2025: Ein Jahr, das irgendwie zwischen „noch nicht ganz angekommen“ und „schon wieder vorbei“ oszilliert. Zeit also, kurz innezuhalten und Revue passieren zu lassen, was fotografisch (und menschlich) so gelaufen ist. Schnallt euch an, es wird eine Mischung aus Technik-Geständnissen, Reise-Impressionen und der gelegentlichen existenziellen Krise vorm Leuchtpult. Lasst uns also den Knoten gemeinsam lösen 🙂
Die technische Seite: Von Glas und Software
Fangen wir mit dem Equipment an; denn ja, ich bin immer noch tief im Leica-Kosmos versunken. Die M11-P ist nach wie vor mein treuer Begleiter, auch wenn sie mich dieses Jahr gelegentlich zur Verzweiflung getrieben hat. Firmware 2.5.1, ein Kapitel, das ich am liebsten komplett aus meinem Gedächtnis streichen würde. Abstürze, überbelichtete Bilder, eingefrorene Displays… Bei einer Kamera in dieser Preisklasse erwartet man Zuverlässigkeit, keine Beta-Test-Erfahrung. Die neue Firmware 2.6.0 hat zumindest vieles stabilisiert, und ich bin dankbar, dass Leica hier nachgebessert hat. Trotzdem bleibt ein bitterer Beigeschmack: Software-Qualität sollte bei diesem Preisniveau eine Selbstverständlichkeit sein, kein nachträgliches Flickwerk.
Objektiv-seitig ist alles beim Alten geblieben: Das APO-Summicron 35 mm ist und bleibt meine erste Wahl. Dieses Objektiv zeichnet so, dass man sich jedes Mal neu verliebt: Mikrokontrast, Schärfe, und dieses Bokeh… das ist keine Fotografie mehr, das ist Poesie in Glas. Das Super-Elmar 21 mm kam dieses Jahr häufiger zum Einsatz, vor allem in der Architektur- und Landschaftsfotografie. Das Summilux 50 mm bleibt meine Geheimwaffe für Porträts und emotionale Momente, wobei es 2025 deutlich weniger Einsatzzeit hatte als das 35er.
Interessant war auch meine Auseinandersetzung mit KI in der Bildbearbeitung. Die „Objektivunschärfe“-Funktion in Lightroom? Praktisch, ja, aber sie kann die Charakteristik echter Optiken einfach nicht ersetzen. In komplexen Szenen entstehen Artefakte, die sofort auffallen. Und ehrlich gesagt: Ich will gar nicht, dass KI die Eigenheiten meiner Objektive ausbügelt. Ein Summilux soll sich wie ein Summilux anfühlen, nicht wie ein generisches Weichzeichner-Tool.
Zwischengedanken: Tourismus und seine Schattenseiten
So schön diese Reise war: sie hat mir auch die Augen geöffnet. Moneglia, Antibes, Cassis – überall dieselbe Geschichte: Zu viele Menschen, zur selben Zeit, mit denselben Erwartungen. Social Media, Reiseführer, Influencer – sie alle führen uns an dieselben Orte. Und plötzlich wird aus dem intimen Erlebnis eine Massenveranstaltung. Ich habe mich dabei ertappt zu denken: Warum bin ich überhaupt hier? Was suche ich? Und finde ich es wirklich in diesen überlaufenen Gassen?
Der Sommer 2024 am Atlantik: weite Strände, kaum Menschen, nur Wind und Wellen, erscheint mir rückblickend als authentischer, ehrlicher. Vielleicht weniger spektakulär, aber tiefer. Das ist eine Erkenntnis, die mich ins neue Jahr begleitet: Wie will ich reisen? Will ich die bekannten Hotspots abklappern oder bin ich bereit, Umwege zu machen, Stille auszuhalten, mich auf Unbekanntes einzulassen?
Vitra Campus: Architektur als Inspiration
Mehrfach war ich 2025 auf dem Vitra Campus, einem Ort, der mich immer wieder fasziniert. Zaha Hadids Feuerwehrhaus, die Rutsche, die geometrischen Strukturen… Das ist Architektur, die polarisiert. Schön oder hässlich? Beides. Oder keins von beidem. Aber auf jeden Fall inspirierend.
Die reduzierten, abstrakten Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die dort entstanden sind, gehören zu meinen persönlichen Favoriten dieses Jahr. Manchmal braucht es keine große Reise, manchmal reicht ein Nachmittag vor der Haustür.
Persönliches: Zwischen Alltag und Augenblicken
Neben all der Technik und den Reisen gab es auch die stillen, privaten Momente: Meine Tochter beim Backen, einmal voll konzentriert, dann gelangweilt wartend, während die Kekse für unseren Nachbaresel im Ofen brutzeln. Diese Alltagsszenen sind es, die am Ende oft am meisten zählen. Das Summilux 50 mm hat diese Momente festgehalten, nicht immer perfekt scharf, aber immer ehrlich.
Auch der Bodensee war dieses Jahr ein wiederkehrendes Thema – Ruhe, Wasser, Licht. Ein Ort, an dem ich durchatmen kann. Mein Rücken macht mir zwar gelegentlich einen Strich durch die Rechnung, aber solange die Kamera noch in der Hand liegt, ist alles gut.
Was bleibt?
2025 war ein Jahr voller Widersprüche: Technische Frustrationen und optische Meisterwerke. Überfüllte Touristenorte und einsame Buchten. Spontane Alltagsmomente und durchgeplante Roadtrips. KI-Werkzeuge, die beeindrucken – und dann doch an ihre Grenzen stoßen.
Was ich mitgenommen habe? Die Erkenntnis, dass gute Fotografie nicht nur von der Ausrüstung abhängt (auch wenn sie verdammt hilft), sondern von der Bereitschaft, hinzuschauen, innezuhalten, und sich nicht nur von den bekannten Motiven treiben zu lassen. Und vielleicht auch die Einsicht, dass Reisen nicht immer spektakulär sein muss, manchmal sind es die leisen Orte, die am lautesten nachklingen.
2026, ich bin bereit. Mit einer hoffentlich stabilen Firmware, einem gepackten Rucksack und der Frage im Gepäck: Wo führt mich die Reise hin – geografisch und fotografisch?
Bis dahin: Bleibt neugierig, bleibt kritisch, und vergesst nicht, ab und zu den Finger vom Auslöser zu nehmen und einfach nur zu schauen.

Euer Alex
Und hier die Liste und die Links zu den alten Jahresrückblicken:
