Kategorie-Archiv: Technisches

Ein unfairer Vergleich – Amüsement mit der Sony Alpha 7R

Vor wenigen Wochen, hatte ich die Sony Alpha 7R IV für einige Tage zum Testen unter meinen Fingern. Dazu hatte ich das Sony 85 mm 1.8 und das 35 mm 1.8. Eine durchaus attraktive Kombination, die ich beruflich öfter nutzen werde dürfen. Meine Bedürfnisse im Beruf (möglichst hochauflösende Bilder von Oberflächen zu machen, um feinste Risse zu erkennen) und meine privaten Vorlieben (den Prozess des Fotografierens in den Vordergrund rücken) unterscheiden sich aber ziemlich stark. Trotzdem wollte ich die Kamera testen und mich in die Zeit zurückversetzen, in der ich mit einer Spiegelreflex-Kamera und jeder Menge technischem Schnick-Schnack fotografisch tätig war. Damals mit Canon, jetzt eben mit Sony – los geht es!

Hui, die ist aber groß und schwer und das noch ohne Objektiv!

Lasst uns zunächst ganz ganz weit oben beginnen und die äußere Hülle betrachten und mit meiner Leica M (die inzwischen fast 10 Jahre auf dem Buckel hat!) vergleichen. Eine neue Kamera auszupacken ist ja immer ein unglaublich schönes Erlebnis – Karton auf, Kamera raus: Hui, die ist aber groß und schwer und das noch ohne Objektiv!

Mit Objektiv wird das ganze zu einem ganz schönen Brocken. Der Vergleich mit der Leica M mag unfair sein, hat die Leica doch nur ein 50er dran und die Sony ein 85er. Der Gang zur Waage war übrigens spannend: beide wiegen exakt 1,0 kg. Das hätte ich jetzt nicht gedacht. Macht da etwa jemand auf große Hose?

Ok, Gewicht und Größe sowieso, mögen überbewertet sein. Hilft also nur noch „Betatschen“! Alles was ich an der Leica mag vermisse ich an der Sony! Soviel Plastik, so viele Knöpfe und dann liegt sie (die Sony!), trotz ergonomischem Griff, so schlecht in der Hand. Ich vermisse eine Stütze an meiner Handfläche und den Abstand zwischen den Fingern und dem Objektiv finde ich viel zu klein. Oft wird die Leica M als nicht ergonomisch kritisiert (sie hat ja eher die Form eines Ziegelsteins!), trotzdem liegt sie mir besser in den Händen. Nach fast 10 Jahren Nutzung kann dies aber auch einfach Gewohnheit sein und man sollte der Sony hier nicht unrecht tun und sie als unergonomisch bezeichnen.

11 vs. 17 Knöpfe und Drehräder – Wer hat gewonnen?

Was mich schon sehr viel mehr stört, sind die ganzen Knöpfe. Wie wird heute ein Foto beeinflusst? Nicht anders als auch vor 100 Jahren: Belichtungszeit, Blende und Empfindlichkeit des Films/Chips. Neben dem eigentlichen Auslöser würden also 3 Knöpfe reichen, möchte man jede Funktion tatsächlich einzeln belegen. Meine Leica M hat in Summe 11 Knöpfe (inkl. Auslöser und Drehrad für die Belichtungszeit). Die neue Leica M10 hat noch einmal deutlich weniger (ich denke um die 7 Knöpfe in Summe). Die Sony kommt auf sage und schreibe 18 Knöpfe und Drehräder, die oft sogar mehrfach belegt sind. Ich habe die starke Vermutung, dass man mit der Alpha 7R auch zum Mond fliegen kann!

Was ich aber richtig toll finde, ist das klappbare Display. Das erleichtert vor allem die Bildkomposition, wenn man sehr bodennahe arbeitet und ein Blick durch den Sucher nicht mehr gelingen mag. Bei meiner M verrenke ich mir hier regelmäßig den Nacken.

Kommen wir zum Wichtigsten: dem Sucher. Die Leica M ist eine klassische Messsucherkamera – man Blickt also nicht durch das Objektiv, sondern durch einen eigenen Sucher. Dies hat Vor- aber auch ein paar Nachteile. Der Vorteil ist sicher der ungestörte und direkte Blick auf die Szene. Zudem trüben ND-Filter nicht die Sicht. Viele Fotografen bezeichnen eine Messsucherkamera oft als die reinste Form Fotografie zu betreiben. Die Sony ist eine klassische spiegellose Kamera mit elektronischem Sucher. Man blickt also mit Hilfe des Live-Bildes, welches vom Bild-Chip geliefert wird, durch das Objektiv auf die Szene. Vorteil dabei ist, dass man eben keinen Spiegel benötigt, wie früher bei den Spiegelreflexkameras und Bildänderungen können direkt im Live-Bild gezeigt bzw. eingeblendet werden. Der Sucher der Sony hat über 5 Mio. Bildpunkte und ist hervorragend – da sind absolut keine Pixel mehr zu erkennen, das Bild läuft flüssig. Perfekt gemacht Sony! Was mich etwas stört, ist die Farbsättigung des Sucherbildes. Hier würde ich mir wünschen, dass man aktiv eingreifen kann und das Sucherbild einfach beeinflussen kann. An das Zucken des Live-Bildes beim Eingreifen des Bildstabilisators musste ich mich erst gewöhnen – schön ist das nicht, liegt aber in der Natur dieser Technik. Ohne jeden Zweifel könnte ich mich an einen elektronischen Sucher gewöhnen, genieße aber, solange meine Augen das noch mitmachen, den klaren und direkten Blick durch den Messsucher meiner Leica M.

Was die Leica nicht hat, ist ein Autofokus. Und hier trumpft die Sony richtig auf: 567 Phasenerkennung-AF-Punkte mit 74% Bildabdeckung. Durchaus beeindruckend! Funktioniert das gut? Meist ja! Hat man es mit bewegten Objekten zu tun, so findet der Fokus eigentlich fast immer sicher die richtigen Teile der Szene und verfolgt diese auch zuverlässig. Bei statischen Szenen mit einem dominierenden Objekt im Vordergrund und viel Hintergrund fokussiert die Kamera fast immer auf den Hintergrund. Abhilfe schafft die Wahl des „Spotmodus“, sodass die AF-Punkte auf das Zentrum konzentriert werden. Das ist nicht schlimm, aber hätte ich mir besser erwartet. Bei statischen Szenen war ich daher beim Fokussieren mit der Leica M deutlich schneller als mit der Sony, bei dynamischen Szenen hatte ich mit der Leica natürlich keine Chance.

Die Leica M funktioniert denkbar einfach. Die Sony hält sich am Bedienkonzept der anderen Hersteller.

Kommen wir noch einmal zur Bedienung. Die Leica M funktioniert denkbar einfach: Wahl der Blende über den Blendenring am Objektiv, Wahl der Belichtungszeit über das entsprechende Drehrad, Ausschnitt wählen, abdrücken. Ich arbeite etwas anders, da ich meine M immer in der Belichtungsautomatik betreibe. Das heißt, dass ich die Blende manuell wähle, die Kamera die geeignete Belichtungszeit automatisch wählt und ich dann über das Daumenrad eine Belichtungskorrektur anbringe, um auf die Lichtsituation reagieren zu können. Dies ermöglicht mir maximale Geschwindigkeit bei maximaler Flexibilität. Diesen Modus bietet auch die Sony, nur wird die Blende leider nicht am Objektiv gewählt, sondern über ein Daumenrad, welches zudem sehr ungeschickt platziert ist (an der Oberseite der Kamera). Ich muss also sowohl Blende, als auch Belichtungskorrektur mit der rechten Hand wählen, die linke bleibt arbeitslos (für das Stützen der Kamera findet sie natürlich Verwendung). So richtig gut funktioniert das für mich nicht – leider! Aus meiner Sicht hält sich Sony hier am Bedienkonzept der meisten Hersteller. Warum man die linke Hand aber so konsequent ausschließt ist mir unklar. Ein Drehrad auf der linken Seite der Kamera, in direkter Griffweite der linken Hand (u. a. für die Wahl der Blende) wäre großartig und würde deutlich mehr Flexibilität erlauben.

Und wie sieht es mit der Bildqualität aus? Und jetzt wird es richtig unfair. Die Leica M hat 24 MP, die Sony 61 MP. Hmmm…lässt sich das überhaupt vergleichen. Ich denke schon. Konzentrieren wir uns also nicht auf Detailschärfe und Auflösung, sondern auf die Dinge, die ein Bild wirklich ausmachen: Charakteristik (was auch immer das sein mag!) und Bokeh. Und los geht es!

61 MP – das ist eine Menge Holz!

Zunächst muss man sich klar machen, dass 61 MP bedeuten, dass am Ende pro Bild im Raw-Format120 MB auf der Platte landen – das ist eine Menge Holz. Speicher ist zwar billig, trotzdem braucht es einen leistungsfähigen Rechner, um die Bilder flüssig zu bearbeiten.

Ich habe über ein ganzes Wochenende eine ganze Reihe von Bildern mit der Sony gemacht und auch ein paar direkte Vergleichsaufnahmen mit der Leica M (Typ 240). Hier nun ein paar Bilder für euch, um die Kamera beurteilen zu können. Wie bereits oben angedeutet, haben die Bilder und der Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit – dies sind meine eigenen, sehr subjektiven Wahrnehmungen.

Beginnen wir mit einem Bild bei leichtem Gegenlicht. Die erste Aufnahme zeigt das Bild direkt aus der Kamera, das zweite Bild mit einer leichten Anhebung der dunklen Bereiche durch die Bildbearbeitung. Natürlich bietet die Aufnahme genug Dynamik, um sehr flexibel solche Bearbeitungen zu machen. Aber auch die Originalaufnahme bietet bereits eine gut ausgewogene Belichtung – auch wenn ich mir hier durch die Gesichtserkennung und das Augentracking erwartet hätte, dass stärker auf das Gesicht belichtet worden wäre (ich will nicht ausschließen, dass es irgendwo in den Tiefen der Menüstruktur eine Einstellung gibt, um dies entsprechend zu adressieren).

Und dann noch einen Blick auf ein paar Details. Das folgende Bild wurde auf meinem Schreibtisch aufgenommen. Verwendet wurde das 85er bei f/1.8. Zunächst einmal beeindruckt mich sehr das Bokeh dieses Objektives – richtig schön verwaschen und sahnig! Dann habe ich unten einen kleinen Ausschnitt des Bildes herausgezogen, um noch einmal das Potential der 61 MP zu zeigen. Ist schon echt krass!

Und dann sehen wir uns mal einen direkten Vergleich zwischen Leica und Sony an. Ich habe auf beide Kameras ein 35er geschnallt. Bei der Sony ist es das FE35 mm F1.8, bei der Leica das Summicron-M 35 mm ASPH. Beide Kameras habe ich auf f/2.0 gestellt. Die Bilder sollen keinen künstlerischen Anspruch erheben, sondern einfach nur die gleiche Szene abbilden. Ich habe daher jeweils ein Objekt im Vordergrund platziert, um vor allem das Bokeh beurteilen zu können. Die Bilder wurden nicht bearbeitet und einfach nur auf 2.500 Pixel Seitenlänge runtergerechnet.

Sony
Leica
Sony
Leica
Sony
Leica

Was zunächst mal auffällt ist, dass die Leica M offensichtlich etwas konservativer beim Thema Belichtung agiert und eher unter als überbelichtet. Die Sony trifft hier besser gleich den richtigen Wert. Beim Thema Bokeh der 35er (hier ist ja das Objektiv das entscheidende Element) nehmen sich die beiden Systeme relativ wenig und die Unterschiede sind marginal. Speziell im letzten Bildpaar ist aber zu erkennen, dass die Leica-Kombination deutlich plastischer abbildet. Das Objektiv scheint förmlich aus dem Bild herauszuspringen, wohingegen das Bild der Sony eher „flach“ wirkt. Interessant auch, dass der Kontrastumfang des Leica-Bildes im Bereich des Tisches (raue Holzoberfläche) viel höher zu sein scheint, bzw. auch das Holz sehr viel plastischer wirkt. Bei allen Bildern fällt auf, dass das Bokeh der Leica etwas geschmeidiger ist – die Unruhe bei strukturierten Flächen, was mich beim Summicron manchmal so stört, wirkt sich gegenüber der Sony-Kombination nicht störend aus. Ich denke, dass sich ein 35er Summilux oder das neue 35er Apo-Summicron hier noch einmal deutlich absetzen würde.

Richtig spannend wird es wenn man die Objektive mal wechselt. Ich habe mein 50er Summilux mit dem 85er von Sony verglichen. Durch die Wahl des Abstandes habe ich versucht vergleichbare Ausschnitte abzubilden – wieder keine Bildverarbeitung und nur auf 2.500 Pixel skaliert.

Sony
Leica

Der Fokus wurde auf das abgeschnittene Gebüsch im Vordergrund gelegt. Und jetzt schaut euch mal diese plastische Wirkung der Leica an – für mich liegen hier Welten zur Sony. Blickt man auf den Gartenschlauch im Hintergrund, so sieht man wie cremig das Bokeh des Summilux ist und wie stark die Sony Kanten betont und das Bokeh dadurch unruhig wirken lässt. Ähnliches ist bei den Sträuchern im Hintergrund zu beobachten. Zudem überrascht mich die Farbgebung der Leica – die Farben knallen deutlich mehr (für mich aber durchaus positiv).

Was kann man also zusammenfassend sagen:

  • Ohne jeden Zweifel beeindrucken die Auflösung von 61 MP der Sony. Die Details die sich damit generieren lassen, sind schon fast abartig. Die Sinnfrage nach den 61 MP darf aber in jeden Fall gestellt werden.
  • Die Belichtungssteuerung der Sony arbeitet sehr gut, auch bei leichtem Gegenlicht saufen die Bilder nie stark ab. Habe mit den diversen Belichtungsmessmethoden, welche die Sony bietet aber nicht gespielt. Alle Bilder wurden mit dem „Multi-Modus“ gemacht, der die Messung über das gesamte Bildfeld durchführt. Bei Personenaufnahmen hätte ich mir einen stärkeren Eingriff der Kamerasoftware erwartet (um das Gesicht korrekter zu belichten) – hier ist sicher noch Potential nach oben.
  • Der Autofokus der Kamera ist ein echtes Highlight und definiert derzeit wohl den Standard bei solchen Kameras. Bewegte Ziele werden zuverlässig verfolgt, das Augentracking ist sensationell gut und nur bei statischen Szenen hatte ich das eine oder andere Problem auf den Bildteil zu fokussieren, der mir als Fotograf gerade wichtig war.
  • Das Bokeh des 35er und des 85er sind ansehlich und ausgewogen – beide Objektive kommen allerdings nicht an die Zeichnung eines Leica-Objektives heran. Gerade das Leica Summilux-m 50 mm trumpft hier auf und lässt die Muskeln spielen (fairerweise muss man auch sagen, dass das Leica-Objektiv ungefähr das 5-fache kostet).
  • Der Bildcharakter der Sony-Aufnahmen scheint etwas beliebig zu sein – was aber nicht schlecht ist. Schärfe, Bokeh und die technischen Möglichkeiten der Kamera (vor allem hinsichtlich des Autofokus) sind sicher herausragend und stellen die Speerspitze moderner Kameratechnik dar. Die 10 Jahre alte Leica kann hinsichtlich Dynamik nicht mithalten, trumpft aber beim Thema Schärfe und Bokeh mächtig auf. In Summe gefällt der Bildlook der Leica besser, als jener der Sony – zudem haben die Leica-Bilder einen gewissen Wiedererkennungswert.

Würde ich mir die Sony 7R IV kaufen? Die Antwort fällt leicht: Nein! Bevor ich zur Sony greifen würde, würde ich die vergleichbaren Leica-Produkte ansehen – vor allem die SL2 scheint hier deutlich näher an meiner Art zu fotografieren zu sein. Der Test hat mir wieder gezeigt, dass ich keine der technischen Spielereien vermisse. Autofokus wäre zwar manchmal nett, meistens komme ich aber ganz gut ohne aus. Und sollten meine Augen irgendwann zu schlecht für das manuelle Fokussieren durch den Messsucher werden, so steht mit der Leica Q eine adäquate Alternative zur Leica M bereit.

Und abschließend noch zwei schöne Reviews der Sony Alpha 7R IV:

Euer Alex

Goodbye Flickr, Welcome Instagram

Nachdem ich schon länger den Eindruck hatte, dass Flick tot ist, habe ich mich heute endgültig davon verabschiedet. Account gelöscht – aus und vorbei! Seit ungefähr zwei Wochen inspiziere ich nun Instagram etwas näher – naja. Viel Müll, aber auch echt ein paar richtig gute Dinge. Schade nur, dass sich Instagram als reine Social Media Plattform sieht und nur wenig Möglichkeiten für die Fotopräsentation vorsieht: Foto posten und Schluss! Mal sehen ob ich dabei bleibe…

Euer Alex

Fotografieren mit dem Huawei Mate 10 Pro – Teil 2

In den letzten Wochen habe ich relativ viel mit dem Huawei Mate 10 Pro und der entsprechenden Kamera probiert und meine Erfahrung gesammelt. Eine interessante Funktion ist, die Blende nachträglich zu verändert bzw. eine entsprechende Veränderung zu simulieren. Über den Menüpunkt „Große Blende“ lässt sich diese Funktion aktivieren. Nachdem das Foto gemacht wurde, zeigt ein Symbol am oberen Rand, dass die Aufnahme mit dieser Funktion generiert wurde – ein Klick darauf aktiviert einen Schieberegler mit dem sich dann die Blende bis zu 0.95 öffnen/simulieren lässt. Dieser Prozess basiert darauf, dass die Software das Objekt analysiere und mit der entsprechenden „Unschärfe“ ausstattet. Der Bildpunkt von dem die Schärfe in Richtung Unschärfe „gezogen“ wird, kann ebenfalls gewählt werden, sodass relativ viel Gestaltungsspielraum besteht. Ein (aus meiner Sicht) perfektes Beispiel zeig diese Aufnahme.

Unschärfe im Hintergrund durch App gesetzt.

Dass es sich aber um eine reine Bildbearbeitung handelt, kann man gut erkennen, wenn man auf die Details achtet. Die feinen Härchen am Kopf werden nicht sauber selektiert und die Unschärfe verläuft dort etwas „unselektiv“. Besonders markant wird dies, wenn man Bereiche im Bild vorliegen hat, welche eine ähnliche Textur wie der Hintergrund aufweisen. Gut zu erkennen ist dies im folgenden Bild.

