Kategorie-Archiv: Technisches

The Beauty and the Beast – Kleiner Erfahrungsbericht zur Leica T

Bevor die Leser jetzt vom Hocker fallen und denken, ich hätte meine geliebte Leica M gegen eine Leica T getauscht: weit gefehlt! Ich nutzte vor ein paar Tagen aber die Gelegenheit, die Leica derzeit bietet, und testete eine Leica T.

Die Leica T wurde 2014 eingeführt, ist also fast genau ein Jahr am Markt. Das T-System bedeutete für Leica ein erhebliches Risiko, da es praktisch einen Neuanfang bzw. eine Neuentwicklung darstellt. Und so entschied man sich bei Leica, die Sache mal ganz anders anzugehen. Das Herz des Systems ist ein Uni-Body, also ein Gehäuse, das aus einem vollen Alublock gefräst wird. Dies ist im Maschinenbau und Gerätebau heute nichts besonderes, man muss sich aber doch die Frage stellen, ob dies für eine Kamera der richtige Ansatz ist.

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Das Kameragehäuse der Leica T wird aus einem vollen Alu-Blick gefräst. Quelle: Photoscala.

Apple hat das Uni-Body-Design im Consumer-Bereich bekannt gemacht und schwört bei vielen Geräten auf diese Technik. Natürlich, sie ist hübsch! Und wie! Das schlanke Gehäuse wirkt fast filigran, aber liegt trotzdem relativ stabil und fest in der Hand. Die Verarbeitung ist Leica-typisch hochwertig und so macht es einfach Spaß, die Kamera in den Händen zu halten und mit ihr zu arbeiten.

Kurz ein paar technische Details. In der Kamera steckt ein APS-C-Chip mit 16,5 Mio. Pixel. Die Bedienung erfolgt fast ausschließlich über das rückseitige Display, welches 3,7 Zoll misst. Zusätzlich hat die Kamera noch zwei Einstellräder, einen Auslöseknopf und einen Knopf, um Videoaufnahmen zu starten. Das war’s! Mehr Bedienelemente sind nicht vorhanden. Als Schutz gibt es noch den sog. Leica Snap T, welcher eine Art Schützhülle für die T darstellt. Ich hatte ein solches Teil in Orange dabei (sieh Bilder unten). Alle technischen Details zur Kamera finden sich hier.

Anbei nun einfach mal ein paar Bilder vom System, inkl. eines Größenvergleichs zur Leica M.

IMG_20150403_155526IMG_20150403_155636IMG_20150403_154807 IMG_20150403_155042Natürlich gehört zu einer Kamera auch ein Objektiv. Die Leica T verfügt über ein Wechselobjektivsystem, welches derzeit aus 4 Objektiven besteht: 55-135mm, 11-23 mm, 23 mm und einem 18-56 mm. Das letztgenannte stand mir für den Test zur Verfügung. Leider sind alle Objektive (bis auf das 23 mm) relativ lichtschwach – Anfangsöffnung meist 3,5 bis 4,5 (5,6), abhängig von der Brennweite. Alle Objektive verfügen über ein Autofokussystem, was sie auch deutlich schwerer und größer als die typischen M-Objektive macht. Die Bilder oben zeigen auch deutlich, dass die T eigentlich nicht wirklich kompakter als die M geraten ist – mit angesetztem Objektiv ist sie sogar deutlich größer (für mich eine kleine Enttäuschung).

Kurz zum Handling: Die Kamera liegt (wie bereits angedeutet) extrem gut in der Hand. Ich hatte die Befürchtung, dass die Kanten zu scharf sind und die Kamera daher „ungemütlich“ ist – dies trifft nicht zu! Mit dem T-Snap wird die Kamera noch ein bisschen griffiger, büst aber deutlich an „Schönheit“ ein. Bedient wird die Kamera fast vollständig über das Display. Und auch hier muss ich mein Vorurteil revidieren: die Bedienung ist flüssig, logisch und sehr durchdacht. Über zwei frei programmierbare kleine Wahlräder kann man Parameter schnell und leicht ändern. Kurzum: Handling und Bedienung sind 1A. Einziger negativer Punkt bei der Bedienung der Kamera war der Zugang bzw. der Start der Bildwiedergabe. Diese erfolgt durch eine „Wischgeste“ am Display (von oben nach unten, oder von unten nach oben). Dies habe ich als sehr mühsam und unpraktisch empfunden.

L1000056Negativ ist leider der Schultergurt aufgefallen, der aus Kautschuk besteht. Er ist zwar angenehm geformt und auch leicht dehnbar, zieht Dreck und Staub aber magisch an. Bereits nach wenigen Stunden klebten Haare und Staubteilchen daran: nobel sieht anders aus!

Kurz zu meiner Fototour: Ich zog mit der Kamera durch Freiburg und die Randbezirke, versuchte sie kennen zu lernen und ihre Stärken und Schwächen auszuloten. Ich arbeitete dabei mit dem oben erwähnten Objektiv und ohne externen Sucher. Bevor ich darauf im Detail eingehe, einfach ein paar Bilder.

L1000060 L1000066 L1000104Es lässt sich bereits an den wenigen Bildern erkennen, dass sich die Qualität sehen lassen kann. Farben sind ausgewogen, keine überzeichnete Schärfe. Kurzum: alles so wie man es von Leica erwartet. Fotografiert habe ich parallel im RAW- und JPG-Format. Auch die JPGs zeigten bereits eine sehr ansprechende Bearbeitung auf – Bilder also, die sich durchaus direkt aus der Kamera verwenden lassen.

Nun aber kurz zu den Punkten, die mir besonders aufgefallen sind – einfach mal stichpunktartig zusammengefasst.

Was gefiel mir gut:

  • Das Teil sieht einfach nur extrem genial aus. Es macht Spaß, die Kamera in den Händen zu halten, sie zu bedienen, mit ihr durch die Gegend zu ziehen.
  • Die Bedienung ist völlig anders als bei anderen Kameras, aber extrem gelungen. Das Touchscreen und die entsprechende Bedieneroberfläche machen Spaß.
  • Das Auslösegeräusch ist extrem leise und klingt sehr wertig. Sie klingt nicht ganz so sexy wie meine M, aber kommt ihr schon sehr nahe.
  • Die Bildqualität ist extrem gut. Die Farben sind ausgewogen, die Detailwiedergabe beeindruckend und der Kontrastumfang gut. Dies spricht auch eindeutig für das verwendete Objektiv.
  • Das Fotografieren über das Display funktioniert erstaunlich gut. In keiner Situation hatte ich das Bedürfnis, einen externen Sucher verwenden zu müssen, wenngleich das echte M-Feeling natürlich nicht aufkommen wollte.

Was gefiel mir nicht:

  • Hätte mir eine deutlich kompaktere Kamera gewünscht – der Größenvergleich mit der M zeigt es: kompakt sieht anders aus!
  • Nach schnellen Bildfolgen „blockiert“ die Kamera für mehrere Sekunden (Schreibmodus) völlig. Man sollte zumindest neue Objekte über das Display anvisieren können – das Schreiben/Speichern der Bilder müsste im Hintergrund laufen.
  • Die Wiedergabe der Bilder ist durch die „Wischgeste“ etwas mühsam zugänglich – ein echter „Play-Knopf“ würde der Kamera gut tun.
  • So schön Alu auch ist, so schnell zerkratzt es. Ich möchte Kameras sehen, die mehrere Jahre im Einsatz waren – Kratzer sind leider alles andere als schön (die typische „M-Patina“ ist hier nicht zu erwarten).
  • Die Schutzhülle T-Snap muss für das Wechseln der Batterie und der Speicherkarte jedes Mal abgenommen werden. Zudem lässt sich dieses Biest nur sehr schwer von der Kamera lösen. Leider eine völlig unzureichende Lösung!
  • Der Kameragurt ist aus Kautschuk und zieht Staub und Dreck magisch an. Ist nicht nur unhübsch, sondern auch noch ziemlich unpraktisch.
  • Die derzeit erhältlichen Objektive sind zu lichtschwach – bitte mehr Festbrennweiten mit großer Blendenöffnung.

L1000070 L1000113Abschließend lässt sich sagen, dass sich Leica einiges vorgenommen hat und ein völlig neues Kamerasystem anbietet. Derzeit ist das Angebot an Objektiven noch klein – bei einem Verkaufserfolg werden aber sicher einige neue Objektive folgen. Die Entscheidung, auf ein Uni-Body-Design aus Alu zu gehen, ist umstritten, stellt derzeit im Kamerasektor aber sicher ein Alleinstellungsmerkmal dar. Ob es für den Fotografen auf Dauer die beste Lösung ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass die Kamera mit 1.500.-€ sicher nicht billig, der Preis für eine in Europa gefertigte Kamera aber sicher gerechtfertigt ist. Etwas Sorgen bereiten mir aber eher die in Japan gefertigten Objektive (Hersteller ist mir unbekannt!), welche auch mit Preisen um die 1.500.-€ zu Buche schlagen. Die Qualität der Verarbeitung ist sehr gut und auch optisch lässt sich nichts aussetzen, aber die Lichtstärke ist für mich derzeit nicht akzeptabel.

Stellt sich die Frage, ob die Leica T eine Berechtigung am Markt und eine Chance zum Überleben hat. Ich denke, in der derzeitigen Situation und Systemausbaustufe wird es schwer werden – Leica muss dringend nachlegen. Einige lichtstarke Festbrennweiten würden dem System gut tun, wenngleich natürlich schon jetzt die Möglichkeit der Nutzung der M-Objektive besteht. Die Kamera muss sich in diesem Preissegment unter anderem mit der Olympus OM-D und der Sony A7 (II) messen. Ein direkter Vergleich zeigt deutlich, dass jede Kamera ihre Vor- und Nachteile hat, die Leica T die anderen beiden aber wohl nur im Bereich „Bedienkonzept“ und „Design“ übertrumpfen kann. Reicht dies aus, um einen Markterfolg einzufahren? Nein! Ich denke auch nicht, dass die Sensorgröße der entscheidende Faktor sein wird (der Erfolgt der OM-D zeigt dies deutlich). Die Antwort ist wohl ziemlich einfach: Das Gesamtpaket muss besser und attraktiver werden – auch wenn der Ansatz schon sehr gut ist. Mehr Objektive, bessere Serienbildfunktion, leichte Anpassung beim Bedienkonzept (Play-Funktion!), und besseres Zubehör! That’s it!

Ich bin mir aber sicher, dass Leica das System zu Erfolg führen will/kann.

LiK

Meckern auf hohem Niveau – Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH.

Wie bereits letzte Woche geschrieben, hatte ich am Bodensee ausgiebig Zeit mein neues Objektiv Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH zu testen und es kennen zu lernen. Das Objektiv wird an meiner Leica M (Typ 240) betrieben (für jene Leser, welche diesen Blog nicht regelmäßig verfolgen). Ich möchte nachfolgend keinen Testbericht wiedergeben, sondern einfach meine sehr persönlichen Beobachtungen schildern.

Vorneweg sei erwähnt, dass die optische Qualität des Objektives hervorragend ist – in vielen Tests, Blogbeiträgen und Artikeln wird dies belegt und beschrieben. Es gibt also nichts zu meckern, außer man meckert auf extrem hohem Niveau. Was ich gerne tun möchte! Ich kenne den Weitwinkelbereich zwischen 17 und 24 mm relativ gut aus meiner Canon-Zeit und weiß daher gut wie man diesen Brennweitenbereich einsetzen kann und darf und auf was man besonders achten sollte.

Verzeichnung

Ich muss zugeben, dass durch meine bevorzugte Nutzung der Brennweitenbereiche von 35 mm und 50 mm, Bilder mit dem neuen 21er auf mich durchaus einen etwas seltsamen Eindruck machten. Ich fragte mich relativ schnell, warum denn plötzlich alles so flach wirkt, und wo denn die Leica-typische „3D-Darstellung“ bleibt. Ein Tele-Objektiv verdichtet den Raum und sorgt dafür, dass alles sehr plastisch wirkt; ein Weitwinkel hingegen lässt auch kurze Distanzen plötzlich unendlich wirken. Dadurch kommt es plötzlich zu einer Verzerrung des Bildes, welche sich primär auf die Tiefen-Wahrnehmung auswirkt. Durch die kurze Brennweite entstehen aber auch baulich bedingte Abbildungsfehler des optischen Systems, welche zu einer lokalen Veränderung des Abbildungsmaßstabes führen. Die Maßstabsänderung beruht auf einer Änderung der Vergrößerung mit zunehmendem Abstand des Bildpunktes von der optischen Achse. Diese Verzeichnung ist rotationssymetrisch um das sog. Verzeichnungszentrum. Soweit zur Theorie. Was bewirkt dies aber? Diese Abbildungsfehler erzeugen wahrnehmbare Verzerrungen im Bild. Parallele Linien laufen dadurch nicht mehr parallel, senkrechte Linien laufen nicht mehr senkrecht oder horizontale nicht mehr horizontal. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Effekt eindrucksvoll.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Warum sind nun nicht alle Objektive von dieser Verzeichnung betroffen? Sind sie leider doch! Je kleiner die Brennweite, desto deutlicher der Verzeichnungseffekt. Beim Fischaugenobjektiv ist dieser Effekt sogar gewünscht.

Die gute Nachricht ist nun, dass man die Verzeichnung relativ gut rechnerisch beseitigen kann. Kennt man das geometrische Modell des Objektives, so kann man die Verzeichnung leicht beseitigen. Das unten stehende Bild zeigt die Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs bei einer Fokussierung auf eine Entfernung von einem Meter. Die Zahlen an den Isolinien geben den Betrag der Korrektur in Mikrometern an. Die Länge der Pfeile entspricht der fünfzehnfachen Länge der Korrektur. Die Koordinaten u und v sind die Bildkoordinaten bezogen auf die Bildmitte (Quelle: Wikipedia). Es zeigt sich also deutlich, dass die Verzerrung zum Rand hin deutlich ansteigt und Extremwerte in den Ecken erreicht.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Heute arbeiten Hersteller meist mit einer kamera-internen Reduktion der Verzeichnung. Dazu wird das Objektiv entsprechend codiert (gekennzeichnet) und damit von der Kamera automatisch identifiziert. Die hinterlegten Korrekturwerte können dann bereits beim Schreiben des Bildes angebracht werden. Bei vielen Herstellern erfolgt diese Korrektur übrigens auch bei RAW-Bilder (man sollte also den Begriff „Raw“ nicht unbedingt als Indiz dafür nehmen, dass es tatsächlich völlig unbearbeitete Bilder sind). Leica scheint hier übrigens eine andere Linie als die großen Hersteller aus Asien zu fahren. Speziell Canon, Nikon und besonders Sony korrigieren in der Kamera unglaublich viele Dinge – der Fotograf bekommt also ein deutlich verändertes/bearbeitetes RAW-File geliefert. Man sollte sich bei einer Leica-M also bewusst sein, dass man mit der baulich bedingten Verzeichnung leben muss, oder in der Nachbearbeitung selber Hand an legen muss. Als Beispiel sei auf das Bild unten verwiesen.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungwöhnlich, besonders nicht wenn Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungewöhnlich. Besonders auffällig, wenn vertikal verlaufende Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden (z. B. Stelzen des Pier).

