Schlagwort-Archiv: Leica M

Der Comer See (Teil 2) – Die Welt in Schwarz-Weiß

Wie letzte Woche versprochen, gibt es nun einen Bericht mit Schwarz-Weiß-Bilder vom Comer See und Umgebung. Und es zeigt sich wieder mal, welch hervorragende Kamera die Leica M auch für Schwarz-Weiß-Aufnahmen ist – ist ja schließlich der selbe Chip wie in der neuen Leica Monochrome (Typ 246).

Also los gehts…

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Italienisches Türschloss. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/2.5.

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Himmeltor. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/4.0.

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Einkaufsmöglichkeit ohne Möglichkeit. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/4.0.

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Unterseite. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/2.5.

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Sturmsegeln. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/6.0.

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Trichter. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/3.5.

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Türschmuck. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/5.0.

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Italienische Regentropfen. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @f/2.5.

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Der Blick nach Vorne. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @f/2.0.

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Klassiker: Americans in Italy. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @f/4.5.

Weiter geht es dann nächste Woche – dann wieder in Farbe! Obwohl…Schwarz-Weiß hat schon was, oder?

LiK

Der Comer See (Teil 1) – Die Welt in Farbe

Die letzten zwei Wochen haben wir am Lago di Como (Comer See) verbracht, um dort etwas auszuspannen und natürlich um zu fotografieren. Warum um diese Zeit an den Comer See? Nun ja, im Sommer wird es heuer aus privaten Gründen keinen längeren Urlaub geben, und so suchten wir einen Ort, wo es bereits etwas wärmer als in Süddeutschland ist und die Wahrscheinlichkeit auf schönes Wetter ausreichend hoch ist. Zudem waren wir noch nie am Comer See, kannten die Gegend also nur aus Büchern und Videos. Wir machten uns also am 25. April mit dem Auto auf und fuhren über die Schweiz, den Gotthard Tunnel und das Tessin an den Comer See. In Sorico (dem nördlichen Ende des Comer Sees) hatten wir eine kleine Ferienwohnung gemietet, sodass wir ohne Stress und Hektik Tagesausflüge unternehmen konnten. Als wir in Deutschland losfuhren, regnete es und leider sollte es auch in den ersten Tagen am Comer See nicht sehr viel besser werden. Aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Fotowetter, sondern nur den Unwillen, die raue Natur nicht einfangen zu wollen.

Was hatte ich an Fotoausrüstung dabei? Alles! Natürlich hatte ich neben meiner Leica M alle drei Objektive mit: das Super-Elmar-M 21 mm ASPH, das Summicron-M 35 mm ASPH und das Summilux-M 50 mm ASPH. Das Stativ hatte ich auch dabei, variabel bestückt mit dem Videoneigekopf von Gabi oder meinen Kamerakugelkopf. Ich kann aber schon vorwegnehmen, dass ich 100% der Bilder ohne Stativ gemacht habe und ca. 80% der Bilder mit dem 35er. Das Arbeiten mit Stativ ist bis heute für mich nicht der richtige Weg – ich fühle mich mit Stativ zu sehr eingeengt, zu sehr beschränkt und zu unvariabel. Ich liebe es, mich schnell mit der Kamera zu bewegen, mich in die Hocke zu begeben, auf eine Mauer zu steigen und meinen Arbeitsradius schnell anpassen zu können. Ein Stativ hemmt mich dabei. Natürlich gibt es auch Situationen, wo ein Stativ ein absolutes Muss ist, z. B. Langzeitbelichtungen.

Wie bereits angedeutet war das Wetter an den ersten Tagen eher regnerisch, nebelig und verströmte eine sehr eigene Stimmung am Lario. Also nichts wie auf ans Wasser! Entstanden sind eine ganze Reihe von Bildern, die vom vorherrschenden Nebel geprägt sind. Ein ausgewähltes sei hier gezeigt.

Der Schwan von Sorico fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Der Schwan von Sorico fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

An den darauffolgenden Tagen besserte sich das Wetter deutlich, sodass wir auch die umliegenden Berge zu Gesicht bekamen und einige Ausflüge entlang des Westufers machten. Das Westufer ist von prächtigen Villen geprägt, die vielfach aus dem 15. Jahrhundert stammen, als die Umgebung des Comer Sees durch die Seidenindustrie reich wurde. Heute sind diese Villen restauriert und im Besitz von Industriellen oder Promis. So hat beispielsweise auch George Clooney ein Anwesen am Comer See – die Villa L‘ Oleandra.

