Kategorie-Archiv: Abstraktes

Das Fließen des Moments

Und noch einmal zurück nach Seoul! Entstanden ist diese Serie während eines starken und spontanen Regens direkt vor meinem Hotel. Die Bedingungen hätten kaum dichter sein können: nasse Straßen, reflektierende Oberflächen, dichter Verkehr und Menschen, die sich mit Regenschirmen durch die Stadt bewegen. Eigentlich war der Anlass ein experimenteller: Ich wollte mit längeren Belichtungszeiten arbeiten und testen, wie sich Bewegung im urbanen Raum abbilden lässt.

Die Stadt wirkt in diesen Momenten gleichzeitig chaotisch und geordnet. Menschen eilen durch das Bild, verlieren klare Konturen, werden zu fließenden Formen. Die Regenschirme verstärken diesen Eindruck, sie wiederholen sich, strukturieren die Szene und geben dem Chaos eine visuelle Ordnung. Der Regen selbst trägt zusätzlich dazu bei, Kanten aufzulösen und die Lichter der Stadt weich zu zeichnen.

Interessant ist dabei, dass die ursprüngliche Situation alles andere als ruhig war. Es war laut, nass, schnell, voller Bewegung. Und doch vermitteln die fertigen Bilder etwas anderes: eine unerwartete Ruhe.

Diese Ruhe entsteht nicht trotz der Bewegung, sondern durch sie. Die lange Belichtung sammelt Zeit statt sie einzufrieren. Einzelne Momente verschwinden, werden überlagert, verdichtet. Was bleibt, ist nicht der einzelne Mensch, sondern die Spur seiner Bewegung. Die Stadt wirkt dadurch weniger wie eine Abfolge von Ereignissen, sondern eher wie ein kontinuierlicher Fluss.

Die Bearbeitung habe ich bewusst minimal gehalten: ein leichter Beschnitt und eine moderate Kontrastanhebung. Mehr Eingriffe hätten den Charakter der Aufnahmen verändert. Denn die eigentliche Wirkung entsteht bereits im Moment der Aufnahme: im Zusammenspiel von Licht, Regen, Bewegung und Zeit.

So wurde aus einer technischen Übung eine Serie, die für mich einen kleinen Widerspruch trägt: Hektik, die Ruhe erzeugt. Bewegung, die still wirkt. Und ein Moment, der sich nicht festhält, sondern erst durch sein Verschwinden sichtbar wird. Ich überlege noch diese Serie in mein Portfolio (Webseite) aufzunehmen – wir werden sehen!

Update: Die Serie hat es inzwischen ins Portfolio geschafft (https://portfolio.alex-reiterer.com/).

Euer Alex

Schattenbilder

München hat mir neulich zwei völlig unterschiedliche Kunst-Erlebnisse vor die Füße geworfen – und ich bin mir bis heute nicht sicher, ob ich Zeuge eines kreativen Zufalls, eines tiefgründigen Moments oder einfach nur von Blödelei geworden bin. Jedenfalls sind dabei zwei Bilder entstanden, die ungefähr so viel gemeinsam haben wie Weißwurst und Techno.

Bild 1: Aufgenommen in der Ausstellung „Digital by Nature“. Klingt nach Kunst, Avantgarde, progressivem Denken… oder einfach nach „Ich habe keine Ahnung, was es bedeutet, aber es sieht teuer aus.“ Ich stand davor und habe mich tiefgründig gefühlt. Mindestens drei Minuten lang. Danach habe ich so getan, als würde ich es verstehen. (Hat gut funktioniert, niemand hat gefragt.)

Bild 2: Entstanden… äh… im Hotelzimmer. Ganz ehrlich? Das ist kein Kunstwerk – das ist eine Situation. Eine Stimmung. Ein „Ich hab da mal was probiert“. Vielleicht ein mutiger Akt spontaner Kreativität. Vielleicht aber auch einfach die Folge von zu wenig Schlaf und zu viel Münchner Luft.

Lasst mich nicht allein mit meinen künstlerischen Identitätskrisen. Meinungen?

Euer Alex

Bodensee #2

Und wie versprochen gibt es noch ein paar Bilder, die am Bodensee entstanden sind. Die Bilder 2 bis 4 sind in einem Gewächshaus direkt am See entstanden. Wunderbare Kakteen. Alle Bilder wurden mit dem APO 35er erstellt. Wie man sieht, kann man mit der verkürzten Einstellgrenze sogar Makros machen – und das mit 35 mm! Verrückt!

Euer Alex

Formvollendet

Während meines Kurzaufenthalts auf dem Vitra-Campus habe ich erneut mit großer Faszination das Bauwerk von Zaha Hadid umrundet. Dieser Betonkoloss ist zweifellos beeindruckend – soll man ihn schön finden oder einfach nur hässlich? In jedem Fall lädt er zum Entdecken ein. Drei Bilder zeigen meinen Versuch, dieses außergewöhnliche Kunstwerk festzuhalten.

Das erste Bild entstand mit dem Super-Elmar 21 mm Objektiv. Bild 2 und 3 mit dem APO 35er. Wie immer habe ich in den Nachbearbeitung nur eine Umwandlung nach Schwarz-Weiß gemacht und die Tönung leicht angepasst.

Euer Alex

Kurvenreich

Neulich war ich mal wieder auf dem Vitra Campus – ein Ort, an dem ich immer sehr gerne bin und die Zeit genieße. Dort habe ich eine ganze Reihe von Bildern gemacht, unter anderem auch von der markanten Rutsche. Einen solchen Turm abzulichten ist durchaus herausfordernd, aber mit dem Ergebnis bin ich am Ende recht zufrieden. Alle drei Bilder sind mit dem Super-Elmar 21 mm entstanden. In der Nachbearbeitung habe ich lediglich eine Schwarz-Weiß-Konvertierung vorgenommen – fertig!

Euer Alex

Eingang

Bei einem Spaziergang durch meinen Heimatort in Südtirol sind mir zwei besondere „Eingänge“ aufgefallen – stille Zeugen vergangener Zeiten. Verwittert, vom Lauf der Jahre gezeichnet, aber gerade dadurch voller Charakter. Der Verfall scheint ihnen eine zusätzliche Tiefe zu verleihen, macht sie geheimnisvoller, fast lebendig. Ich frage mich, wie diese herrlichen Objekte wohl in ein paar Jahren aussehen werden. Werden sie noch stehen? Oder sind sie dann nur noch Erinnerung? Festgehalten habe ich beide Motive mit der Leica M und dem APO-Summicron 35 mm.

Euer Alex

Scheibenschlagen 2025

Wie jedes Jahr, fand auch 2025 wieder das traditionelle Scheibenschlagen oberhalb unseres kleinen Dörfchen statt. Quadratische Scheiben werden auf einen Stock befestigt und über eine Rampe in die Luft geschleudert. Bei voller Dunkelheit ergeben sich dann wunderbare Lichtspuren. Fotografiert wurde mit der Leica M11-P und dem APO35er. Ich hatte dieses mal den ISO-Wert automatisch von der Kamera wählen lassen, die Blende auf f/4.0 gestellt und die Belichtungszeit auf 4 Sekunden fixiert.

Um die Schieben zum Glühen zu bringen, werden kleine und große Feuer vorbereitet. Vor dem großen Feuer ergeben sich immer wunderbare Lichtspiele. Unten zwei Beispiele, bewusst im quadratischen Beschnitt.

Euer Alex