Unschärfe im Hintergrund durch App gesetzt mit Problemen (siehe hinterer Arm).

Die vertikalen Streifen des Pullovers verlaufen in direkter Linie mit dem Fensterrahmen der örtlich weit dahinter liegt. Dies verwirrt die Software wohl so sehr, dass die Unschärfe auch auf dem Pullover verstärkt wird und dadurch ein etwas seltsamer Bildeindruck entsteht.

Prinzipiell ist dies also ein sehr schönes und nützliches Feature, welches aber mit großer Vorsicht einzusetzen ist.

LiK/Alex

 

Fotografieren mit dem Huawei Mate 10 Pro – Teil 1

Ja ich weiß…jetzt auch noch Smartphone-Fotografie! Nein, so ist dieser Beitrag nicht angedacht und ich will nicht mehr (oder weniger) als meine Erfahrungen zum Huawei Mate 10 Pro und dessen Anwendung in der Fotografie ein wenig teilen …und ich möchte auf keinen Fall eine Diskussion lostreten, ob DAS Smartphone nun prinzipiell zum Fotografieren taugt oder nicht. Daher kurz vorneweg mein Standpunkt dazu: Das Smartphone hat unser Leben und unsere Gesellschaft verändert, wie kaum ein Gerät davor (lässt es sich in diesem Zusammenhang mit dem Auto vergleichen?) und es ist inzwischen in einem Entwicklungsstadium angekommen, wo es tatsächlich für viele Dinge ganz wunderbar eingesetzt werden kann. Natürlich lassen sich damit auch Fotos machen – gute und zweifelsfrei ganz viel schlechte/uninteressante (wie das Internet und die zahlreichen Flickr-Streams belegen). Der Prozess der Entstehung eines Bildes (und damit meine ich den kreativen Prozess, den Moment des Auslösens und den Augenblick, in dem wir Licht auf den Film oder den Sensor lassen) ist aber vollkommen anders. Man „knips“ mehr als man fotografiert, man überlegt weniger und „fängt einfach ein“. Für viele Menschen kann dies genau der richtige Ansatz sein, für mich fehlt dabei ein großer Teil dessen, was mich an der Fotografie so fasziniert – der Blick durch den Sucher, die Wahl der richtigen Einstellungen und dann das Auslösen als magischer Moment. Klar, all dies lässt sich (in Teilen) auch mit einem Smartphone erleben, das ganz große Gefühl kommt dabei (zumindest bei mir) aber nicht rüber. Und Fotografie hat ganz viel mit Gefühl, Emotion und Ausdruck zu tun. Trotzdem gibt es Momente bei denen meine geliebte M zu Hause faul in der Tasche liegt, das Smartphone als treuer Begleiter in der Hosentasche steckt. Warum dieses Instrument also nicht auch für die Fotografie einsetzen? And here we are….!

Da der Wechsel auf ein neues Smartphone fällig war, hatte ich also die Qual der Wahl und entschied mich für das Huawei Mate 10 Pro – auch, aber nicht nur, wegen der Eigenschaften der eingebauten Kamera(s). Vor allem das Vorhandensein von zwei getrennten Bild-Chips, von denen einer ein reiner Monochrom-Chip ist, weckte bei mir Begeisterung. Leica hatte bei der Entwicklung des Kamera-Teils des Smartphone seine Finger mit im Spiel, also konnte man wohl eine gewisse Qualität erwarten. Einige wenige Recherchen im Internet zeigten mir dann, dass Huawei nicht alles falsch gemacht zu haben scheint und die Kameras wohl zu den besten am Markt gehört. Die Foto-App die von Leica mitgestaltet wurde und daher minimalistisch und übersichtlich ausfällt, begeisterte mich zudem von Anfang an. Die Entscheidung war also schnell gefällt. Ich will hier keine Screenshots der Kamera-App einstellen und auch keine Bilder vom Mate 10 Pro, diese findet ihr im Internet in großer Anzahl.

Nach kurzem „Einarbeiten“ ging es raus in den milden Winter. Einige kurze Spaziergänge durch die Weinberge oberhalb von Feldberg reichten aus, um die Kamera zu testen und zu sehen was sie leisten kann. Alle Bilder sind im „Pro-Modus“ entstanden, in dem die Kamera keine spezielle Bearbeitung der Bilder vornimmt. Die Verschlusszeit und eine Belichtungskorrektur lässt sich leicht vornehmen und so macht es durchaus Spaß etwas auszuprobieren.

Bekanntes Motiv aus früheren Sessions.

Der Stein in den Weinbergen.

Blick über Feldberg.

Details in den Weinbergen.

Der Blick hinauf.

Gemütliches Plätzchen oberhalb von Feldberg.