Mauerblümchen fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Mauerblümchen fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Blick vom Norden in den Süden - Sorico mit Comer See fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Blick vom Norden in den Süden – Sorico mit Comer See fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Noch kein Surf-Wetter. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Noch kein Surf-Wetter. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Die Blumen des George. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Die Blumen des George. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Was den Comer See aber ausmacht, sind die vielen kleinen Dörfer, die ihren ursprünglichen Charakter weitgehend erhalten haben. Keine Spur von „herausgeputzt“ – etwas heruntergekommen, aber mit sehr viel Charme. Dieser Charme und diese spezielle Schönheit führten auch dazu, dass ich in den zwei Wochen über 1.000 Bilder machte – für mich und meine Leica M ist dies eine sehr hohe Bilddichte für diese kurze Zeit.

In der Nähe von Laglio. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

In der Nähe von Laglio. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Die unendliche Treppe. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Die unendliche Treppe. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Steinhaus mit Eingang. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Steinhaus mit Eingang. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Hochaktuelles Schild. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

Hochaktuelles Schild. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

Italienische Fassade. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Italienische Fassade. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Und hier noch ein paar Fakten zum Comer See: „Der Comer See, von den Einheimischen auch Lario genannt, ist 146 km² groß, 51 km lang und max. 4,2 km breit. Damit ist er nach dem Gardasee und dem Lago Maggiore, gemessen an der Wasserfläche, der drittgrößte See Italiens. Mit einer durch seine charakteristische Form bedingten Uferlinie von 170 km übertrifft er die beiden vorgenannten Seen in diesem Punkt. Bis zum Jahr 2006 glaubte man, die maximale Tiefe des Comer Sees sei 410 m. Neueren und präziseren Untersuchungen zufolge hat man herausgefunden, dass die bei Nesso erreichte Maximal-Tiefe 425 m beträgt.“ [Quelle: Wikipedia].

Am nördlichen Ende flankiert der Lago di Mezzola den Comer See. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Naturschutzgebiet „Riserva Naturale Pian di Spagna“, welches über 100 verschiedene Vögelarten beheimatet und zu Spaziergängen und Fototouren einlädt – abseits der schicken Gesellschaft am Comer See. Vögel bekomme ich  mit meinen kurzen Brennweiten zwar nicht eingefangen, aber jede Menge anderer interessanter Dinge.

Spirale. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Spirale. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

UFO. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

UFO. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Ich habe in diesem Beitrag natürlich nur einen ersten Auszug gezeigt und zudem nur Farbbilder, obwohl für mich die etwas heruntergekommene Architektur Italiens ein typisches Schwarz-Weiß-Sujet darstellt. Daher werde ich nächste Woche noch ein paar Beiträge und auch  Schwarz-Weiß-Bildern veröffentlichen.

Seid also gespannt…

LiK

Die guten alten Zeiten – Streulichtblende ist nicht gleich Streulichtblende

Die Streulichtblende (manchmal auch fälschlicherweise als Gegenlichtblende bezeichnet), stellt ein Zusatzelement des Objektives dar, welches leider viel zu oft unterschätzt wird. Nur allzu oft sehe ich verkehrt montierte Streulichtblenden – warum entzieht sich meiner Kenntnis bis heute. Wie dem auch sei – eine Streulichtblende macht auch bei höchst-vergüteten Linsenelementen und entsprechenden Objektiven Sinn. Bei den Leica Summicron- und Summilux-Objektiven wird die Streulichtblende mitgeliefert. Leider ist diese beim Summicron 35 mm ASPH. nur aus Plastik und hat eine Form, die eher an eine russische Konstruktion erinnert als eine deutsche feinmechanische Meisterleistung.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und originaler Streulichtblende.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und originaler Streulichtblende.

Bei den früheren 35er Summicrons wurde noch eine aus Metall gefertigte Streulichtblende mitgeliefert – damals sogar noch als schöne lamellenförmige Konstruktion. Und genau diese Streulichtblenden sind heute begehrte Sammlerstücke, die über ebay und den Gebrauchthandel vertrieben werden. Bereits seit ca. 1 Jahr bin ich auf der Suche nach einem solchen Teil. Wie durch Zufall entdeckte ich ein gut erhaltenes Exemplar im niederländischen Online Shop von Marco Schouten – http://www.schouten-select.com/. Ich nahm Kontakt auf und musste erfahren, dass das Objekt der Begierde leider schon vergeben war, aber eine zweite Blende gerade „reingekommen“ sei. Marco schickte mir schnell ein paar Bilder, wir verhandelten den Preis und schon war alles fixiert. Ich kann den Shop also nur ausdrücklich empfehlen!

Leica M mit Summicron-M 35 mm und "alte" Streulichtblende.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und „alte“ Streulichtblende.

Das Bild und der entsprechende Vergleich zeigt es deutlich, dass die alte Form der Streulichtblende einfach besser zur Gesamtkonstruktion von Leica M und Summicron passt. Es gibt heute übrigens 4 Typen von Streulichtblenden für dieses Objektiv: Typ 12526 (die originale Plastikblende inklusive Schutzkappe, wie sie im Lieferumfang meines Objektives inkludiert war), Typ 12524 (der Vorgänger der heutigen Plastikblende, damals noch ohne Schutzkappe), Typ 12504 (die „alte“ Metallblende wie sie 1967 eingeführt wurde und wie ich sie erworben habe) und Typ 12585 (eine „alte“ Metallblende, welche eine etwas längere Bauform hat). Interessant auch, dass Leica alle aktuellen Sondereditionen des Summicron-M 35 mm (zum Beispiel als Teil der neuen Leica M Lenny Kravitz Edition oder der Leica M Safari) mit der Streulichtblende des Typs 12504 ausstattet.

Typ 12504 zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Blende in zwei Hälften zerlegt werden und einen entsprechenden Filter aufnehmen kann. Den eigentlichen Job, nämlich Streulicht verringern oder gar beseitigen, erledigen alle diese Streulichtblenden gleich gut. Warum Leica über die Jahre für die gleiche Objektivkonstruktion (bzw. nur leicht unterschiedliche Designs) so viele unterschiedliche Streulichtblenden entworfen und produziert hat, ist mir ein Rätsel. Eine gute Auflistung der Streulichtblenden und kurze Erklärungen finden sich hier.

Der Blick durch den Messsucher ändert sich übrigens nicht wesentlich. Zum Vergleich hier die beiden Arten von Streulichtblenden mit entsprechendem Messsucherbild.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12526.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12504.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12504.

Wo liegen also die Vorteile der „alten“ Streulichtblende vom Typ 12504? Definitiv hat sie eine höhere Stabilität aufgrund der Metallkonstruktion. Mit Sicherheit gibt sie dem Objektiv ein angemessenes wertiges Aussehen.  Der Nachteil ist, dass es keinen Objektivdeckel zur Streulichtblende gibt – hier will ich aber weiter recherchieren und eine Lösung finden. Nachteil ist auch, dass das Objektiv mit angesetzter Streulichtblende nun nicht mehr in den originalen Objektivköcher passt.

Jeder muss also für sich entscheiden, welchen Typ und welche Art von Streulichtblende er bevorzugt. Ich werde in den nächsten Wochen definitiv die 12504 zu meinem Standard machen – ob dies auch langfristig so bleibt, wird sich zeigen.

LiK

Meckern auf hohem Niveau – Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH.

Wie bereits letzte Woche geschrieben, hatte ich am Bodensee ausgiebig Zeit mein neues Objektiv Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH zu testen und es kennen zu lernen. Das Objektiv wird an meiner Leica M (Typ 240) betrieben (für jene Leser, welche diesen Blog nicht regelmäßig verfolgen). Ich möchte nachfolgend keinen Testbericht wiedergeben, sondern einfach meine sehr persönlichen Beobachtungen schildern.

Vorneweg sei erwähnt, dass die optische Qualität des Objektives hervorragend ist – in vielen Tests, Blogbeiträgen und Artikeln wird dies belegt und beschrieben. Es gibt also nichts zu meckern, außer man meckert auf extrem hohem Niveau. Was ich gerne tun möchte! Ich kenne den Weitwinkelbereich zwischen 17 und 24 mm relativ gut aus meiner Canon-Zeit und weiß daher gut wie man diesen Brennweitenbereich einsetzen kann und darf und auf was man besonders achten sollte.