Man erkennt deutlich, dass man sehr vorsichtig damit umgehen sollte, vertikal oder horizontal verlaufende Objekte in den oberen oder unteren Bereich des Bildes zu setzen, besonders in die entsprechenden Ecken. Das Pier im Bild wird deutlich verzerrt, die senkrechten Stelzen kippen förmlich nach außen. Viele Bildbearbeitungsprogramme korrigieren diese Effekte bereits beim Importieren der Bilder, sodass auch hier der Fotograf bevormundet wird. Da ich mit Darktable arbeite, kann ich sehr individuell entscheiden, ob ich eine Korrektur anbringen will oder nicht (andere Software lässt dies natürlich auch zu, versteckt die Option nur manchmal etwas zu gut). Ein guter Weg Objektive zu korrigieren/kalibrieren ist beispielsweise die Generierung von Korrekturprofilen mit Hugin und die entsprechende Nutzung der Profile in Darktable (ich werde diesen Prozess in den nächsten Woche hier im Blog im Detail beschreiben).

Vignettierung

Neben der Verzeichnung ist sicher die Vignettierung der auffälligste Effekt, der mit abnehmender Brennweite immer stärker wird. Auch die Vignettierung kann bei bekanntem geometrischen Modell des Objektives gut korrigiert werden und wird dementsprechend von vielen Herstellern bereits beim Speichern der Bilder automatisch korrigiert – so auch von Leica. Bereits in den Raw-Daten ist die Vignettierung weitgehend beseitigt. Das Leica Super-Elmar-M 21 mm vignettiert im übrigen nur sehr minimal (dies kann man auch den entsprechenden Messdiagrammen entnehmen). Daher soll auf diesen Effekt hier nicht weiter eingegangen werden. Das Ausmaß der Vignette ist übrigens stark von der Blende abhängig. Je großer die Blende (kleine Blendenzahl) desto geringer die Vignettierung (siehe Abbildung, Quelle: Markus Schopfer, Wikipedia).

Blende

Die Vignettierung stellt heute bei den meisten Objektiven kein großes Problem dar. Zusätzlich ist die Vignettierung zu einem stilistischen Mittel geworden und wird oft sehr bewusst eingesetzt.

Gegenlicht

Für jemanden der gerne direkt zur Sonne ausgerichtet fotografiert, ist das Verhalten des jeweiligen Objektives bei Gegenlicht extrem wichtig. Die Linsen- und Glasqualität spielt besonders bei Gegenlicht eine wichtige Rolle. Verfärbungen, Schleier und Schlieren sind  das gewohnte Bild bei billig gefertigten Objektiven. Wie nicht anders zu erwarten spielt das Leica Super-Elmar 21 mm hier in der absoluten Top-Liga. Leica verbaut die besten Glassorten in ihren Objektiven, und so ist es nicht verwunderlich, dass Gegenlicht eine ganz wunderbare Lichtstimmung erzeugt. So soll es sein! Beobachten kann man dies im unten stehenden Bild.Unterhalb der Sonne kann ein leichter roter Schleier beobachtet werden (verstärkt wohl auch durch die Lichtbrechung/-verfärbung an der Wolke) – nicht weiter störend. Das Verhalten des Objektives insgesamt aber sensationell.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

Chromatische Aberration

Was sich bei dieser Gegenlichtaufnahme aber relativ gut beobachten lässt ist das Auftreten von Chromatischer Aberration. Der Brechungsindex von Glas hängt von der Wellenlänge des Lichtes ab. Dies wird Dispersion genannt und verursacht die sog. chromatische Aberration. Im Bild sichtbar wird dies durch Farbsäume, also Verfärbungen an Kanten und Schärfenebenen. Meist entstehen rote oder grüne Farbsäume vor oder hinter der eigentlichen Schärfenebene. Im oberen Bild sieht man diesen Effekt im Bereich der weiß schimmernden Wasserfläche (vordere Bildmitte). Chromatische Aberration ist ein Effekt von dem die Leica M stärke betroffen ist als Spiegelreflexkameras, da das Auflagemaß (Abstand Sensor zu Befestigung des Objektiv) geringer ist und die Lichtstrahlen daher wesentlich flacher auf den Sensor treffen. Leica hat diesem Umstand bei der M (Typ 240) durch eigene Mikrolinsenelemente, welche über dem eigentlichen Sensor sitzen, speziell geformt wurden und dadurch eine entsprechende Lichtbrechung unterstützen, Rechnung getragen. Trotzdem hat besonders die verwendete Brennweite einen ganz erheblichen Einfluss auf diesen die Chromatische Aberration. Chromatische Aberration kann mit heutiger Bildverarbeitungssoftware aber relativ gut beseitigt werden. Ein Absenken des Rotkanals bzw. des Rotanteils im Bild reicht meist schon aus.

Das Problem mit dem Sucher

Die Leica M und ihr optischer Sucher ist nun mal nur für Brennweiten bis zu 28 mm ausgelegt. Bei kürzeren Brennweiten muss ein externer Sucher oder der Live View (LV) verwendet werden. Klappt auch alles wunderbar! Bei der Verwendung des LV ergab sich für mich aber ein eindeutiges Aha-Erlebnis. Die Leica M erlaubt nämlich einen eigenen Belichtungsmodus für den LV zu konfigurieren, der bei aktiviertem LV genutzt wird. Arbeitet man beispielsweise immer mit der mittenbetonten Belichtungsmessung, wählt in der Konfiguration für den LV aber die Mehrfeldmessung, so kann man zwischen den zwei Modi durch aktivieren des LV blitzschnell umschalten. Gerade mit einem Weitwinkel macht oft eine Mehrfeldmessung mehr Sinn als eine mittenbetonte Messung. Ein lästiges Umstellen des Belichtungsmodus entfällt also, wenn man die Lösung mit dem LV nutzt. Genial und einfach!

Und was bleibt am Ende?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Fotografieren mit einem Weitwinkel Übung braucht. Wie jede andere Brennweite, muss auch der Weitwinkel besonnen und gekonnt eingesetzt werden. Auf keinen Fall sollte es zu einer inflationären Nutzung dieser Brennweite kommen: weniger ist oft mehr. Ab und an ein Bild mit einem Weitwinkel lockert eine Präsentation auf und beeindrucken den Betrachter. Zu viele Weitwinkelbilder stumpfen den Betrachter aber schnell ab. Spannung lässt sich durch eine bewusste Nutzung des Vordergrundes erzeugen; auch hier empfiehlt sich aber ein vorsichtiges Herantasten und eine sehr gezielte Nutzung dieser Strategie.

Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH. ist aber definitiv eine Bereicherung und ein durchgehend beeindruckendes Objektiv. Nur sehr wenige Lichtsituationen bringen es ein wenig aus dem Tritt (z. B. extremes Licht erzeugt leichte chromatische Aberration) – der Vergleich mit anderen Objektiven anderer Hersteller dieser Brennweite zeigt aber deutlich wie gut und ausgereift das optische Konzept und die entsprechende Konstruktion ist. Leica hat sich mit diesem Objektiv viel Zeit gelassen – das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hut ab!

Ich hoffe diese Zeilen haben euch Spaß gemacht und ihr habt genau so viel gelernt wie ich dabei.

LiK

Schwach geworden – Zuwachs für die M!

Und da schreibe ich vor einigen Wochen noch davon, dass ich meinen Objektivpark 2015 nicht ändern werde. Alles sollte so bleiben wie es war! Und dann kam dieses Hammerangebot von Leica Meister Camera in Hamburg. Soll man trotzdem ein Jahr warten und dann deutlich mehr zahlen, für ein Objektiv, das früher oder später mit Sicherheit erworben werden soll? Ich nahm Kontakt mit dem Meister auf, beriet mich mit ihm und erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Ich hatte noch nie ein gebrauchtes Objektiv gekauft – sollte ich es wagen? Dann aber sollte es doch passieren – ich sagte zu! Erwarb eines der eindrucksvollsten Objektive im Bereich von 21 mm, das Super-Elmar-M 1:3.4 / 21 mm. Das Objektiv wurde schnell geliefert und wie vom Meister versprochen, wies es weder Gebrauchsspuren noch Kratzer auf – sah alles wie neu aus. So etwas kann man wohl als Schnäppchen bezeichnen!

