Kategorie-Archiv: Leica M (Typ 240)

Schwach geworden – Zuwachs für die M!

Und da schreibe ich vor einigen Wochen noch davon, dass ich meinen Objektivpark 2015 nicht ändern werde. Alles sollte so bleiben wie es war! Und dann kam dieses Hammerangebot von Leica Meister Camera in Hamburg. Soll man trotzdem ein Jahr warten und dann deutlich mehr zahlen, für ein Objektiv, das früher oder später mit Sicherheit erworben werden soll? Ich nahm Kontakt mit dem Meister auf, beriet mich mit ihm und erbat mir einige Tage Bedenkzeit. Ich hatte noch nie ein gebrauchtes Objektiv gekauft – sollte ich es wagen? Dann aber sollte es doch passieren – ich sagte zu! Erwarb eines der eindrucksvollsten Objektive im Bereich von 21 mm, das Super-Elmar-M 1:3.4 / 21 mm. Das Objektiv wurde schnell geliefert und wie vom Meister versprochen, wies es weder Gebrauchsspuren noch Kratzer auf – sah alles wie neu aus. So etwas kann man wohl als Schnäppchen bezeichnen!

21 mm bedeuten für das Kleinbild einen horizontalen Bildwinkel von 80 Grad. Umgesetzt wurde das Objektiv mit Hilfe von 8 Linsenelementen, davon 2 asphärische Flächen. Bei einer Länge von 43 mm, bringt das gute Stück 280 Gramm auf die Wage. Von vielen wird dieses Objektiv als das weltbeste 21er bezeichnet – was zwar beeindruckt, aber auch wieder egal ist! Jetzt muss erst mal Freundschaft geschlossen werden und wir müssen uns kennen lernen. Die Leica M ist mit ihrem Messsucher nur bis zu einer Brennweite von 35 mm ausgelegt; 21 mm bedeuten nun, dass ein externer Sucher oder der Live View verwendet werden musste. Ich entschied mich für einen externen Spiegelsucher (der mit einer eigenen Aufbewahrungstasche in Leder ausgeliefert wird!).

In meiner Canon-Zeit hatte ich das 17-40er öfter vor meine Kamera geschnallt – es gehört eindeutig zu meinen Lieblingsobjektiven. Und nicht selten wurden davon die 17 mm verwendet. So rechnete ich also damit, dass mich 21 mm nicht sonderlich beeindrucken und mir das Arbeiten gewohnt von der Hand ging. Hatte ich schon vergessen, was 21 mm bedeuteten? 80 Grad Öffnungswinkel bringen einfach verdammt viel der Umgebung auf den Chip. Und so muss ich zugeben, dass ich bei den ersten Fotos nicht schlecht staunte und mir wurde schnell bewusst, dass ich das Arbeiten mit einem Weitwinkel schier verlernt hatte.

Anbei ein paar Bilder vom  Objektiv an der Kamera inkl. des aufgesteckten Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Leica M mit Super-Elmar-M 1:3.4/21mm und Spiegelsucher.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Spiegelsucher mit eigener Lederaufbewahrungstasche.

Noch kann ich wenig sagen über das neue Mitglied in der M-Familie. Einige wenige Runde haben ich bereits mit dem Objektiv durch Freiburg gedreht, versucht es zu verstehen und habe versucht die Grenzen auszuloten. Und ein erstes Bild kann ich euch auch bereits zeigen.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Hochhaus in Freiburg. Fotografiert mit der Leica M und Super-Elmar-M 21 mm @ 5.0.

Mehr Erfahrung, mehr Bericht und mehr Bilder gibt es dann in den nächsten Wochen – Mitte März steht ein mehrtägiger Ausflug an den Bodensee an. Ein erster ernstzunehmender Test für das 21er.

LiK

Mauerwerk #3

Vor einem Jahr habe ich hier eine Serie gestartet, in der ich alte und verwachsene Wände dokumentiere. Diese Wände sollten aber nicht irgendwo stehen, sondern in dem Dorf anzufinden sein, in dem ich aufgewachsen bin: in Lana. Die Bilder wurden damals unter dem Titel „Erschöpfte Wände“ veröffentlicht (Rob war mir, wie immer, bei der Suche nach einem Titel eine kongeniale Hilfe):

Nun geht die Reise also weiter: Teil 3! Nicht ganz so bunt, nicht ganz so schrill, aber wieder mit tollen Farben, wie ich finde.

L1006286_01 L1006299 L1006323_01 L1006332 L1006304_01Langsam scheint sich also ein schönes Langzeitprojekt zu entwickeln. Ich bleibe jedenfalls dran und halte euch am Laufenden.

