Kategorie-Archiv: Reisefotografie

Seoul riecht nach… allem gleichzeitig. Teil 4

Es gibt Orte, an denen man automatisch langsamer wird. Nicht weil es ruhig wäre, ganz im Gegenteil. Sondern weil gleichzeitig so viel passiert, dass das Gehirn irgendwann einfach kapituliert und beschließt: „Gut. Dann schauen wir uns eben alles an.“

Genau so fühlen sich die Märkte in Seoul an.

Plötzlich riecht alles gleichzeitig. Gegrilltes Fleisch. Fisch. Gewürze. Irgendetwas Süßes. Irgendetwas Fermentiertes. Und irgendetwas, bei dem man lieber nicht zu genau nachfragt, solange es gut schmeckt.

Die Märkte in Seoul sind kein Ort für stille Beobachtung. Sie sind laut, eng, hektisch und vollkommen lebendig. Menschen schieben sich an dampfenden Töpfen vorbei, Händler rufen durcheinander, irgendwo zischt Öl in einer Pfanne und neben dir fotografiert vermutlich gerade jemand sein Essen .

Ich hätte dort vermutlich Tage verbringen können. Nicht nur wegen des Essens, obwohl das alleine schon ein sehr überzeugendes Argument wäre, sondern wegen dieser unglaublichen Energie. Alles wirkt improvisiert und gleichzeitig perfekt eingespielt. Ein kontrolliertes Chaos mit erstaunlich gutem Geschmack.

Für Streetfotografie sind diese Märkte fast schon unfair. Hinter jeder Ecke passiert etwas. Licht fällt durch alte Plastikdächer, Menschen lachen, essen, diskutieren. Hände greifen nach Nudeln, Dampf zieht durch schmale Gänge und irgendwo sitzt ein älterer Herr völlig entspannt zwischen tausend Tüchern, als wäre das alles das Normalste der Welt.

Für mich ist es ein visuelles Abenteuer. Für die Menschen dort einfach Dienstagnachmittag.

Auch fotografisch waren diese Orte ein Traum. Viel Kontrast, harte Lichtquellen, unruhige Szenen und ständig Bewegung.

Die Bilder aus diesem Teil zeigen deshalb weniger „den Markt“ als vielmehr das Gefühl dort zu sein: dieses permanente Treiben, die Wärme, das Licht, das Chaos und die Erkenntnis, dass man definitiv hungrig einkaufen geht und mit noch mehr Hunger wieder herauskommt.

Euer Alex

Zwischen Neonlicht und Sackgassen in Seoul. Teil 3

Es gibt Städte, die zeigen dir ihre Sehenswürdigkeiten. Und dann gibt es Seoul. Seoul zeigt dir zuerst Kabelsalat, flackernde Neonreklame, einen Convenience Store um 2 Uhr nachts und irgendeine mysteriöse Seitengasse, in der entweder das beste Essen deines Lebens wartet, oder einfach nur drei Klimaanlagen und ein parkender Roller.

Ich liebe genau das.

Denn je länger man durch diese Stadt läuft, desto weniger fühlt sie sich wie eine Metropole an und desto mehr wie ein lebender Organismus. Überall Bewegung. Überall Licht. Überall Menschen, die scheinbar genau wissen, wohin sie gehen, während ich mit meiner Kamera regelmäßig in Sackgassen lande.

Streetfotografie belohnt nicht Kontrolle, sondern Aufmerksamkeit. Die besten Momente passieren selten dort, wo man sie erwartet. Sie verstecken sich zwischen Neonlichtern, unter halb kaputten Schildern oder in den ruhigen Sekunden zwischen zwei Menschenströmen.

Dieser Abend hatte noch mehr von diesem typischen Seoul-Gefühl: harte Kontraste, spiegelnde Straßen, Licht, das aus jeder Richtung gleichzeitig kommt. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Stadt wolle fotografiert werden. Und fünf Minuten später wieder genau das Gegenteil.

Auch diesmal sind die Bilder eher Eindrücke als perfekte Postkarten. Manche Szenen wirken fast chaotisch, andere überraschend still. Aber genau so empfinde ich Seoul: wie ein permanenter Widerspruch aus Reizüberflutung und Einsamkeit. Man ist ständig von Millionen Menschen umgeben und läuft trotzdem oft alleine durch irgendeine kleine Gasse, begleitet nur vom Summen der Neonröhren.