21 mm bedeuten für das Kleinbild einen horizontalen Bildwinkel von 80 Grad. Umgesetzt wurde das Objektiv mit Hilfe von 8 Linsenelementen, davon 2 asphärische Flächen. Bei einer Länge von 43 mm, bringt das gute Stück 280 Gramm auf die Wage. Von vielen wird dieses Objektiv als das weltbeste 21er bezeichnet – was zwar beeindruckt, aber auch wieder egal ist! Jetzt muss erst mal Freundschaft geschlossen werden und wir müssen uns kennen lernen. Die Leica M ist mit ihrem Messsucher nur bis zu einer Brennweite von 35 mm ausgelegt; 21 mm bedeuten nun, dass ein externer Sucher oder der Live View verwendet werden musste. Ich entschied mich für einen externen Spiegelsucher (der mit einer eigenen Aufbewahrungstasche in Leder ausgeliefert wird!).

In meiner Canon-Zeit hatte ich das 17-40er öfter vor meine Kamera geschnallt – es gehört eindeutig zu meinen Lieblingsobjektiven. Und nicht selten wurden davon die 17 mm verwendet. So rechnete ich also damit, dass mich 21 mm nicht sonderlich beeindrucken und mir das Arbeiten gewohnt von der Hand ging. Hatte ich schon vergessen, was 21 mm bedeuteten? 80 Grad Öffnungswinkel bringen einfach verdammt viel der Umgebung auf den Chip. Und so muss ich zugeben, dass ich bei den ersten Fotos nicht schlecht staunte und mir wurde schnell bewusst, dass ich das Arbeiten mit einem Weitwinkel schier verlernt hatte.

Anbei ein paar Bilder vom  Objektiv an der Kamera inkl. des aufgesteckten Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Noch kann ich wenig sagen über das neue Mitglied in der M-Familie. Einige wenige Runde haben ich bereits mit dem Objektiv durch Freiburg gedreht, versucht es zu verstehen und habe versucht die Grenzen auszuloten. Und ein erstes Bild kann ich euch auch bereits zeigen.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Mehr Erfahrung, mehr Bericht und mehr Bilder gibt es dann in den nächsten Wochen – Mitte März steht ein mehrtägiger Ausflug an den Bodensee an. Ein erster ernstzunehmender Test für das 21er.

LiK

Fotorucksack – Entscheidung und erster Erfahrungsbericht (Trockenübung)

Männer und Fototaschen bzw. Fotorucksäcke, das ist so wie Frauen und Schuhe. Und (leider) bilden weder ich noch meine Frau eine Ausnahme von dieser Regel. Eigentlich bin ich mit meiner Billingham Tasche sehr zufrieden. Speziell auf Wanderungen hatte ich in der Vergangenheit immer mal das Bedürfnis, neben meiner Kamera und einem Objektiv auch eine Jacke und ein wenig Knabberzeug mitzunehmen. Daher sollte nun, neben der Billigham Tasche, die auch weiterhin das Standardtransportmittel bleiben wird, ein kleinerer Fotorucksack angeschafft werden. Da auch solche kleineren Anschaffungen bei mir in einen monatelangen Rechercheprozess ausarten, will ich euch die Erkenntnisse und Ergebnisse nicht vorenthalten. Dieser Beitrag soll also davon berichten – wie immer aus meiner sehr persönlichen und subjektiven Sicht.

Was suchte ich? Der Fotorucksack sollte Platz für meine Leica M und ein weiteres Objektiv bieten. Wichtig dabei war mir, dass dieses „Fotofach“ ausreichend stabil und sicher ist und Schutz gegen schnellen Zugriff von außen bildet. Zudem wollte ich ein Rucksackfach in der Größe von ca. 12 bis 15 Liter haben (heute meist als „Daypack“ bezeichnet). Zudem wollte ich ein paar Nebenfächer, um Schlüssel, Trinken, etc. unterbringen zu können. Schlussendlich wollte ich kein Schwergewicht, sondern einen möglichst leichten Rucksack (meine Vorstellung war ein max. Gewicht von ca. 1,5 kg).

Wie immer begann ich meine Recherche im Internet (natürlich war mir mein alter Kumpel Rob mit Links, Tipps, Hinweisen behilflich – danke nochmals dafür! Neben den bekannten Seiten ist auch diese Seite hier ein echter Tipp). Ich konnte meine Suche dann relativ schnell auf drei Modelle von drei unterschiedlichen Herstellern eingrenzen:

Preislich befinden sich alle drei Rucksäcke im gleichen Segment – je nach Anbieter und Zwischenhändler muss man zwischen 130 und 190 € ausgeben, was für einen hochwertig verarbeiteten Rucksack völlig in Ordnung ist.

Kurz zu ein paar Eigenheiten der drei Rucksäcke:

  • F-Stop koppelt Rucksack und Fotofach völlig voneinander ab, sodass man die Rucksäcke mit unterschiedlichen Fotofächern (sog. Internal Camera Units, ICUs) ausstatten kann. Dies hat den Vorteil, dass man die ICU inkl. der kompletten Fotoausrüstung aus dem Rucksack nehmen und anderweitig verstauen kann. Die ICU ist über einen eigenen Zugang von außen erreichbar, im Falle des F-Stop Guru vom Rückenbereich des Rucksacks. Und genau da sind wir beim Hauptpunkt, der mir missfällt: Um die Fotoausrüstung zu erreichen, muss der Rucksack ganz abgenommen werden oder zumindest so gedreht werden, dass der Rückenbereich zugänglich wird. Da ich jemand bin, der sehr schnell an seine Ausrüstung kommen will, war dies die Disqualifikation. Zudem war der Rucksack mit insgesamt 28 Litern für mich und meine Ausrüstung doch etwas zu groß.
  • Evoc kommt aus der Radszene und hat unglaublich viel Erfahrung in der Konstruktion von stabilen und langlebigen Rucksäcken. Der Evoc Photo Scout stellt den kleinsten Rucksack von Evoc dar. Das Fotofach ist fest verbaut und von der Seite zugänglich, was mir sehr gut gefiel. Tragekomfort wurde allerseits gelobt und mit 18 Litern hatte der Rucksack genau die richtige Größe. Nachteil ist jedoch, dass das Fotoabteil einen Anteil von 40% am Gesamtvolumen hat – darin würde sich meine kleine Leica M mit Sicherheit verlieren. Zudem war der Rucksack mit 1,8 kg doch sehr schwer. In Summe also nicht ideal für meine Ansprüche.
  • Der Lowepro Photo Sport 200 AW stellt schließlich den besten Kompromiss dar. Er ist mit 1,3 kg der leichteste und mit 17 Liter auch gleichzeitig der kleinste der drei. Auffällig ist, dass der Rucksack wesentlich schmäler gebaut ist, was meiner schmalen Körperform sehr entgegen kommt. Das Fotofach ist fest verbaut und von der Seite zugänglich. Zusatzfächer gibt es für Trinken, Kleidung, etc. Er besteht zu 100% aus Polyamid, ein extrem leichtes, aber riss-beständiges Material, das ich bereits von anderen Wanderrucksäcken bestens kenne. Eine zusätzliche Regenschutzhülle ist fest am Unterboden verbaut und kann schnell und einfach über den gesamten Rucksack gezogen werden.
Fotorucksack Lowepro Photo Sport 200 AW.

Fotorucksack Lowepro Photo Sport 200 AW.

Nun aber zum eigentlichen Fotofach. Dieses ist extrem klein und für so manche DSLR-Besitzer mit Sicherheit zu klein. Für eine Leica M aber genau richtig, sodass die Kamera einigermaßen satt sitzt. Leider hat Lowepro nur eine einzige Unterteilung mitgeliefert, was für mich eindeutig zu wenig ist. Also habe ich mir die überschüssigen Billigham Unterteiler geschnappt und in den Rucksack „eingesetzt“. Dies dient mir vor allem auch dazu, die Kamera im Fach etwas zu stabilisieren. Insgesamt muss gesagt werden, dass das Fotofach etwas mehr an Stabilität vertragen würde, was mit Sicherheit dann aber auf Kosten des Gewichts gehen würde. Mit etwas Geschick und ein paar zusätzlichen Unterteilern kann man sich das Fach aber ausreichend stabil machen.

Nachfolgend ein paar Bilder zur Illustration (sind nicht als hochqualitative Produktfotos gedacht, sondern sollen einen realen Eindruck vom Rucksack wiedergeben).

Links: Rucksack voll geöffnet (Daypack und Fotofach). Rechts: Fotofach.

Links: Rucksack voll geöffnet (Daypack und Fotofach). Rechts: Fotofach.

Das Fotofach des Lowepro Photo Sport 200 AW nimmt die Leica M mit angesetztem Summilux-M 50 mm und ein Summicron 35 mm inkl. Schutzköcher problemlos auf.

Das Fotofach des Lowepro Photo Sport 200 AW nimmt die Leica M mit angesetztem Summilux-M 50 mm und ein Summicron-M 35 mm inkl. Schutzköcher problemlos auf.

Insgesamt kann ich sagen, dass mich der Rucksack in der ersten „Trockenübung“ voll überzeugt. Letztendlich muss er sich aber vor allem gut tragen und im Einsatz praktisch sein. Einen diesbezüglichen Erfahrungsbericht liefere ich im Sommer nach.

LiK

Objektiv betrachtet!

Viel zu oft geht es in Gesprächen zwischen Fotografen nur um die Kamera. Wie viele Megapixel, kürzeste Verschlusszeit, etc. Die Kamera trägt zum eigentlichen Bild aber nur sehr wenig bei. Sehr viel wichtiger (neben dem Fotografen und seinen Ideen!) ist das verwendete Objektiv. Das Objektiv bestimmt, wie das Sujet abgebildet wird – Brennweite, Blende, Rendering, … haben erheblichen Einfluss auf das Bild. Das Objektiv bzw. die verwendete Brennweite beeinflusst aber auch das „Sehen“ des Fotografen und seine Wahrnehmung und Empfindung. Zeit also, einen Blick auf meine persönliche Sicht der Dinge zu werfen.

Der Fotograf und die Brennweite – die Geschichte einer Hassliebe!

Tatsächlich hat die Brennweite einen ganz erheblichen Einfluss auf die Wahrnehmung des jeweiligen Fotografen. Beginnen wir beim Grundlegenden: bei der Kombination von Objektiv und Kamera. Bei Verwendung einer Spiegelreflex blickt der Fotograf durch das Objektiv auf sein Sujet. Er sieht also genau den Ausschnitt, den auch seine Kamera sieht – dies birgt Vor- und Nachteile. Der Vorteil ist ganz sicher, dass man die Bildkomposition sehr exakt vornehmen kann; man weiß bereits vor dem Auslösen, was einen erwartet. Der Nachteil ist aber, dass die Wahrnehmung auch dementsprechend beeinflusst wird. Die „neutrale“ Sicht auf das Sujet ist praktisch nicht vorhanden. Bei einer Messsucherkamera (wie der Leica M) blickt der Fotograf nicht durch das Objektiv, sondern durch ein kleines Fensterchen auf das Sujet – der Blick bleibt unverfälscht, die Komposition kann aber nicht ganz so exakt vorgenommen werden. Geht es bei einer Messsucherkamera also mehr darum, „seinen“ Bildausschnitt zu finden, finden Spiegelreflexbenutzer eine ganze Reihe an Parametern, die bereits durch den Blick durch das Objektiv beobachtbar werden (z. B. Schärfentiefe). Diesbezüglich gibt es aber kein „Besser“ oder „Schlechter“ – unterschiedliche Systeme für unterschiedliche Fotografen. Jeder muss für sich selbst entscheiden; für mich stellt (inzwischen) der unverfälschte Blick auf die Umgebung eine Eigenschaft dar, die ich nicht mehr missen möchte.

Erwähnt muss an dieser Stelle auch werden, dass sich die Brennweitenangaben in diesem Beitrag immer auf das Kleinbildformat beziehen, also auf eine Film- bzw. Sensorfläche von 24 x 36 mm. Und bitte sprecht in diesem Zusammenhang nicht von Vollformat (Full Frame)! Was ist schon Vollformat? In der Mittelformatfotografie bedeutet Vollformat eine sehr viel größere Fläche als im Kleinbildformat. Zudem sollten wir uns von dieser leidlichen Diskussion über „Formate“ verabschieden.

Generell ist die Kombination aus Brennweite und Blende prägend für das Bild. Auf technische Details möchte ich hier nicht eingehen, diese können in Lehrbüchern nachgelesen werden. Beachtet sollte aber werden, dass eine größere Brennweite den Raum in Blickrichtung verdichtet, eine entsprechende kürzere Brennweite den Raum „weiter/größer“ erscheinen lässt. Eine Blende von f/4.0 sorgt bei 50 mm für eine sehr viel geringere Schärfentiefe als bei 35 mm. Ich denke dies ist allen Lesern hier klar.

Daraus ergibt sich also die Notwendigkeit der Objektivwahl nach Stil und Inhalt der umzusetzenden Szene. Es gibt einige Regeln, die man in Lehrbüchern findet, z. B. kein Portrait mit Brennweiten unter 50 mm zu fotografieren. Vergessen wir diese stumpfsinnigen Einschränkungen der Kreativität ganz schnell wieder! Jede Brennweite kann (und sollte!) für jede Szene eingesetzt werden. Gerade die ungewöhnlichen Lösungen führen manchmal zu den außergewöhnlichsten Bildern.

Portrait mit 35 mm und bei stark seitlich einfallenden Licht. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Portrait mit 35 mm und bei stark seitlich einfallendem Licht. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Was beschreibt nun aber ein Objektiv und seine „Qualität“?

Die wichtigsten Parameter für die Beschreibung eines Objektives sind natürlich:

  • Brennweite, und
  • Lichtstärke

Etwas Verwirrung gibt es heute durch neue Formate, wie oben angedeutet. Hilfreich ist es dabei, wenn die Brennweite immer auf das Kleinbildformat bezogen wird, sodass sie auch vergleichbar und greifbar wird.

Die optische Qualität der Objektive wird heute üblicherweise mit der Schärfe beschrieben, was eigentlich völliger Unfug ist. Die gemessene Schärfe eines Objektives sagt nur sehr selten etwas über die visuell wahrgenommene Schärfe aus. Das menschliche Auge reagiert sehr viel stärker auf Kontraste. Daher ist der abbildbare lokale Kontrast für ein Objektiv ein sehr viel repräsentativerer Wert. Beschrieben wird diese Abbildungsleistung bei vielen Herstellern heute mit den sog. MTF-Kurven. Die Modulationsübertragungsfunktion (auch Modulationstransferfunktion (MTF, engl. Modulation Transfer Function) ist die mathematische Beschreibung des Vergleiches zwischen dem Detailkontrast an Kanten eines Objektes und dem Detailkontrast dessen bildlicher Darstellung. Mehr über MTF-Kurven finden sich umfangreich im Internet.

Ein Merkmal, das leider bei der Beurteilung von Objektiven allzu oft außer Acht gelassen wird, ist das Bokeh, also die Art der Abbildung des Unschärfebereichs. Gerade wenn man gerne mit offener Blende arbeitet und dadurch große Bereiche des Bildes ins Unscharfe gleiten lässt, ist die Abbildung dieser Unschärfe von großer Wichtigkeit. Unterschiedliche Objektivbauarten bilden die Unschärfe völlig verschieden ab und letztlich ist es der eigene Geschmack, der darüber entscheidet, ob es gefällt oder nicht. Ich bin ein großer Fan möglichst sanfter Übergänge und eines möglichst weichen Bokehs. Andere lieben hingegen unruhige Bokehs bis hin zu ringförmigen Ausprägungen.

