Kategorie-Archiv: APO-Summicron-35

Valencia – Wenn die Altstadt im Abendlicht erstrahlt (Teil 2)

Nachdem wir im ersten Teil bereits die verwinkelten Gassen der Altstadt erkundet haben, bleiben wir noch ein wenig im Herzen Valencias. Denn gerade in den späten Nachmittags- und Abendstunden entfaltet die Stadt einen ganz besonderen Zauber.

Wenn die Sonne langsam tiefer sinkt und die Hitze des Tages nachlässt, verändert sich die Atmosphäre in den engen Straßen spürbar. Das harte Licht des Mittags weicht warmen Gold- und Orangetönen, die sich an den Fassaden spiegeln und selbst unscheinbare Ecken in kleine Bühnen verwandeln. Für Fotografen beginnt jetzt die vielleicht schönste Zeit des Tages.

Die schmalen Gassen wirken im Abendlicht fast wie natürliche Lichtkanäle. Sonnenstrahlen finden ihren Weg zwischen den Häusern hindurch und zeichnen helle Linien auf das Kopfsteinpflaster, während nur wenige Meter weiter bereits tiefe Schatten warten. Dieses Wechselspiel aus Licht und Dunkelheit verleiht den Straßen eine besondere Tiefe und sorgt ständig für neue Motive.

Auch die urbane Kunst gewinnt in diesen Stunden noch einmal an Ausdruckskraft. Die zahlreichen Wandgemälde, Graffiti und kunstvoll gestalteten Rollläden scheinen förmlich zu leuchten. Farben werden intensiver, Kontraste weicher. Viele der Werke erzählen kleine Geschichten, manche sind humorvoll, andere gesellschaftskritisch oder einfach nur dekorativ. Gemeinsam prägen sie den unverwechselbaren Charakter der Altstadt und machen jeden Spaziergang zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Besonders faszinierend ist dabei die Vielfalt. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues: ein großformatiges Wandbild, eine kunstvoll bemalte Tür, ein verstecktes Detail an einer Hauswand oder ein Geschäft, dessen geschlossener Rollladen nach Feierabend zum Kunstwerk wird. Valencia zeigt hier eine kreative Seite, die sich nicht in Museen oder Galerien versteckt, sondern ganz selbstverständlich Teil des täglichen Lebens ist.

Während die Straßen langsam ruhiger werden, füllen sich die Plätze mit Menschen, die den Abend genießen. Aus Bars und Restaurants dringen Stimmen und Gelächter, irgendwo spielt Musik, und über allem liegt dieses warme mediterrane Licht, das man nur schwer beschreiben kann. Es ist eines dieser Lichter, die man nicht nur sieht, sondern spürt.

Ein paar Worte noch zur Ausrüstung: Das APO-Summicron 35 mm an der M11-P ist für mich schlicht eine Traumkombination (wie schon so oft hier geschrieben). Schärfe, Kontrast, Farben: da passt einfach alles. Eigentlich. Denn in den engen Gassen Valencias ertappte ich mich mehr als einmal dabei, einen halben Schritt zurückzugehen. Und noch einen. Und noch einen. Bis irgendwann eine Hauswand oder ein parkendes Auto freundlich, aber bestimmt signalisierte: „Weiter zurück geht heute leider nicht.“ In genau diesen Momenten hätte ein 28-mm-Objektiv vermutlich die elegantere Lösung dargestellt. Die zusätzliche Weite wäre in manchen Situationen Gold wert gewesen. Trotzdem: Mein 35er wird nirgendwo hingehen. Dafür liebe ich den Bildwinkel einfach zu sehr. Es ist ein wenig wie bei einem guten Freund, der gelegentlich einen kleinen Tick hat. Man weiß genau, dass er nicht perfekt ist, aber gerade deshalb möchte man ihn nicht missen.

Euer Alex

Valencia – Zwischen Türmen, Gassen und urbaner Kunst (Teil 1)

Über Pfingsten ging es für ein paar Tage nach Valencia. Kein straffes Besichtigungsprogramm, keine Kilometerjagd von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Stattdessen standen Entspannung, Fotografie und natürlich gutes Essen auf dem Plan. Valencia erwies sich dabei als genau die richtige Wahl: eine Stadt, die mediterrane Gelassenheit mit historischem Charme und überraschend viel urbaner Kreativität verbindet.

Den Auftakt dieser kleinen 4-teiligen-Serie machen einige Eindrücke aus dem historischen Zentrum: Beginnend mit einem Blick von einem der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt, dem Glockenturm El Micalet (spanisch auch El Miguelete) der Kathedrale von Valencia. Der zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert errichtete gotische Turm prägt bis heute die Silhouette der Altstadt. Nach dem Aufstieg über die berühmte Wendeltreppe mit ihren 207 Stufen eröffnet sich ein fantastischer Rundumblick über die Dächer Valencias bis hinaus in Richtung Mittelmeer.

Die ersten Bilder dieser Serie entstanden genau dort oben. Mit dem Leica Super-Elmar 21 mm ließ sich die Weite der Stadt hervorragend einfangen. Die roten Ziegeldächer, die Türme und Kuppeln der historischen Gebäude sowie die modernen Akzente am Horizont verschmelzen zu einem Stadtbild, das Geschichte und Gegenwart gleichermaßen widerspiegelt. Von hier oben wird deutlich, wie kompakt die Altstadt eigentlich ist und wie eng die einzelnen Viertel miteinander verwoben sind.

Nach dem Abstieg führte der Weg wieder hinein in das Labyrinth der Altstadtgassen. Für diese Aufnahmen kamen das Leica APO-Summicron 35 mm zum Einsatz. Besonders das Viertel El Carmen zog mich magisch an. Hinter beinahe jeder Ecke wartet ein neues Motiv: schmale Durchgänge, verwitterte Fassaden, kleine Plätze und immer wieder überraschende Details, die man erst auf den zweiten Blick entdeckt.

Auffällig sind dabei die zahlreichen Graffiti und Wandbilder. Anders als in vielen anderen Städten wirken sie hier selten wie reine Schmierereien. Vielmehr sind sie Teil des Stadtbildes geworden. Besonders interessant fand ich die kunstvoll gestalteten Rollläden der kleinen Geschäfte. Tagsüber geöffnet und oft unscheinbar, verwandeln sie sich nach Geschäftsschluss in eine riesige Freiluftgalerie. Figuren, Schriftzüge, Karikaturen und farbenfrohe Kunstwerke verleihen den Straßen eine ganz eigene Atmosphäre.

Was Valencia dabei besonders sympathisch macht, ist die Selbstverständlichkeit, mit der Geschichte und Gegenwart nebeneinander existieren. Zwischen jahrhundertealten Gebäuden findet man moderne Kunst, kleine Cafés und kreative Läden. Nichts wirkt aufgesetzt oder künstlich inszeniert. Die Stadt lebt und genau das spürt man bei jedem Spaziergang.

Euer Alex

Das letzte Leuchten von Seoul. Teil 6

Und plötzlich ist da dieser letzte Abend. Also noch einmal raus. Noch einmal hinein in dieses leuchtende Chaos namens Seoul. Denn genau dort hat mich diese Stadt am meisten erwischt: nachts. Zwischen Neonreklamen, flimmernden Schildern, spiegelnden Straßen und diesem permanenten Gefühl, dass irgendwo hinter der nächsten Ecke wieder etwas komplett Absurdes, Schönes oder Fotografierbares passiert.

Seoul war für mich nie grau. Seoul war gelb. Warm. Kontrastreich. Laut. Fast so, als hätte jemand die ganze Stadt unter Natriumdampflampen gebaut und dann beschlossen, zusätzlich noch möglichst viele Neonfarben darüberzulegen. Eigentlich dürfte das alles visuell überhaupt nicht funktionieren, tut es aber. Irgendwie perfekt sogar.

Und genau deshalb sehen die Bilder in diesem letzten Teil so aus, wie sie aussehen. Viel Kontrast. Viel Licht. Viel Gelb. Keine objektive Realität, sondern Erinnerung. Denn wenn ich heute an Seoul denke, denke ich nicht an neutrale Farben oder perfekte Klarheit. Ich denke an warme Nächte, überbelichtete Schilder, dampfende Straßenecken und an Menschen, die selbst nachts um eins noch mit beeindruckender Entschlossenheit irgendwo unterwegs sind.

Diese Serie war nie der Versuch, die Stadt vollständig abzubilden. Aber vielleicht zeigen diese Bilder genau das, was Reisen am Ende wirklich hinterlassen: Fragmente. Licht. Stimmung. Kleine Momente zwischen U-Bahnstationen und Seitengassen.

Eine Woche. Eine Kamera. Unzählige Eindrücke. Und irgendwo zwischen Neonlicht und Gelbstich hat sich Seoul still und heimlich in meine Erinnerung eingebrannt. Danke Seoul!

Euer Alex

Ort der Stille in Seoul. Teil 5

Es gibt Orte in Seoul, an denen die Stadt plötzlich leiser wird. Der Verkehr verschwindet ein Stück weit im Hintergrund, die Glasfassaden treten zurück und zwischen alten Holzbalken, geschwungenen Dächern und weiten Innenhöfen fühlt sich die Zeit für einen Moment langsamer an. Der Gyeongbokgung-Palast wirkt fast wie ein Gegenpol zum restlichen Seoul – ruhig, geordnet und voller Geschichte.

Zwischen Neonlicht, engen Gassen und unzähligen Menschenmengen war dieser Ort fast surreal. Die Farben. Die Strukturen. Das Licht auf den alten Steinen. Alles wirkt durchdacht und gleichzeitig erstaunlich schlicht. Man merkt schnell, dass dieser Ort nicht gebaut wurde, um laut zu sein.

Fotografisch war das eine komplett andere Welt. Weniger Chaos, weniger Jagd nach dem flüchtigen Moment. Stattdessen Linien, Symmetrie und diese besondere Ruhe, die man kaum planen kann. Selbst mit tausenden Besuchern verteilt sich die Stimmung dort anders. Gelassener.

Direkt hinter dem Palast beginnt dann Bukchon Hanok Village. Zumindest theoretisch. Praktisch beginnt dort vor allem eines: Menschen. Sehr viele Menschen. Selfiesticks. Warteschlangen. Cafés mit perfekter Instagram-Strategie und Reisegruppen.

Natürlich verstehe ich, warum dieser Ort beliebt ist. Er ist schön. Ohne Frage. Aber für mich fühlte er sich seltsam losgelöst an. Fast wie eine Kulisse. Zu perfekt. Zu inszeniert.

Und vielleicht liegt genau darin mein Problem: Die Tage in Seoul haben mir eine andere Stadt gezeigt. Eine rohe, ehrliche, manchmal chaotische Stadt voller kleiner Momente, enger Straßen und echter Begegnungen. Bukchon Hanok Village dagegen wirkte auf mich eher wie die Vorstellung davon, was Besucher gerne sehen möchten. Deshalb gibt es davon in diesem Teil auch keine Bilder. Nicht weil der Ort es nicht wert wäre, sondern weil er für mich nicht das Seoul widerspiegelt, das ich erlebt habe. Die Stadt, die mich beeindruckt hat, fand ich nachts unter Neonlichtern, auf Märkten, in Seitengassen und zwischen Menschen, die einfach ihrem Alltag nachgingen.

Euer Alex

Seoul riecht nach… allem gleichzeitig. Teil 4

Es gibt Orte, an denen man automatisch langsamer wird. Nicht weil es ruhig wäre, ganz im Gegenteil. Sondern weil gleichzeitig so viel passiert, dass das Gehirn irgendwann einfach kapituliert und beschließt: „Gut. Dann schauen wir uns eben alles an.“

Genau so fühlen sich die Märkte in Seoul an.

Plötzlich riecht alles gleichzeitig. Gegrilltes Fleisch. Fisch. Gewürze. Irgendetwas Süßes. Irgendetwas Fermentiertes. Und irgendetwas, bei dem man lieber nicht zu genau nachfragt, solange es gut schmeckt.

Die Märkte in Seoul sind kein Ort für stille Beobachtung. Sie sind laut, eng, hektisch und vollkommen lebendig. Menschen schieben sich an dampfenden Töpfen vorbei, Händler rufen durcheinander, irgendwo zischt Öl in einer Pfanne und neben dir fotografiert vermutlich gerade jemand sein Essen .

Ich hätte dort vermutlich Tage verbringen können. Nicht nur wegen des Essens, obwohl das alleine schon ein sehr überzeugendes Argument wäre, sondern wegen dieser unglaublichen Energie. Alles wirkt improvisiert und gleichzeitig perfekt eingespielt. Ein kontrolliertes Chaos mit erstaunlich gutem Geschmack.

Für Streetfotografie sind diese Märkte fast schon unfair. Hinter jeder Ecke passiert etwas. Licht fällt durch alte Plastikdächer, Menschen lachen, essen, diskutieren. Hände greifen nach Nudeln, Dampf zieht durch schmale Gänge und irgendwo sitzt ein älterer Herr völlig entspannt zwischen tausend Tüchern, als wäre das alles das Normalste der Welt.

Für mich ist es ein visuelles Abenteuer. Für die Menschen dort einfach Dienstagnachmittag.

Auch fotografisch waren diese Orte ein Traum. Viel Kontrast, harte Lichtquellen, unruhige Szenen und ständig Bewegung.