Verzeichnung

Ich muss zugeben, dass durch meine bevorzugte Nutzung der Brennweitenbereiche von 35 mm und 50 mm, Bilder mit dem neuen 21er auf mich durchaus einen etwas seltsamen Eindruck machten. Ich fragte mich relativ schnell, warum denn plötzlich alles so flach wirkt, und wo denn die Leica-typische „3D-Darstellung“ bleibt. Ein Tele-Objektiv verdichtet den Raum und sorgt dafür, dass alles sehr plastisch wirkt; ein Weitwinkel hingegen lässt auch kurze Distanzen plötzlich unendlich wirken. Dadurch kommt es plötzlich zu einer Verzerrung des Bildes, welche sich primär auf die Tiefen-Wahrnehmung auswirkt. Durch die kurze Brennweite entstehen aber auch baulich bedingte Abbildungsfehler des optischen Systems, welche zu einer lokalen Veränderung des Abbildungsmaßstabes führen. Die Maßstabsänderung beruht auf einer Änderung der Vergrößerung mit zunehmendem Abstand des Bildpunktes von der optischen Achse. Diese Verzeichnung ist rotationssymetrisch um das sog. Verzeichnungszentrum. Soweit zur Theorie. Was bewirkt dies aber? Diese Abbildungsfehler erzeugen wahrnehmbare Verzerrungen im Bild. Parallele Linien laufen dadurch nicht mehr parallel, senkrechte Linien laufen nicht mehr senkrecht oder horizontale nicht mehr horizontal. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Effekt eindrucksvoll.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Warum sind nun nicht alle Objektive von dieser Verzeichnung betroffen? Sind sie leider doch! Je kleiner die Brennweite, desto deutlicher der Verzeichnungseffekt. Beim Fischaugenobjektiv ist dieser Effekt sogar gewünscht.

Die gute Nachricht ist nun, dass man die Verzeichnung relativ gut rechnerisch beseitigen kann. Kennt man das geometrische Modell des Objektives, so kann man die Verzeichnung leicht beseitigen. Das unten stehende Bild zeigt die Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs bei einer Fokussierung auf eine Entfernung von einem Meter. Die Zahlen an den Isolinien geben den Betrag der Korrektur in Mikrometern an. Die Länge der Pfeile entspricht der fünfzehnfachen Länge der Korrektur. Die Koordinaten u und v sind die Bildkoordinaten bezogen auf die Bildmitte (Quelle: Wikipedia). Es zeigt sich also deutlich, dass die Verzerrung zum Rand hin deutlich ansteigt und Extremwerte in den Ecken erreicht.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Heute arbeiten Hersteller meist mit einer kamera-internen Reduktion der Verzeichnung. Dazu wird das Objektiv entsprechend codiert (gekennzeichnet) und damit von der Kamera automatisch identifiziert. Die hinterlegten Korrekturwerte können dann bereits beim Schreiben des Bildes angebracht werden. Bei vielen Herstellern erfolgt diese Korrektur übrigens auch bei RAW-Bilder (man sollte also den Begriff „Raw“ nicht unbedingt als Indiz dafür nehmen, dass es tatsächlich völlig unbearbeitete Bilder sind). Leica scheint hier übrigens eine andere Linie als die großen Hersteller aus Asien zu fahren. Speziell Canon, Nikon und besonders Sony korrigieren in der Kamera unglaublich viele Dinge – der Fotograf bekommt also ein deutlich verändertes/bearbeitetes RAW-File geliefert. Man sollte sich bei einer Leica-M also bewusst sein, dass man mit der baulich bedingten Verzeichnung leben muss, oder in der Nachbearbeitung selber Hand an legen muss. Als Beispiel sei auf das Bild unten verwiesen.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungwöhnlich, besonders nicht wenn Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungewöhnlich. Besonders auffällig, wenn vertikal verlaufende Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden (z. B. Stelzen des Pier).