Weit offene Blende für minimale Schärfentiefe. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/1.4.

Weit offene Blende für minimale Schärfentiefe. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/1.4.

Wenn man sich für ein Objektiv entscheidet, sollte man ein weiteres Kriterium zur Beurteilung heranziehen: die Bauform, Größe und Masse. Die wahre Kunst des Objektivbaus liegt nämlich in der Erreichung höchster Abbildungsstärke (nach den oben formulierten Kriterien) mit möglichst wenigen Linsenelementen bzw. Baugruppen und die damit einhergehende kompakte Bauform. Ich finde es nämlich mehr als fraglich, wenn Hersteller ihre Objektive mit der außergewöhnlichen Abbildungsleistung bewerben, auf der anderen Seite dafür aber oft über 12 Linsenelemente brauchen und eine Baugröße erreichen, die in Volumen und Masse so manche Kamera bei weitem übertrifft. Was hilft es, ein gut abbildendes Objektiv zu haben, wenn der Transport zu einer Herausforderung wird. Große Bauformen gehen auch mit großen Frontlinsendurchmessern einher, was große und teure Filter bzw. Filterlösungen nach sich zieht.

Daher sieht mein ganz persönliches Kochrezept für den Kauf eines Objektives folgendermaßen aus:

1. Schritt: Frage dich, ob du ein zusätzliches Objektiv wirklich brauchst und frage dich, was du mit dem Objektiv vornehmlich fotografieren möchtest bzw. anders machen würdest, als mit deinen bestehenden Objektiven.

2. Schritt: Frage dich, welche Brennweite deine bestehende(n) Brennweite(n) am besten nach unten oder oben ergänzt. Lasse mindestens die Hälfte der Brennweite, von der du ausgehst, als Lücke. Von einem 50 mm startend also mindestens 25 mm (=50 / 2) nach unten und oben (daher als Ergänzung ein 35 mm oder ein 75 mm).

3. Schritt: Mache eine Aufstellung an Objektiven (mit der Wunschbrennweite), die es für dein Kamerasystem gibt. Lass dabei auch Fremdhersteller wie Voigtländer, Zeiss, etc. nicht außen vor.

4. Schritt: Suche nach Aufnahmen, welche mit deiner Kamera und den Wunschobjektiven gemacht wurden. Analysiere die Abbildungscharakteristika wie Kontrast, Bokeh, etc.

5. Schritt: Entscheide auf Basis von Abbildungsleistung (bitte keine Testberichte studieren, sondern die realen Bilder aus Schritt 4 beurteilen!), Gewicht, und letztlich Preis. Und beachte: Nicht immer muss es das hochpreisige lichtstarke Objektiv sein!

Allgemein kann ich nur empfehlen, den Weg Richtung Festbrennweiten zu gehen. Das erhöht zwar den Aufwand beim Fotografieren, schränkt einen mitunter ein, lässt einen aber auch ganz neue Dinge entdecken (man ist einfach gezwungen, seine Blickrichtung und den Abstand zum Sujet zu variieren, was mitunter sehr inspirierend sein kann).

Bokeh, Bokeh, Bokeh, …

Für die Brennweite 35 mm will ich ein Beispiel anführen, um das oben Geschriebene etwas besser zu verdeutlichen. Sehen wir uns mal zwei aktuelle Objektive von Leica etwas genauer an. Bild 1 zeigt eine Testaufnahme mit dem Leica Summilux-M 1:1.4/35 mm ASPH. FLE – das derzeitige top-of-the-line Objektiv für diese Brennweite. Bild 2 zeigt das Leica Summicron-M 1:2/35 mm ASPH. Preislich liegen zwischen den beiden Objektiven ca. 2.000.-€. Beide Aufnahmen entstanden bei Blende f/2 mit der Leica M9. Auf den ersten Blick ist relativ deutlich zu sehen, dass nicht nur lokaler Kontrast und Schärfe verschieden sind, sondern auch die Farbwiedergabe. Das Summilux „popt“ die Farben sehr viel stärker als das Summicron. Die Schärfe ist beim Summilux minimal höher, der lokale Kontrast kann als ungefähr gleich angesehen werden.

Testaufnahme mit Leica M9 und Summilux-M 35 mm ASPH. FLE. bei Blende f/2

Testaufnahme mit Leica M9 und Summilux-M 35 mm ASPH. FLE. bei Blende f/2.

Testaufnahme mit Leica M9 und Summicron-M 35 mm ASPH. bei Blende f/2

Testaufnahme mit Leica M9 und Summicron-M 35 mm ASPH. bei Blende f/2.

Jetzt aber zum spannendsten Teil, dem Bokeh. Im Folgenden untereinander abgebildet das Bokeh der beiden Objektive (Bilder stellen Ausschnitte der oben abgebildeten Aufnahmen dar; beide Aufnahmen daher bei Blende f/2 fotografiert). Erstes Bild wieder mit Summilux, zweites Bild mit Summicron fotografiert.

Bildausschnitt zur Beurteilung des Bokeh. Leica M9 und Summilux-M 35 mm ASPH. FLE bei Blende f/2.

Bildausschnitt zur Beurteilung des Bokeh. Leica M9 und Summilux-M 35 mm ASPH. FLE bei Blende f/2.

Bildausschnitt zur Beurteilung des Bokeh. Leica M9 und Summicron-M 35 mm ASPH. bei Blende f/2.

Bildausschnitt zur Beurteilung des Bokeh. Leica M9 und Summicron-M 35 mm ASPH. bei Blende f/2.

Es ist alleine Geschmackssache, welches der beiden Bokehs ihr besser findet. Ohne jeden Zweifel ist das Bokeh des Summilux etwas weicher und sanfter. Das Summicron wirkt etwas unruhiger, im Bereich der Dachziegel schon fast etwas hektisch.

Die Testbilder stammen übrigens von Thomas Kaspar – danke nochmals dafür. Schaut bitte auch mal auf seiner Flickr-Seite vorbei!

Nun aber zu meiner Wahl. Ich fotografiere mit zwei Objektiven:

Warum nun genau diese Kombination? Als ich vor gut einem Jahr auf Leica umgestiegen bin, wusste ich, dass ich mir nicht mehr als 2 Objektive leisten konnte. Ich wusste, dass mir an meiner alten Kamera das 50 mm so viel Spaß gemacht hat, dass ich auf diese Brennweite unmöglich verzichten konnte. Die 35 mm gelten in der Leica-Szene als Standard, und reizten mich daher extrem (ohne zu wissen, auf was ich mich einlassen würde). Somit war die Entscheidung für die Brennweite(n) gefallen, musste nur noch die Lichtstärke gewählt werden. Ich recherchierte unglaublich viel, las Erfahrungsberichte und versuchte, mich in meine zukünftige Art der Fotografie hineinzuversetzen. Ich entschied mich dann für das Summilux-M 1:1.4/50 mm ASPH. und das Summicron-M 1:2/35 mm ASPH und verzichtete auf das Summilux-M 1:1.4/35 mm ASPH. FLE. Für das Summicron entschied am Ende der Preis und die etwas geringere Abhängigkeit von Streulicht.

Da ich damals relativ wenig Ahnung von der Leica-Qualität und den damit einhergehenden Ansprüchen hatte, akzeptierte ich mein Urteil. Heute bin ich sehr glücklich mit dem Summicron, aber hin und wieder ertappe ich mich natürlich schon beim „Nachdenken über das Summilux“. Und wenn ich mir den Bokeh-Vergleich von oben ansehe, muss ich sagen, wünschte ich mir (manchmal) das 35er Summilux an meiner Kamera; ich würde aber trotzdem das kleine, feine und kompakte 35er Summicron vermissen. Die Alternativen beim 50 mm kamen hingegen für mich nie in Frage; das Noctilux-M ist einfach zu teuer, optisch nicht ganz so gut wie das Summilux und in seiner Abbildung sehr speziell. Beim Summicon und Summarit hingegen gefielen mir das Bokeh nicht (da zu unruhig).