Extrem positiv ist mir die kurze Auslöseverzögerung der Kamera aufgefallen. Damit lässt sich sehr schnell und praktisch verzögerungsfrei auf Situationen reagieren. Die Kamera-App ist wunderbar und erlaubt es ohne lange Einarbeitungszeit mit der Kamera zu agieren. Die Farbbilder oben zeigen, dass eine sehr neutrale Zeichnung und Farbgebung vorherrscht – nichts wird überzeichnet oder unnötig verstärkt. Mit solchen Farben lässt es sich gut leben. Positiv fällt auch auf, dass die Detailwiedergabe schon unglaublich hoch ist – Huawei verrechnet ja den Output aus beiden Kamerachips zu einem Bild und kombiniert daher das Beste aus RGB- und Monochrom-Chip.

Natürlich war ich am meisten auf die Bilder bei Verwendung der Monochrom-Kamera gespannt. Und ich kann sagen, sie hält was ich mir erwartet hatte.

Blick über Feldberg.

Weg durch die Weinberge.

Das Kreuz am Himmel.

Wolkenspiel.

Weinreben.

Detail an der Weinrebe.

In Summe überzeugt mich die Bildqualität. Relativ vorsichtig muss man mit der Belichtung umgehen (vor allem bei Verwendung der Monochrom-Kamera), da eher über- als unterbelichtete Bilder entstehen (die beiden letzten Bilder zeigen dies recht deutlich). Die angenehme Funktion schnell eine Belichtungskorrektur anzubringen macht die Arbeit hier aber sehr einfach. Die Details bei der Monochrom-Kamera sind, wie erwartet, noch einmal deutlich höher als bei der RGB-Kamera. Der Kontrastumfang überzeugt aber, auch bei Gegenlicht.

Wir werden also sehen, wie oft ich das Smartphone als Kamera einsetze. Definitiv werde ich euch wohl auch mit Bilder aus dem Smartphone in Zukunft etwas „nerven“ – auf euer Urteil bin ich schon gespannt.

Alex

Wenn Männer zu Frauen werden – Die Oberwerth Bayreuth

Männer und Taschen!? Eigentlich nicht unbedingt eine Kombination, mit der man im normalen Leben oft konfrontiert ist. Eine kleine Ausnahme stellt wohl die Fotoszene dar. Fotografen und ihre Taschen (oder Rucksäcke) bilden wohl eine der größten Hasslieben der Geschichte. Durchsucht man das Netz, so kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass viele Fotografen eine Kamera nur deshalb besitzen, um eine Rechtfertigung zu haben, sich eine schicke Fototasche kaufen zu müssen. Stoff, synthetische Materialien oder ganz puristisch aus Leder!? Was darf es denn sein? Groß, klein, lang, hoch, breit – natürlich muss möglichst viel möglichst flexibel in das gute Ding passen. Und so finden sich ganze Lebensgeschichten von Menschen auf der Suche nach der perfekten Fototasche.

In meinem Fotoleben hatte ich bis jetzt 4 Taschen bzw. Rucksäcke, wovon ich 2 aktuell noch verwende. Begonnen habe ich mit einer Tamrac Fototasche, gefolgt von einem Lowepro Fotorucksack. Aktuell besitze ich einen Lowepro Foto Sport und eine Billingham Hadley Small. Diese zwei führen mich nun bereits seit Jahren sehr zufrieden durch meinen fotografischen Alltag. Aber trotzdem habe ich seit einem Jahr zunehmend das Bedürfnis, nur Kamera und Objektiv schnell mal über die Schulter zu werfen und loszuziehen. Es fehlte mir also noch eine kleine Tasche, welche so klein ist, dass ich sie auch auf Geschäftsreisen mitnehmen kann – unauffällig und natürlich hübsch. Auf der Photokina 2014 hatte ich ein langes Gespräch am Stand von Oberwerth und irgendwie bekam ich diese Firma nicht mehr aus meinem Kopf. Bereits damals hatte ich den ersten Prototypen einer sehr kleinen Fototasche in meinen Händen halten dürfen – wertig, schön, aber sehr teuer! Die Jahre zogen ins Land, mein Wunsch nach einer kleinen Fototasche wurde größer, ich studierte und verglich. Näher angesehen habe ich mir die ONA Bond Street und die DoTheBag Mono 15. Beide waren aber nicht ideal: die ONA etwas zu groß und der Verschluss unpraktisch, die Mono nicht nach meinem Geschmack geschnitten. Blieb also die Oberwerth!? Bei Foto Löffler in Freiburg sah ich mir einige Oberwerth Taschen an, studierte auf der Webseite die Maße und die Fertigung und hatte zudem auch Kontakt mit Jörg (Taschenfreak). Ich war überzeugt: Das ist meine Tasche! – und entschied mich für die Version aus Vollleder in Dunkelbraun. Nur leider … die Tasche wird/wurde in dieser Version nicht mehr hergestellt. Ich versuchte also noch ein lagerndes Exemplar irgendwo in der hintersten Ecke eines Shops zu finden und kontaktierte dazu zahlreiche Händler – vergebens! Ausverkauft! Meine letzte Hoffnung war der direkte Kontakt zu Oberwerth. Und siehe da, schnell und sehr kompetent bekam ich die Auskunft, dass die Tasche in Kürze wieder hergestellt wird! Also nichts wie rauf auf die Warteliste! Das Warten war zudem auch sehr kurz, denn nach nur 3 Wochen traf die kleine Oberwerth am Donnerstag ein.