Vielleicht liegt darin auch etwas Beruhigendes.

Denn egal, wie groß eine Stadt ist: Irgendwo gibt es immer eine kleine Seitenstraße, in der die Welt plötzlich langsamer wird. Selbst in Seoul.

Euer Alex

Seoul schläft nicht. Seoul blinkt. Teil 2

Seoul hat offenbar beschlossen, dass gerade Rot, Gelb und Neonblau gleichzeitig absolut sinnvoll aussehen. Ehrlich gesagt: Nach ein paar Stunden in diesen Straßen habe ich aufgehört, die Stadt verstehen zu wollen und angefangen, sie einfach wirken zu lassen.

Dieser Abend war keiner mit großem Plan. Eher ein zielloses Treiben durch ein Viertel, irgendwo zwischen dampfenden Garküchen, leuchtenden Convenience Stores und Menschen, die selbst um Mitternacht noch aussehen, als hätten sie einen wichtigen Termin.

Streetfotografie in Seoul fühlt sich anders an. Schneller. Dichter. Die Stadt gibt dir kaum Zeit zu überlegen. Ein Blick, ein Schatten, ein alter Mann mit Einkaufstüten unter grellem Neonlicht und eine Sekunde später ist alles wieder verschwunden. Wahrscheinlich mag ich genau deshalb diese Art der Fotografie so sehr: Sie ist nie perfekt. Sie ist ehrlich.

Die Bilder aus diesem Beitrag sind alle an einem einzigen Abend entstanden. Ein Viertel, ein paar Straßen, unzählige Eindrücke. Aber genau so hat sich Seoul für mich angefühlt: kontrastreich, warm, hektisch und gleichzeitig seltsam melancholisch.

Auch die Bearbeitung folgt diesem Gefühl. Etwas mehr Kontrast. Ein leichter Gelbstich. Nicht, weil Farben „korrekt“ sein müssen, sondern weil Erinnerungen es auch nie sind. Städte haben für jeden Menschen ihren eigenen Farbton – und Seoul war für mich an diesem Abend irgendwo zwischen Natriumdampflampe und letzter U-Bahn.

Und vielleicht ist das ohnehin das Schönste an Streetfotografie: Nicht die perfekte Abbildung einer Stadt, sondern der Versuch, ihren Charakter einzufangen. Selbst wenn er nur für einen Wimpernschlag sichtbar wird.

Euer Alex

Eine Stadt wie ein Atemzug – Zu groß, um ihn ganz zu fassen: Seoul. Teil 1

Seoul: 25 Millionen Leben, die sich in Straßen ergießen, in U-Bahnen verdichten, in Neonlichtern flimmern. Und irgendwo dazwischen: ich. Mit meiner Leica. Immer ein wenig zu langsam für den Moment, der schon wieder weitergezogen ist.

Ich bin nicht in Seoul, um anzukommen. Nicht wirklich. Die Tage sind gezählt, die Termine eng getaktet, die Wege oft vorgegeben. Und doch gibt es diese Zwischenräume, Minuten, manchmal nur Sekunden, in denen die Stadt sich öffnet. Nicht für lange, nicht vollständig, aber gerade genug, um einen Blick zu erhaschen.

Fotografie wird in solchen Momenten zu etwas anderem. Weniger Planung, weniger Perfektion. Mehr Instinkt. Mehr Loslassen. Ich laufe nicht durch Seoul, ich treibe. Zwischen Hochhäusern und kleinen Gassen, zwischen der Ruhe eines Tempels und dem unaufhörlichen Puls der Straßen. Alles scheint gleichzeitig zu passieren, und doch ist jeder Moment unwiederbringlich.

Vielleicht ist das der Kern meiner Woche in Seoul: das Flüchtige festzuhalten, ohne zu glauben, man könne es besitzen. Fünf Tage in denen ich nur an den Abenden Zeit habe mich mit der Stadt zu beschäftigen. Aber da ist auch dieser eine Tage ohne Termine, nur für die Stadt!

Das hier ist der Anfang einer kleinen Serie. Sie wird keine vollständige Geschichte erzählen. Dazu ist Seoul zu groß, zu vielschichtig, zu lebendig. Aber vielleicht entsteht etwas anderes: ein Mosaik aus Momenten. Unvollständig, subjektiv, ehrlich.

Eine Woche. Eine Kamera. Ein Objektiv. Ich. Und eine Stadt, die sich für mich nach dieser Woche nicht ganz greifen lässt. Raus in die Straßen, hinein in dieses Meer aus Bewegung, Licht und Geschichten. Wir beginnen mit einem Überblick von Oben: aus luftigen 485 m Höhe vom Lotte World Tower (Gesamthöhe: 555 m). Zartes Gelb gekoppelt mit hartem Kontrast dominiert die Bildsprache – gewollt, was sonst!

Euer Alex

Sommermärchen 2025 (Teil 8) – La Grande-Motte 

Wie angekündigt, bildet den Abschluss der Serie ein kleiner Rundgang durch La Grande-Motte – eine Retortenstadt mit durchaus beeindruckender Architektur. Ziel bei ihrer Entstehung war es, Touristen von Spanien nach Frankreich zu locken. Errichtet wurde die Stadt in den 1960er-Jahren, seit 1974 ist sie eine eigenständige Gemeinde. Ganz klar: Wohnen möchte ich dort nicht! Dennoch ist es durchaus interessant, sich die Gebäude und das städtebauliche Konzept etwas genauer anzusehen.

Alle Bilder wurden mit dem APO 35er aufgenommen. Natürlich stellt sich die Frage, warum ich nicht zum 21er gegriffen habe. Ich habe lange mit der Wahl gerungen und auch einige Testaufnahmen mit dem 21er gemacht. Am Ende wollte ich jedoch weniger Verzeichnung und habe dafür in Kauf genommen, einige Gebäude beschneiden zu müssen. Im Nachhinein würde ich die kleine Tour vielleicht zweimal machen, um beide Objektive einsetzen zu können.

Dieser Teil bildet zugleich den Abschluss dieser (umfangreichen) Serie. Nächste Woche folgt ein kleiner Rückblick sowie eine kritische Betrachtung der M11-P. Freut euch darauf…

Euer Alex

Sommermärchen 2025 (Teil 7) – Le Grau-du-Roi

Der letzte Stopp der Reise war in Le Grau-du-Roi, ein Ort kurz vor Montpellier. Der Grund warum wir dort Halt gemacht haben, waren die berühmten Salzfelder und die Flamingos, die man in freier Wildbahn beobachten kann…und natürlich die unendlichen Sandstrände, die es dort gibt. Als Bonus gab es dann noch die „Retortenstadt“ La Gande-Motte, die ich euch aber erst im kommenden Blogbeitrag nächste Woche zeigen werde.

Kurz ein paar Infos zum Bild oben: das sind freilebende Flamingos, fotografiert mit der Leica M11-P mit dem 35er APO Objektiv. Das Bild ist nicht beschnitten worden! Ihr könnte euch also vorstellen wie nahe man an die Tiere dort rankommt. Um die Sache noch etwas spannender zu machen, habe ich die Blende auf f/2.0 geöffnet. Und da sagt noch einer, dass Wildtierfotografie nur mit Teleobjektiv klappt 🙂

Und dann noch ein paar Bilder von diesen endlosen Sandstränden…

Euer Alex

Sommermärchen 2025 (Teil 6) – Calanques de Cassis

Eines der Highlights in der Nähe von Cassis sind die Calanques – eine Aneinanderreihung tiefer, enger, schluchtartiger Buchten. Man kann sie entweder mit dem Boot erkunden oder erwandern – wir haben beides gemacht! Die Bootstour dauert etwa drei Stunden und ist ziemlich wackelig. Für die Wanderung sollte man einen ganzen Tag einplanen, und selbst dann schafft man höchstens drei Buchten (die Höhenmeter die man macht sind beträchtlich!).

Leicht zu erkennen ist, dass alle Bilder – bis auf die letzten beiden – vom Boot aus aufgenommen wurden. Das erste Bild und die letzten beiden entstanden mit dem APO 35er, die übrigen mit dem 21er. Die Kombination aus blauem Himmel, hellen Felsen und dunklem Meer ist einfach beeindruckend.

Als kleine Abschlussbemerkung sei erwähnt, dass mich das Zeichnen des Himmels bei der M11-P tief beeindruckt. Die Farben wirken sehr gesättigt, aber trotzdem natürlich. Der Mikrokontrast des 35er APO trägt dann noch einiges dazu bei, dass die Bilder eben so aussehen wie sie aussehen 🙂

Euer Alex