Wohin die Reise geht…

Als Ergänzung bzw. als Weiterentwicklung des Objektivparks gibt es für mich zwei Möglichkeiten: (1) Ergänzung im Weitwinkelbereich (21 mm), oder (2) Ersatz des 35er Summicron durch das Summilux. Ich quäle mich nun schon seit Monaten mit einer Entscheidung. Die Preiserhöhung bei Leica zum 1.1.2015 und die Möglichkeit, für kurze Zeit mit einem derzeit verfügbaren Leica-Gutschein das Objektiv noch etwas billiger zu bekommen (ein gefinkelter Marketing-Gag von Leica), haben das Kribbeln natürlich deutlich erhöht. Umso überraschender ist es wohl, dass ich mich für keine der beiden Alternativen entschieden habe. Ich werde zunächst weiter mit meinen beiden Objektiven fotografieren und alles so belassen wie es derzeit ist. Warum? Weil ich die zwei Objektive noch nicht an ihre Grenzen getrieben habe und weil ich sie noch nicht zur Genüge kenne. Ich bin der Meinung, dass man aus seinem Equipment das Maximum raus holen muss und sich nicht durch neue Teile ablenken lassen sollte. Also weiter mit 35 mm und 50 mm (Summicron und Summilux) – in der Einschränkung liegt die Kreativität! In einem Jahr werde ich wieder evaluieren und nachdenken… wir werden sehen!

Eisrose. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/1.4.

Eisrose. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/1.4.

Damit bin ich am Ende eines, zugegebenermaßen, etwas längeren Beitrags angekommen. Ich hoffe, ihr habt trotzdem bis zum Ende gelesen…

Meine wichtigsten Tipps zu Schluss:

  • Legt euch vor allem Festbrennweiten zu und verzichtet auf die „Ultimativen-Ultra-Reise-Zoom-Objektive“.
  • Studiert MTF-Kurven und technische Details nur am Rande und beschäftigt euch mit Beispielbildern, wenn ihr ein Objektiv wählt.
  • Geht raus und fotografiert und verbringt nicht Tage und Wochen, um euch durch Forenbeiträge und Testberichte zu wühlen!

Euer LiK

Jahresrückblick 2014

Wie in den letzten beiden Jahren möchte ich auch heuer einen kleinen Blick zurück wagen und ein Resümee zum abgelaufenen Jahr ziehen. Ich möchten den Rückblick wieder in 3 Teile gliedern:

  • Technisches
  • Künstlerisches
  • Persönliches

Technisches: Beginnen wir wieder mit den technischen Errungenschaften des Jahres 2014. So spannend 2013 war, so langweilig war leider das abgelaufene Jahr. Technisch hat sich wenig bis gar nichts getan – abgesehen von ein paar minimalen Überarbeitungen am Kamerasektor. Die großen Zwei (Canon und Nikon) suchen immer noch vergebens nach einer klaren Linie und nach einer Antwort auf den Erfolg der spiegellosen Systeme. Sony schießt noch immer aus vollen Rohren (und ja, ich hatte es letztes Jahr in meinem Beitrag richtig prophezeit… es gab bereist dieses Jahr einen Nachfolger zur A7!) und keiner versteht so richtig, was die eigentlich machen und wollen. Ein paar interessante Entwicklungen gab es am Kompaktkamerasektor – große Sensoren und deutliche Abgrenzung zu den Smartphones scheint das Motto der Stunde zu sein. Damit einher geht auch, dass Kompaktkameras plötzlich im Preisbereich von 700 bis 1.000 € angesiedelt sind. Damit deutet sich schon an, dass es in Zukunft wohl kaum noch kleine Kameras unter 400 € geben wird. Was macht Leica? Einige Sondermodelle, eine Leica M ohne Leica-Logo, und noch ein paar kleine Dinge zum Spielen. Der eigentliche Knüller, um nicht von einem Super-Knüller zu sprechen, war aber die M60, eine M ohne Display! Finde diese extrem interessant, auch wenn es (zunächst?) nur ein Sondermodell ist. Ich lehne mich schon mal aus dem Fenster und prophezeie eine normale M ohne Display. Oder vielleicht gar die Möglichkeit, sich seine M selber konfigurieren zu können (SW- oder Farb-Chip, Schwarz oder Silber, mit oder ohne Display, …). Vielleicht, vielleicht aber auch nicht… sicher aber noch nicht 2015! Des weiteren hat Leica 2014 vor allem sein 100-jähriges Jubiläum und 60 Jahre M-System zelebriert. Beides führte zu ganz wunderbaren Ausstellungen, Ereignissen und zu einem Buchband, der wirklich alles sprengt, was es bis jetzt gegeben hat: „Augen auf! 100 Jahre Leica“. Mehr dazu dann später mal. Und sonst? Hmmm… nichts Aufregendes würde ich sagen.

Künstlerisches: Welche Fotos, Ausstellungen und Präsentationen haben mich dieses Jahr am meisten beeindruckt? Leider kam ich 2014 nur zu sehr wenigen Ausstellungen, trotzdem haben mich ein paar Fotografen vom Hocker gehauen. Ich entdeckte Trent Parke, einen australischen Magnum-Fotografen, der so wunderbar mit dem Licht spielt und mich dadurch beeindruckt hat. Seht euch dieses Bild an und staunt (Link)! Und dann ist da noch Julia Baier – wow, was für Fotos. Habe diese wunderbare Fotografin durch das Leica Projekt „10×10“ für mich entdeckt und je öfter ich in ihre Bilderwelt eintauche, desto mehr haut sie mich um! Und dann sind da noch die ganz großen Namen, die mich 2014 beschäftigt haben; allen voran Vivian Maier. Habe mich durch die Doku und das dazugehörige Buch recht intensiv mit ihrem Leben und ihren Bilder auseinandergesetzt und bin immer noch begeistert – unglaubliche Fotos und eine unglaubliche Lebensgeschichte. Schön war auch, dass es Neues von “Stella Polaris Ulloriarsuaq – The Shining Memory Of Mother Earth“, ein Projekt, das ich bereits letzte Jahr hier vorgestellt habe, gibt. Es lohnt sich also, dieses Juwel weiter zu verfolgen (siehe: Link.)

Persönliches: Am Ende des Jahres fragt man sich, was man so getrieben hat und, ob man auf der Stelle getreten hat oder sich auch einen Schritt nach vorne oder gar nach hinten bewegen konnte. Stand letztes Jahr noch eindeutig der Wechsel zu Leica im Mittelpunkt, so kann ich für 2014 klar sagen, dass ich angekommen bin. Der Wechsel fühlt sich immer noch richtig an, auch wenn mich einige für verrückt erklärt haben und meinen Wunsch nach einer Leica als „Phase“ abgetan haben. Fotografisch habe ich verstanden, wie ich mit Festbrennweiten abwechslungsreich fotografieren kann – was nicht heißt, dass es mir immer gelingen mag. Ich habe es schätzen gelernt, mit wenig Ausrüstung viel zu erreichen. In Punkto Effizienz konnte ich deutlich zulegen und es gelingt mir immer besser, Bilder zu produzieren, die ich vorab im Kopf habe. Als deutlicher Schritt nach vorne würde ich die Bilderserie „Abziehbilder“ (an einem besseren Titel arbeite ich noch!), die im Burgund entstanden ist, bezeichnen. Diese Richtung möchte ich weiter vertiefen und verfolgen. Naja, und dann ist da noch dieses Mammutprojekt, welches ich schon mal angedeutet habe und über welches ich 2015 sicher im Detail hier berichten werde. Ich hoffe, es 2015 zu Ende zu bringen. Generell scheint sich bei mir ein Trend Richtung „Projektarbeit“ abzuzeichnen – in den letzten Monaten habe ich 2-3 größere Projekte im Kopf ausgearbeitet und hoffe, sie auch irgendwann umsetzen zu können. Auch 2015 werde ich definitiv nicht ins Studio zurück gehen, und auch 2015 werde ich auf aufwendige Modelshootings verzichten (auch wenn ich es für dieses Jahr in Aussicht gestellt habe).