Bereits beim Auspacken wird klar, welche unglaubliche Qualität hier geliefert wird. Die Tasche fühlt sich extrem wertig an, das Leder ist weich und trotzdem stabil und die Verarbeitung ein Traum. Alle Nähte sind sehr schön und sauber ausgeführt – Handfertigung mit viel Liebe zum Detail. Auf den ersten Blick war ich von der Farbe des Leders etwas überrascht – das Braun geht fast ein wenig ins Rötliche, sieht aber hübsch und sehr elegant aus.

Unglaublich gelungen finde ich den Gurt. Ausgestattet mit einem eingenähten Stahlseil vermindert er das schnelle Durchtrennen des Gurtes – ein sehr guter Schutz gegen Diebstahl. Das Schulterpolster ist rutschfest ausgeführt und liegt perfekt auf dem Körper an. Die Länge des Gurtes ist für mich (180 cm bei 70 kg) ausreichend, auch um die Tasche quer über den Oberkörper tragen zu können.

Die Größe der Tasche ist für die Leica M ideal – Kamera und angesetztes 50er Lux passen locker in die Tasche. Der freie Raum kann sogar für ein weiteres Objektiv genutzt werden (vielleicht etwas knapp) oder für zusätzliche Dinge. An den inneren Rändern sind zwei Taschen vernäht. In die größere (im Bild an der oberen Kante zu erkennen) passt der Akku der M, in die kleinere passt eine Speicherkarte. Die Taschen sind zwar nett, werden von mir aber nicht wirklich benutzt werden – lieber nutze ich den freien Raum vor der Kamera.

Ein schönes Detail ist, dass die Laschen an der Oberseite der Tasche durch entsprechende Klettverschlüsse nach innen fixiert werden können. Diese Details zeigen mir, dass dies eine Tasche ist, welche bis ins letzte überlegt ist.

Und wie trägt sich die Kleine? Hervorragend! Sowohl über der Schulter, als auch quer über den Oberkörper verteilt sie das Gewicht perfekt. Der Verschluss der Tasche ist genial, lässt sich schnell und nahezu lautlos öffnen und schließen. Die Kamera lässt sich schnell und sehr angenehm aus der Tasche nehmen und auch wieder verstauen.

Noch ist es sicher zu früh, um ein Gesamturteil zu fällen, ich kann aber bereits jetzt sagen, dass die kleine Oberwerth Bayreuth einfach nur Spaß macht. Wer eine kleine und sehr gut verarbeitete Tasche für seine Leica M sucht, sollte sich diese Tasche näher ansehen. Auch lohnt sich ein Blick auf die anderen Tasche der Firma Oberwerth.

Update [07.06.2017]:

Oberwerth hat den Artiekl gerade auch bei Facebook veröffentlicht. Danke!

Euer Alex

Interview auf Fotopresso

Im Dezember wurde ich von Marcel von Fotopresso kontaktiert, ob ich mich für ein kleines Interview zur Verfügung stellen würde. Da ich Fotopresso schon seit einiger Zeit verfolge und auch sehr schätze (bitte schaut selber mal vorbei), sagte ich natürlich zu. Das Ergebnis könnt ihr euch nun selber ansehen und durchlesen – ich hoffe euch gefällt es. Einfach das Bild anklicken, dann kommt ihr direkt zum Interview.