Man erkennt deutlich, dass man sehr vorsichtig damit umgehen sollte, vertikal oder horizontal verlaufende Objekte in den oberen oder unteren Bereich des Bildes zu setzen, besonders in die entsprechenden Ecken. Das Pier im Bild wird deutlich verzerrt, die senkrechten Stelzen kippen förmlich nach außen. Viele Bildbearbeitungsprogramme korrigieren diese Effekte bereits beim Importieren der Bilder, sodass auch hier der Fotograf bevormundet wird. Da ich mit Darktable arbeite, kann ich sehr individuell entscheiden, ob ich eine Korrektur anbringen will oder nicht (andere Software lässt dies natürlich auch zu, versteckt die Option nur manchmal etwas zu gut). Ein guter Weg Objektive zu korrigieren/kalibrieren ist beispielsweise die Generierung von Korrekturprofilen mit Hugin und die entsprechende Nutzung der Profile in Darktable (ich werde diesen Prozess in den nächsten Woche hier im Blog im Detail beschreiben).

Vignettierung

Neben der Verzeichnung ist sicher die Vignettierung der auffälligste Effekt, der mit abnehmender Brennweite immer stärker wird. Auch die Vignettierung kann bei bekanntem geometrischen Modell des Objektives gut korrigiert werden und wird dementsprechend von vielen Herstellern bereits beim Speichern der Bilder automatisch korrigiert – so auch von Leica. Bereits in den Raw-Daten ist die Vignettierung weitgehend beseitigt. Das Leica Super-Elmar-M 21 mm vignettiert im übrigen nur sehr minimal (dies kann man auch den entsprechenden Messdiagrammen entnehmen). Daher soll auf diesen Effekt hier nicht weiter eingegangen werden. Das Ausmaß der Vignette ist übrigens stark von der Blende abhängig. Je großer die Blende (kleine Blendenzahl) desto geringer die Vignettierung (siehe Abbildung, Quelle: Markus Schopfer, Wikipedia).

Blende

Die Vignettierung stellt heute bei den meisten Objektiven kein großes Problem dar. Zusätzlich ist die Vignettierung zu einem stilistischen Mittel geworden und wird oft sehr bewusst eingesetzt.

Gegenlicht

Für jemanden der gerne direkt zur Sonne ausgerichtet fotografiert, ist das Verhalten des jeweiligen Objektives bei Gegenlicht extrem wichtig. Die Linsen- und Glasqualität spielt besonders bei Gegenlicht eine wichtige Rolle. Verfärbungen, Schleier und Schlieren sind  das gewohnte Bild bei billig gefertigten Objektiven. Wie nicht anders zu erwarten spielt das Leica Super-Elmar 21 mm hier in der absoluten Top-Liga. Leica verbaut die besten Glassorten in ihren Objektiven, und so ist es nicht verwunderlich, dass Gegenlicht eine ganz wunderbare Lichtstimmung erzeugt. So soll es sein! Beobachten kann man dies im unten stehenden Bild.Unterhalb der Sonne kann ein leichter roter Schleier beobachtet werden (verstärkt wohl auch durch die Lichtbrechung/-verfärbung an der Wolke) – nicht weiter störend. Das Verhalten des Objektives insgesamt aber sensationell.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

Chromatische Aberration

Was sich bei dieser Gegenlichtaufnahme aber relativ gut beobachten lässt ist das Auftreten von Chromatischer Aberration. Der Brechungsindex von Glas hängt von der Wellenlänge des Lichtes ab. Dies wird Dispersion genannt und verursacht die sog. chromatische Aberration. Im Bild sichtbar wird dies durch Farbsäume, also Verfärbungen an Kanten und Schärfenebenen. Meist entstehen rote oder grüne Farbsäume vor oder hinter der eigentlichen Schärfenebene. Im oberen Bild sieht man diesen Effekt im Bereich der weiß schimmernden Wasserfläche (vordere Bildmitte). Chromatische Aberration ist ein Effekt von dem die Leica M stärke betroffen ist als Spiegelreflexkameras, da das Auflagemaß (Abstand Sensor zu Befestigung des Objektiv) geringer ist und die Lichtstrahlen daher wesentlich flacher auf den Sensor treffen. Leica hat diesem Umstand bei der M (Typ 240) durch eigene Mikrolinsenelemente, welche über dem eigentlichen Sensor sitzen, speziell geformt wurden und dadurch eine entsprechende Lichtbrechung unterstützen, Rechnung getragen. Trotzdem hat besonders die verwendete Brennweite einen ganz erheblichen Einfluss auf diesen die Chromatische Aberration. Chromatische Aberration kann mit heutiger Bildverarbeitungssoftware aber relativ gut beseitigt werden. Ein Absenken des Rotkanals bzw. des Rotanteils im Bild reicht meist schon aus.