Mein wichtigstes Bild im Jahr 2014? Ohne jeden Zweifel das unten dargestellte Bild. Die Stimmung, in der ich dieses Bild gemacht habe, die Zeit und die Eindrücke haben sich bei mir festgesetzt – all das gibt dieses Bild perfekt wieder.

Also dann… auf ein gutes Jahr 2015!

Jahresrückblicke der letzten Jahre:

Euer LiK

Mein persönliches Bild des Jahres 2014. Aufgenommen mit der Leica M und Summicron-M 35 mm.

Mein persönliches Bild des Jahres 2014. Aufgenommen mit der Leica M und Summicron-M 35 mm.

Farbtreue…

Die Geschichte der Monitorkalibrierung ist wohl genau so alt wie die digitale Fotografie. In vielen Zeitschriften und Blogbeiträgen liest man, dass es geradezu eine eigene Wissenschaft sei, seinen Monitor vernünftig und richtig zu kalibrieren. Und dabei ist doch alles ganz einfach und verständlich. Also los geht’s…

Um seinen Bearbeitunsgprozess vernünftig gestalten zu können, sollte man zumindest eine Bildbearbeitungssoftware, welche Farbprofile unterstützt, installiert haben. Dazu zählen z. B. Lightroom oder Darktable. Ich arbeite mit Darktable – daher werden meine Ausführungen auf diese Software eingehen, können aber durchwegs auch als „softwareunabhängig“ interpretiert werden.

Wichtig zu erwähnen ist natürlich auch, dass wir den Monitor zwar kalibrieren können, dies aber relativ bedeutungslos bleibt, solange wir nicht auch den Ausgabeprozess kalibrieren. Und genau an diesem Punkt habe ich meist abgewunken, da ich meine Bilder nicht selber ausdrucke, sondern von einem Fotolabor ausarbeiten lasse. Viele Fotolabore bieten aber eigene Farbprofile an, welche gratis heruntergeladen werden können und in der eigenen Bildbearbeitungssoftware Verwendung finden. Im Übrigen sollte man besser von einer „Profilierung“ und nicht von einer „Kalibrierung“ sprechen, da der Prozess keinen Bezug zu einer absoluten Referenzgröße darstellt. Aber egal…

Ich gehe im Folgenden also davon aus, dass kein eigener Drucker für den Print verwendet wird, sondern ein entsprechendes Profil eines Printservices installiert ist. Diese Profile werden als sog. ICC-Profile bezeichnet – eine gute Beschreibung von ICC-Profilen findet sich hier. Zu finden sind diese z. B. bei SaalDigital unter: http://www.saal-digital.de/fotoabzuege/profi-informationen/icc-profil-testprint/, oder Cyberlab unter: http://www.cyberlab.at/infopool/icc_profile/index.php

Ebenfalls zur Verfügung stehen sollte ein entsprechendes Kalibriergerät, ein sog. Colorimeter. Mit diesem kann die aktuelle Farbeinstellung des Monitors erfasst werden und die notwendigen Korrekturwerte in einer Tabelle abgelegt werden. Diese Tabelle kann dann vom Betriebssystem, der entsprechenden Bildbearbeitungssoftware oder vom Monitor selber verwendet werden. Ich verwende als Colorimeter den X-Rite i1Display Pro.

Colorimeter im Einsatz.

Colorimeter im Einsatz.

Die Kalibration mit Hilfe eines Colorimeters ist denkbar einfach. Das Colorimeter wird auf den Monitor aufgesetzt und misst Farbwerte, die von einer entsprechenden Software eingeblendet werden. Am Ende wird für diese ausgewählten Werte eine Differenz zwischen einem fiktiven Soll-Wert und dem tatsächlichen Ist-Wert berechnet. Die berechnete Kalibrierfunktion oder Kalibriertabelle beinhaltet dann die entsprechenden Korrekturwerte.

Wie oben angedeutet bestehen nun mehrere Möglichkeiten, die durchgeführte Kalibrierung bzw. Profilierung anzuwenden. Die einfachste und für jeden verfügbare Methode ist sicher die Integration in das jeweilige Betriebssystem. Da ich unter Linux arbeite, kann ich nur darüber berichten. Sowohl Gnome als auch KDE bieten inzwischen die Möglichkeit, generierte Farbprofile zu nutzen. Der Vorteil dieser Methode ist, dass unabhängig vom verwendeten Programm das Farbprofil zur Anwendung kommt – dies stellt gleichzeitig aber auch den Nachteil dar. Nicht immer will man in jedem Programm das Farbprofil tatsächlich zur Anwendung bringen. Besser ist natürlich die Nutzung des Profils im jeweiligen Bearbeitungsprogramm. Sowohl Lightroom als auch Darktable bieten diese Möglichkeit an. Die letzte Methode ist die Nutzung des Profils direkt durch den Monitor – diesen Ansatz habe ich realisiert. Mein Eizo-Monitor bietet die Möglichkeit, das generierte Farbprofil nach Erstellung zu übernehmen und zu integrieren. Dies hat nun den Charme, dass man betriebssystemunabhängig ist und sich der Monitor direkt um das Profil kümmert. Nachteil ist wieder, dass man dieses Profil für alle Programme inkl. Betriebssystem verwenden muss. Viele hochwertige Monitore können selbständig eine regelmäßige Re-Kalibrierung machen (durch ein eingebautes kleines Colorimeter) und so über lange Zeit eine Farbstabilität halten. Für mich war dies der entscheidende Grund, auf diese Methode zu setzen – regelmäßige händische Kalibrationsvorgänge entfallen damit. Eine erstmalige Profilierung durch ein externes Colorimeter ist aber anzuraten (man erzeugt damit eine hochwertige Nullmessung, an der sich das  eingebaute Colorimeter orientiert).

Das Exportmodul von Darktable, in dem man auch das entsprechende Profil wählen kann.

Das Exportmodul von Darktable, in dem man auch das entsprechende Profil wählen kann.

Nun kann man also die Bearbeitung seiner Bilder durchführen und hat am Bildschirm bzw. am jeweiligen Programm eine möglichst „neutrale/echte“ Darstellung vorliegen. Trotzdem muss nun bei der Entwicklung der Bilder (also bei der Generierung von jpg’s aus raw’s) das Farbprofil des jeweiligen Printservice verwendet werden. Unter Darktable kann dieses Profil im Exportmodul angegeben werden (siehe Screenshot oben) und mit der sogenannten Gamut-Überprüfung (die zugehörige Tastenkombination findet sich in den Einstellungen; in Darktable ist es die Taste „g“) vorab getestet werden. So bekommt man einen Eindruck, was im Printverfahren noch möglich ist und was außerhalb des darstellbaren RGB-Farbraums bzw. der Hell-Dunkel-Bereiche liegt.

Gamut-Überprüfung durch drücken der Taste "g". Bereich die im Druckvorgang kritisch sein werden, sind farblich gekennzeichnet.

Gamut-Überprüfung durch Drücken der Taste „g“. Bereiche, die im Druckvorgang kritisch sein werden, sind farblich gekennzeichnet.

Die Kombination aus Monitorkalibrierung bzw. -profilierung, der Verwendung des Druckprofils des Printservices und die Nutzung des Gamut-Tests liefern zuverlässige Ergebnisse ohne böse Überraschungen.

Ich hoffe, damit einen kurzen und verständlichen Einblick in die Thematik „Monitorkalibrierung“ gegeben zu haben… viel wichtiger ist es aber, tatsächlich zu fotografieren. Also geht raus und macht Fotos!

LiK