Die Bilder aus diesem Teil zeigen deshalb weniger „den Markt“ als vielmehr das Gefühl dort zu sein: dieses permanente Treiben, die Wärme, das Licht, das Chaos und die Erkenntnis, dass man definitiv hungrig einkaufen geht und mit noch mehr Hunger wieder herauskommt.

Euer Alex

Zwischen Neonlicht und Sackgassen in Seoul. Teil 3

Es gibt Städte, die zeigen dir ihre Sehenswürdigkeiten. Und dann gibt es Seoul. Seoul zeigt dir zuerst Kabelsalat, flackernde Neonreklame, einen Convenience Store um 2 Uhr nachts und irgendeine mysteriöse Seitengasse, in der entweder das beste Essen deines Lebens wartet, oder einfach nur drei Klimaanlagen und ein parkender Roller.

Ich liebe genau das.

Denn je länger man durch diese Stadt läuft, desto weniger fühlt sie sich wie eine Metropole an und desto mehr wie ein lebender Organismus. Überall Bewegung. Überall Licht. Überall Menschen, die scheinbar genau wissen, wohin sie gehen, während ich mit meiner Kamera regelmäßig in Sackgassen lande.

Streetfotografie belohnt nicht Kontrolle, sondern Aufmerksamkeit. Die besten Momente passieren selten dort, wo man sie erwartet. Sie verstecken sich zwischen Neonlichtern, unter halb kaputten Schildern oder in den ruhigen Sekunden zwischen zwei Menschenströmen.

Dieser Abend hatte noch mehr von diesem typischen Seoul-Gefühl: harte Kontraste, spiegelnde Straßen, Licht, das aus jeder Richtung gleichzeitig kommt. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Stadt wolle fotografiert werden. Und fünf Minuten später wieder genau das Gegenteil.

Auch diesmal sind die Bilder eher Eindrücke als perfekte Postkarten. Manche Szenen wirken fast chaotisch, andere überraschend still. Aber genau so empfinde ich Seoul: wie ein permanenter Widerspruch aus Reizüberflutung und Einsamkeit. Man ist ständig von Millionen Menschen umgeben und läuft trotzdem oft alleine durch irgendeine kleine Gasse, begleitet nur vom Summen der Neonröhren.

Vielleicht liegt darin auch etwas Beruhigendes.

Denn egal, wie groß eine Stadt ist: Irgendwo gibt es immer eine kleine Seitenstraße, in der die Welt plötzlich langsamer wird. Selbst in Seoul.

Euer Alex

Seoul schläft nicht. Seoul blinkt. Teil 2

Seoul hat offenbar beschlossen, dass gerade Rot, Gelb und Neonblau gleichzeitig absolut sinnvoll aussehen. Ehrlich gesagt: Nach ein paar Stunden in diesen Straßen habe ich aufgehört, die Stadt verstehen zu wollen und angefangen, sie einfach wirken zu lassen.

Dieser Abend war keiner mit großem Plan. Eher ein zielloses Treiben durch ein Viertel, irgendwo zwischen dampfenden Garküchen, leuchtenden Convenience Stores und Menschen, die selbst um Mitternacht noch aussehen, als hätten sie einen wichtigen Termin.

Streetfotografie in Seoul fühlt sich anders an. Schneller. Dichter. Die Stadt gibt dir kaum Zeit zu überlegen. Ein Blick, ein Schatten, ein alter Mann mit Einkaufstüten unter grellem Neonlicht und eine Sekunde später ist alles wieder verschwunden. Wahrscheinlich mag ich genau deshalb diese Art der Fotografie so sehr: Sie ist nie perfekt. Sie ist ehrlich.

Die Bilder aus diesem Beitrag sind alle an einem einzigen Abend entstanden. Ein Viertel, ein paar Straßen, unzählige Eindrücke. Aber genau so hat sich Seoul für mich angefühlt: kontrastreich, warm, hektisch und gleichzeitig seltsam melancholisch.

Auch die Bearbeitung folgt diesem Gefühl. Etwas mehr Kontrast. Ein leichter Gelbstich. Nicht, weil Farben „korrekt“ sein müssen, sondern weil Erinnerungen es auch nie sind. Städte haben für jeden Menschen ihren eigenen Farbton – und Seoul war für mich an diesem Abend irgendwo zwischen Natriumdampflampe und letzter U-Bahn.

Und vielleicht ist das ohnehin das Schönste an Streetfotografie: Nicht die perfekte Abbildung einer Stadt, sondern der Versuch, ihren Charakter einzufangen. Selbst wenn er nur für einen Wimpernschlag sichtbar wird.

Euer Alex