschwunden. Wahrscheinlich mag ich genau deshalb diese Art der Fotografie so sehr: Sie ist nie perfekt. Sie ist ehrlich.
Die Bilder aus diesem Beitrag sind alle an einem einzigen Abend entstanden. Ein Viertel, ein paar Straßen, unzählige Eindrücke. Aber genau so hat sich Seoul für mich angefühlt: kontrastreich, warm, hektisch und gleichzeitig seltsam melancholisch.
Auch die Bearbeitung folgt diesem Gefühl. Etwas mehr Kontrast. Ein leichter Gelbstich. Nicht, weil Farben „korrekt“ sein müssen, sondern weil Erinnerungen es auch nie sind. Städte haben für jeden Menschen ihren eigenen Farbton – und Seoul war für mich an diesem Abend irgendwo zwischen Natriumdampflampe und letzter U-Bahn.
Und vielleicht ist das ohnehin das Schönste an Streetfotografie: Nicht die perfekte Abbildung einer Stadt, sondern der Versuch, ihren Charakter einzufangen. Selbst wenn er nur für einen Wimpernschlag sichtbar wird.













Euer Alex

