Jahresrückblick 2015

Wie in den letzten drei Jahren, möchte ich auch heuer einen kleinen Blick zurück wagen und ein Resümee zum abgelaufenen Jahr ziehen. Ich möchten den Rückblick wie immer in 3 Teile gliedern:

  • Technisches
  • Künstlerisches
  • Persönliches

Technisches: Irgendwie bin ich nicht so recht sicher, ob es ein spannendes oder einfach nur ein langweiliges Jahr aus Sicht der Kameratechnik war. Ohne jeden Zweifel hat Leica gut zugeschlagen und mit der Q und der SL zwei extrem spannende Produkte auf den Markt gebracht. Und auch die Bestätigung, dass die M eben immer eine „reduzierte“ Kamera bleiben soll, beruhigte mich. Und so steht Leica derzeit am Markt ganz gut da und hat sich weiter konsolidiert – um das Unternehmen muss man sich derzeit wohl keine Sorgen machen. Und sonst? Hmmmm….tote Hose, oder? Nikon und Canon haben immer noch kein vernünftiges Spiegelloses-System am Markt positionieren können (und darin liegt wohl ohne jeden Zweifel die Zukunft der Kameratechnik). Durch die Bank haben fast alle Hersteller Probleme ihre Produkte in den geplanten Stückzahlen zu verkaufen. Und so bleibt der Kameramarkt auch 2015 ein Segment, in dem sich derzeit recht wenig wirklich spannendes tut und jeder wartet, dass es jetzt endlich mal los geht – was auch immer!

Künstlerisches: Welche Fotos, Ausstellungen und Präsentationen haben mich dieses Jahr am meisten beeindruckt? Leider kam ich auch 2015 in nur zu sehr wenige Ausstellungen. Und trotzdem habe ich, vor allem über Zeitschriften, ein paar richtig spannende Arbeiten entdecken dürfen. An erster Stelle steht für mich Alisa Resnik. Diese junge russische Fotografin begeistert mich einfach nur unglaublich. Ihre Bilder haben eine ganz eigene Stimmung und erinnern mich fast ein wenig an David Lynch Filme. Unglaublich intensiv und für mich persönlich DIE Entdeckung des Jahres 2015. Und dann ist da noch Guillaume Martial. Dieser Kerl hat einfach nur einen verdammt guten Humor! Ich habe noch nie bei Fotos so gelacht und mich dermaßen amüsiert. Und dann ist da noch ein kommendes Schwergewicht: Viviane Sassen. In Europa ist die Niederländerin noch kaum bekannt; in den USA wird sie bereits gefeiert. Für mich schon jetzt eine der ganz großen Fotografinnen der kommenden Jahre. Ihre Bilder fesselten mich vom ersten Moment weg – intensiv und eindringlich und auch sehr geheimnisvoll. Und natürlich habe ich auch mein Lieblingsprojekt weiter verfolgt: “Stella Polaris Ulloriarsuaq – The Shining Memory Of Mother Earth“. Schön zu sehen, dass es inzwischen ein Buch (und bald wohl auch einen Film) zu diesem Projekt gibt. Definitiv zwei Produkte, die 2016 auf meinem Wunschzettel stehen werden.

Persönliches: Wie jedes Jahr frage ich mich auch heuer wieder, was man so übers Jahr getrieben hat, wohin man sich bewegt hat und, ob man nicht gar rückwärts gegangen ist. Die Leica M fühlt sich inzwischen so selbstverständlich an, als hätte ich nie anders fotografiert. Deutlich herausgestellt hat sich für mich, meine Liebe zu Projekten. Ein großer Schritt in dieser Richtung war ja die Umgestaltung meiner Webseite und der damit einhergehenden Konzentration auf Projektarbeiten. Für mich fühlt es sich derzeit extrem gut und richtig an, Einzelbilder nur noch im Blog zu zeigen und diese oft nur in einem größeren und umfangreichen Kontext zu betrachten. Und genau in diese Richtung ging dann auch mein größtes fotografisches Ereignis dieses Jahres: die Veröffentlichung meines ersten Buches: Restsingularität. Es fühlt sich gut an, dieses Projekt endlich zu Ende gebracht zu haben (nach ungefähr 10 Jahren Grübeln!) – man kann ein Kapitel schließen und an das nächste Projekt denken. Und wie geht es weiter? Mehr Projekte, nicht unbedingt mehr Bilder, aber definitiv mehr Konzentration auf die Art der Fotografie die mir soviel Spaß macht: Experimente, Experimente, Experimente, …

Mein wichtigstes Bild im Jahr 2015? Kein spezifisches, aber definitiv die Serie „A Dash of Sadness“. Etwas düster für meine derzeitig gute Stimmung, aber diese Polarität gehört zum Leben ja auch irgendwie dazu.

Zum Abschluss möchte ich hier aber ein paar Bilder zeigen, die während der Designphase meines Buches Restsingularität entstanden sind – die Bilder eines Fotobandes in die richtige Reihenfolge zu bringen ist nicht so leicht (zumindest für mich) – die Aufnahmen zeigen meinen Versuch einer Reihung. Wer das Buch vor sich liegen hat (allen die es gekauft haben noch mal ein herzliches Dankeschön!), können nun (ausschnittsweise) nachvollziehen, wie sich die Anordnung im Buch ergeben hat.

0504030201 Also dann… auf ein gutes Jahr 2016!

Jahresrückblicke der letzten Jahre:

Euer LiK/Alex