LiK

Der Schnee der 30er Jahre…

Kennt ihr auch diese alten Bilder von Winterlandschaft, wo der Schnee nicht wirklich weiß ist, sondern eine leichte Schattierung hat. Wenn ich solche Bilder sehe, sehe ich immer gleich die Skifahrer auf ihren Holzski vor mir – perfekt gestylt, elegant  und absolut aufrecht fahrend. Vor einigen Wochen waren wir in Südtirol im im Pfitschtal unterwegs. Die Landschaft war von Schnee bedeckt, die Sonne brannte von der Seite herunter und dann tat sich diese wunderbare Lichtstimmung auf. Also meine M rausgeholt, einen sehr begrenzten und abstrakt wirkenden Bildausschnitt gewählt und abgedrückt. Ich ließ das Bild mehrere Wochen liegen und war nun sehr überrascht, wie die Leica M den Schnee abbildet. Irgendwie anders – zumindest hatte ich das von meiner Canon ganz anders in Erinnerung.

Abstrahierte Schneelandschaft mit der Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/8.0.

Abstrahierte Schneelandschaft mit der Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/8.0.

Betrachtet mal diese feinen Strukturen im Schnee und diese Tönung! Sogar in den sehr hellen Bereichen kann man noch feinste Unterschiede erkennen. Die feinen Spuren der Tiere die das Gebiet in der Nacht durchquert haben. Und dann natürlich die Langlaufpiste, die dem Bild eine sehr abstrakte Form gibt. Also mit dieser Kamera könnte ich glatt ein Liebhaber des Winters werden.

LiK

Pokerface…

Die beste Gelegenheit Menschen zu fotografieren, sind Gelegenheiten, in denen sie hochkonzentriert oder abgelenkt sind. Besonders gut eignen sich dabei Situationen, in denen was gelesen, eingekauft oder gespielt wird. Und so nutzte ich die Situation eines „Kartenabend im Kreise der Familie“, um einfach in der Ecke zu hocken und mit meiner Leica auf Jagd zu gehen. Das leise Klicken den Kamera störte dabei nicht und so wurde fröhlich und unter vollem Einsatz des gesamten Körpers Karten gespielt. Entstanden sind eine ganze Reihe von Bildern, von denen ich nur ein paar zeigen möchte.

Alle Bilder entstanden im manuellen Belichtungsmodus bei 1/60 Sekunde. Die Blende wurde auf f/4.0 gestellt und der ISO Wert auf 2.500 gedreht. In der Nachbearbeitung habe ich den Kontrast minimal angehoben und eine Schwarz-Weiß-Konvertierung vorgenommen.

L1006398L1006381 L1006401 L1006406 L1006410Die Bilder geben meiner Meinung nach die Spontanität der Situation sehr gut wieder. Man spürt die Konzentration, aber auch die Wärme im Raum.

LiK

Die Entdeckung der Surrealografie

Zugegeben, jetzt wird es schräg! Mich fasziniert schon seit einiger Zeit die Darstellung von Waldszenen in Form von surrealen Bildern. Durch das „Ziehen“ und „Bewegen“ der Kamera, habe ich ja schon einiger solcher Aufnahmen gemacht. Aber es muss und soll noch weitergehen. Die nachfolgenden Bilder entstanden im Schwarzwald. Sie wurden keiner großen Nachbearbeitung unterworfen, sondern kamen tatsächlich (fast) so aus der Kamera. Mich haut es immer wieder um, wenn ich feststellen darf, wie nahe die Fotografie, mit solchen Bildern, der Malerei kommt.

Surreale Fotografie mit Leica M und Summicron-M 35 mm.

Surreale Fotografie mit Leica M und Summicron-M 35 mm.

Surreale Fotografie mit Leica M und Summicron-M 35 mm.

Surreale Fotografie mit Leica M und Summicron-M 35 mm.

Was ist wahr und was verfälscht? Wo hört die Wirklichkeit auf und wo fängt der Traum an? Ich möchte diese Art der Fotografie zukünftig als „Surrealografie“ bezeichnen und ihr mehr und mehr Bilder widmen. Eine entsprechende Rubrik werde ich in Kürze auch auf meiner Hauptseite einrichten.

LiK

Buchrezension – Der Leica M Photograph

Normalerweise halte ich mich mit Kritik an anderen Autoren oder Fotografen hier im Blog ja sehr zurück. Dieses mal muss ich mir aber doch etwas Luft machen. Die nachfolgenden Worte sind meine privaten und rein subjektiven Ansichten und sollen keinerlei Empfehlungen für einen Kauf oder Nicht-Kauf sein.