Das Problem mit dem Sucher

Die Leica M und ihr optischer Sucher ist nun mal nur für Brennweiten bis zu 28 mm ausgelegt. Bei kürzeren Brennweiten muss ein externer Sucher oder der Live View (LV) verwendet werden. Klappt auch alles wunderbar! Bei der Verwendung des LV ergab sich für mich aber ein eindeutiges Aha-Erlebnis. Die Leica M erlaubt nämlich einen eigenen Belichtungsmodus für den LV zu konfigurieren, der bei aktiviertem LV genutzt wird. Arbeitet man beispielsweise immer mit der mittenbetonten Belichtungsmessung, wählt in der Konfiguration für den LV aber die Mehrfeldmessung, so kann man zwischen den zwei Modi durch aktivieren des LV blitzschnell umschalten. Gerade mit einem Weitwinkel macht oft eine Mehrfeldmessung mehr Sinn als eine mittenbetonte Messung. Ein lästiges Umstellen des Belichtungsmodus entfällt also, wenn man die Lösung mit dem LV nutzt. Genial und einfach!

Und was bleibt am Ende?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Fotografieren mit einem Weitwinkel Übung braucht. Wie jede andere Brennweite, muss auch der Weitwinkel besonnen und gekonnt eingesetzt werden. Auf keinen Fall sollte es zu einer inflationären Nutzung dieser Brennweite kommen: weniger ist oft mehr. Ab und an ein Bild mit einem Weitwinkel lockert eine Präsentation auf und beeindrucken den Betrachter. Zu viele Weitwinkelbilder stumpfen den Betrachter aber schnell ab. Spannung lässt sich durch eine bewusste Nutzung des Vordergrundes erzeugen; auch hier empfiehlt sich aber ein vorsichtiges Herantasten und eine sehr gezielte Nutzung dieser Strategie.

Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH. ist aber definitiv eine Bereicherung und ein durchgehend beeindruckendes Objektiv. Nur sehr wenige Lichtsituationen bringen es ein wenig aus dem Tritt (z. B. extremes Licht erzeugt leichte chromatische Aberration) – der Vergleich mit anderen Objektiven anderer Hersteller dieser Brennweite zeigt aber deutlich wie gut und ausgereift das optische Konzept und die entsprechende Konstruktion ist. Leica hat sich mit diesem Objektiv viel Zeit gelassen – das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hut ab!

Ich hoffe diese Zeilen haben euch Spaß gemacht und ihr habt genau so viel gelernt wie ich dabei.

LiK

Bodensee

Wie bereits angekündigt waren wir letztes Wochenende für 4 Tage am Bodensee. Untergebracht in Meersburg im Fischerhaus, was absolut zu empfehlen ist. Von dort aus sind es ca. 30 m zum See (also praktisch in Wurfweite).

In den 4 Tagen produzierte ich um die 200 Bilder. Es ging mir dieses mal aber um das Austesten des neuen 21er Objektives und weniger um perfekte Bilder (ok, danach streben wir doch immer). Und so verbrachte ich einen vollen Tag damit nur mit dem 21er zu „spielen“ und es an seine Grenzen zu treiben. Gegenlicht, Seitenlicht, Verzeichnung je nach Blickwinkel, etc. Dazu werde ich in den nächsten Tagen einen eigenen Bericht schreiben – ihr könnt als gespannt sein.

Hier nun ein paar Bilder (eines davon mit dem 21er aufgenommen).

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Selbstportrait mit Tapete. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/2.0.

Eingenpaktes Geländer in Konstanz. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Eingepacktes Geländer in Konstanz. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Untersichsein. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Spaßverderber. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Einsames Vergnügen. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Das Chaos der Natur. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

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Abendstimmung am Bodensee. Fotografiert mit Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ f/8.0.

Das letzte Bild zeigt schon ein wenig das Potential des Super-Elmar….aber so viel Platz, der so schwer zu füllen ist!

LiK

Best of „\temp“

Seit einigen Jahren habe ich eine ziemlich blöde Angewohnheit: Wenn ich nach einer Fototour nach Hause komme, kopiere ich erst mal alle Bilder in ein Verzeichnis mit dem Namen „temp“ (steht für „temporär“). Ich kopiere von dort dann jene Bilder in spezielle Verzeichnisse die richtig gut sind – manchmal bleiben aber auch gute/interessante Bilder im Verzeichnis liegen. Mit der Zeit wird die Sache natürlich mehr als unübersichtlich. Zeit also,  einen Blick in dieses Verzeichnis zu werfen und zu prüfen, ob nicht doch der eine oder andere interessante Schuss dabei ist.

Seht die nachfolgenden Bilder als ein nicht-zusammenhängendes Konglomerat von Einzelaufnahmen. Gut oder Schlecht? Hmmm…bildet euch selbst eine Meinung.

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Diagonal. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/4.0.

L1005711

Schmuckstück. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/4.0.

L1006097

U-Turn. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

L1006101

Undurchsichtig. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

L1006269

Ausgerichtet. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

LiK

Schwach geworden – Zuwachs für die M!

Und da schreibe ich vor einigen Wochen noch davon, dass ich meinen Objektivpark 2015 nicht ändern werde. Alles sollte so bleiben wie es war! Und dann kam dieses Hammerangebot von Leica Meister Camera in Hamburg. Soll man trotzdem ein Jahr warten und dann deutlich mehr zahlen, für ein Objektiv, das früher oder später mit Sicherheit erworben werden soll? Ich nahm Kontakt mit dem Meister auf, beriet mich mit ihm und erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Ich hatte noch nie ein gebrauchtes Objektiv gekauft – sollte ich es wagen? Dann aber sollte es doch passieren – ich sagte zu! Erwarb eines der eindrucksvollsten Objektive im Bereich von 21 mm, das Super-Elmar-M 1:3.4 / 21 mm. Das Objektiv wurde schnell geliefert und wie vom Meister versprochen, wies es weder Gebrauchsspuren noch Kratzer auf – sah alles wie neu aus. So etwas kann man wohl als Schnäppchen bezeichnen!

21 mm bedeuten für das Kleinbild einen horizontalen Bildwinkel von 80 Grad. Umgesetzt wurde das Objektiv mit Hilfe von 8 Linsenelementen, davon 2 asphärische Flächen. Bei einer Länge von 43 mm, bringt das gute Stück 280 Gramm auf die Wage. Von vielen wird dieses Objektiv als das weltbeste 21er bezeichnet – was zwar beeindruckt, aber auch wieder egal ist! Jetzt muss erst mal Freundschaft geschlossen werden und wir müssen uns kennen lernen. Die Leica M ist mit ihrem Messsucher nur bis zu einer Brennweite von 35 mm ausgelegt; 21 mm bedeuten nun, dass ein externer Sucher oder der Live View verwendet werden musste. Ich entschied mich für einen externen Spiegelsucher (der mit einer eigenen Aufbewahrungstasche in Leder ausgeliefert wird!).

In meiner Canon-Zeit hatte ich das 17-40er öfter vor meine Kamera geschnallt – es gehört eindeutig zu meinen Lieblingsobjektiven. Und nicht selten wurden davon die 17 mm verwendet. So rechnete ich also damit, dass mich 21 mm nicht sonderlich beeindrucken und mir das Arbeiten gewohnt von der Hand ging. Hatte ich schon vergessen, was 21 mm bedeuteten? 80 Grad Öffnungswinkel bringen einfach verdammt viel der Umgebung auf den Chip. Und so muss ich zugeben, dass ich bei den ersten Fotos nicht schlecht staunte und mir wurde schnell bewusst, dass ich das Arbeiten mit einem Weitwinkel schier verlernt hatte.

Anbei ein paar Bilder vom  Objektiv an der Kamera inkl. des aufgesteckten Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Noch kann ich wenig sagen über das neue Mitglied in der M-Familie. Einige wenige Runde haben ich bereits mit dem Objektiv durch Freiburg gedreht, versucht es zu verstehen und habe versucht die Grenzen auszuloten. Und ein erstes Bild kann ich euch auch bereits zeigen.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Mehr Erfahrung, mehr Bericht und mehr Bilder gibt es dann in den nächsten Wochen – Mitte März steht ein mehrtägiger Ausflug an den Bodensee an. Ein erster ernstzunehmender Test für das 21er.

LiK