Im vorweihnachtlichen Übermut habe ich mir das Buch „Der Leica M Photograph“ von Bertram Solcher, erschienen im dpukt.verlag zugelegt. Der Titel sprach mich an und auch die Kurzbeschreibung, kein typisches Lehrbuch zu sein, sondern ein „Kamerabuch, das kein Kamerabuch sein will“. Klang kryptisch, aber interessant. Also bestellte ich das Buch für 49.90 € direkt über die Verlagsseite und bekam es auch prompt nach 3 Tagen geliefert. Service schon mal ausgezeichnet!

Das Buch kommt als Hardcover, ist sehr gut designt und wurde auf leicht glänzendem Papier gedruckt – soweit alles sehr gut. Der Inhalt ist in 10 Kapitel unterteilt, die versuchen, einen Bogen zu schlagen von der Anschaffung der Ausrüstung bis hin zum fertigen Bild. Im Prinzip eine sehr gute Idee… ABER! Leider ist der Inhalt dermaßen seicht und dünnflüssig, dass es schwer fällt, die 150 Seiten durchzuhalten. Ich habe durchgehalten und muss am Ende sagen, dass sich der Kauf nicht gelohnt hat. Allgemeingültige Floskeln, wie „Wer mit wachen Augen, offenem Herzen und einem Ziel durch die Gegend läuft, wird belohnt werden.“ (Seite 76), oder Aussagen, die in der kreativen Fotografie einfach keine Gültigkeit haben, wie „…ein unscharfes Bild bleibt ein unscharfes Bild und ist damit aus dem Rennen, da ist auch über den Kreativfaktor gar nichts zu machen.“ (Seite 90) sind einfach nur peinlich und haben in einem aktuellen Fotobuch, das den Anspruch erhebt, eben kein typisches Lehrbuch zu sein, keinen Platz!

Dass jedes Kapitel durch eine „Übung“ abgeschlossen wird, zu der aber keinerlei weiterführende Infos oder Auflösungen in Form von Bildbeispielen gegeben werden, ist genau so bezeichnend wie, dass das Buch nach Kapitel 10 praktisch im Nichts endet. Abruptes Ende eines völlig überflüssigen Schriftstücks. Sorry für die harten Worte, aber das musste jetzt einfach mal raus.

LiK

Bunt, bunter, Graffiti…

Freiburg ist eine schöne Stadt. Freiburg ist eine saubere Stadt. Sauber und schön, wie viele andere Städte in Deutschland und der EU auch. Und irgendwie habe ich das Gefühl, unsere urbanen Zonen werden immer schicker und aufgeräumter. Aber es gibt sie noch, die Plätze an denen man merkt, dass es brodelt, dass es eine „sich-ausdrücken-wollende“-Gesellschaft gibt. Besonders in Freiburg.

Ich liebe diese Plätze, die uns ein wenig von dieser subversiven Stimmung der späten 80er zurückbringen. Ein Teil dieser Bewegung war und ist die Graffiti-Szene. Ich weiß, viele sehen dies einfach nur als das Beschmieren von Wänden, was es oft auch ist. Vielfach sind diese „urbanen Malereien“ aber weit mehr: ein Ausdruck des Zustandes unserer Gesellschaft, ein Fieberbarometer der Stadt oder einfach nur ein ganz hervorragendes Fotomotiv. Man muss sich nur trauen zu verweilen und sie zu betrachten – und nicht zuletzt JR zeigt uns heute, dass diese Kultur inzwischen den Einzug in Kunstgalerien vollzogen hat. Warum aber Geld zahlen, wenn wir diese Kunst auf den Straßen unserer Städte betrachten dürfen.

Ich bin also losgezogen und habe einen sehr speziellen Platz in Freiburg besucht, wo man Graffitis 360 x 360 Grad vorliegen hat – eine vollkommen „zugesprühte“ Unterführung.

Eingang zur "Kunstgalerie". Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Eingang zur „Kunstgalerie“. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

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Auch eine Form von Statement. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.8.

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Tür zur Unterwelt? Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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Typische „Links-Rechts“ Entscheidung. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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Aufgang. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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Wegweiser #1. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Wegweiser #2. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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Hommage an H.R. Giger? Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

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Eindeutiges Statement der Obdachlosen! Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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„Nachweihnachtlicher“ Gruß. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Ich hoffe, dass der Eine oder Andere in Zukunft die bemalten Wände ein wenig länger betrachtet, nicht gleich schimpft, sondern sich eine Meinung bildet und versucht zu verstehen, ob es einfach nur „Geschmiere“ ist oder, ob tatsächlich eine Botschaft dahinter stecken könnte. Kunst muss nicht immer im Museum hängen!

LiK