Kategorie-Archiv: Technisches

Kameratasche, Kameragurt und Really Right Stuff Bodenplatte

Nach einem Systemwechsel, wie ich ihn vor Kurzem vollführt habe, fragt man sich, ob das Transportmittel für die Kamera noch passend und ausreichend ist. Bei mir war es weniger die Notwendigkeit nach mehr Platz, sondern eher die Reduktion auf ein kleines Packmaß. Früher trug ich meine Kamera und die Objektive mit einem Lowepro-Rucksack durch die Gegend, was auch wunderbar funktioniert hat. Eine Leica M ist nun aber sehr klein und passt wunderbar in eine Umhängetasche. Ich machte mich also auf die Suche nach einer geeigneten Lösung. Konkret angesehen habe ich mir Lösungen von Billingham, Crumpler, Dörr, Domke, Kata, König, Kultbag/Mono, Lowepro, und Thinktank. Eine jede Menge also. In die konkrete Auswahl kamen dann folgende drei Produkte:

  • Billingham Hadley Small,
  • Domke F-5XB,
  • Thinktank Retrospective 5.

Jede dieser Taschen ist wunderbar und bietet für sich eine gute Lösung. Ich habe mich am Ende für die Billingham Hadley Small entschieden. Die Gründe dafür sind die perfekte Verarbeitung, die sehr steifen und festen Einsätze im Inneren der Tasche, der ausgezeichnete Schultergurt, die Schlichtheit des Aussehens und die Stabilität des Materials. Die Domke F-5XB machte auch einen sehr guten Eindruck, der etwas plumpe Schriftzug störte mich aber extrem. Die Thinktank Retrospective 5 war mir am Ende zu kompliziert konzipiert (zu viele Taschen, Fächer, etc.). Zudem birgt der Reißverschluss im Inneren der Tasche das Risiko, sich die Kamera zu zerkratzen.

Kurz ein paar Worte/Erfahrungen zur Billingham Hadley Small. Die Verarbeitung der Tasche ist ein Traum! Alle Nähte, Verschlüsse, etc. sind perfekt verarbeitet – sie wirkt extrem „wertig“. Das Material (ich habe mich für das klassische Canvas entschieden) wirkt robust und bei Weitem nicht so steif, wie ich es mir von Bildern erwartet habe – die Tasche schmiegt sich gut an den Körper an. Im Gegensatz zum neuen Material FibreNyte habe ich mich für Canvas entschieden, da es etwas weniger anfällig für elektrostatische Aufladung ist und daher den Dreck (speziell Staubfusel) nicht so stark anzieht. Zudem soll Canvas etwas robuster sein, was den Abrieb angeht. Farblich habe ich mich für das Schwarz mit braunen Lederrändern entschieden – einfach und schlicht wie eine Leica M. Das Innere der Tasche ist mit einem grünen Einsatz ausgelegt, welcher sich einfach entfernen bzw. herausnehmen lässt. Wie bereits angedeutet, ist der Einsatz fest und ausreichend steif, um die Kamera sicher zu halten und die Abtrennungen mit der notwendigen Festigkeit auszustatten. Sehr witzig ist der Verschluss der Tasche – die Laschen lassen sich durch Ösen leicht und schnell öffnen. Inzwischen hatte ich die Tasche bei unterschiedlichen Wetterbedingungen im Einsatz. Sowohl Regen, als auch Staub machen der Tasche nichts aus – der Inhalt bleibt trocken, sauber und geschützt. Auf Basis dieses Taschenmodells lässt sich Leica eine eigene, minimal kleinere Version fertigen (siehe Link), welche die Fronttasche durch einen Reißverschluss ergänzt. Zudem bietet die Leica-Version eine zusätzliche Bodenplatte, um den Inhalt besser zu schützen. Beide Features waren für mich nicht ausschlaggebend – daher habe ich mich für das Original entschieden. Für eine Billingham muss man aber bereit sein, etwas Geld auszugeben – mit 170.-€ ist die Tasche sicher kein Schnäppchen.

IMG_2490IMG_2480Neben der Tasche habe ich mich auch für den Kauf eines Kameragurts entschieden – der Originalgurt von Leica war mir etwas zu lieblos. Nach langer Recherche bin ich auf Luigi Crescenzi gestoßen, einen Römer, der seit Jahren Accessoires für die Leica M fertigt. Seine Webseite ist ein Erlebnis (nicht unbedingt im positiven Sinn), die Produkte genießen aber Kultstatus in der Leica-Gemeinde und gelten als perfekt verarbeitet. Nach einem kurzen Kontakt mit Luigi und seiner Tochter habe ich mich für einen Gurt entschieden und bestellt – innerhalb einer Woche wurde das Teil für mich gefertigt und verschickt. Ein Gurt aus der Hand von Luigi schlägt mit 60 bis 80.-€ zu buche, was für ein handgefertigtes Einzelstück durchaus in Ordnung ist.

IMG_2484Abschließend möchte ich noch ein paar Worte zur M-Bodenplatte von Really Right Stuff (RRS) sagen, welche ich seit ein paar Tagen besitze. Die Bodenplatte ersetzt die originale Leica-Bodenplatte und bietet den notwendigen Anschluss für das Arca-Swiss-System. Das Bild zeigt die originale Bodenplatte und die RRS-Bodenplatte. Man sieht, dass die RRS-Bodenplatte über das Stativgewinde befestigt wird, und nicht über den Verschluss bzw. das Gewinde der Leica Bodenplatte.

IMG_2491Die RRS-Bodenplatte ist gut verarbeitet (auch wenn das Leica-Niveau nicht ganz erreicht wird). Etwas schade finde ich, dass auf der Seite nur eine Aussparung für die Befestigung an der Leica M vorgenommen wurde und keine echte Öse (siehe Bild unten) – dies kann und wird bei langfristigem Gebrauch sicher dazu führen, dass die Belederung der M an dieser Kante abgeschrubbt bzw. beschädigt wird.

IMG_2495Ich werde die Bodenplatte daher nur ansetzen, wenn ich wirklich eine komplette Session mit dem Stativ mache oder den ganzen Tag unterwegs bin. Für mich stellt die Bodenplatte trotzdem eine Kaufempfehlung dar, da es derzeit nichts Vergleichbares mit der gleichen Stabilität und Verarbeitungsqualität gibt.

IMG_2497Soweit also der kleine Exkurs in die nützlichen Accessoires für die Leica M. Demnächst dann wieder mehr Bilder und weniger Technisches.

LiK

Jahresrückblick 2013

Am Ende des Jahres sollte man schon mal zurückblicken und ein Resümee zum abgelaufenen Jahr ziehen. Das letzte Jahr habe ich dies in Form eines Beitrages über die 3 Topthemen 2012 gemacht, heuer möchte ich etwas ausführlicher berichten und resümieren. Ich möchten den Rückblick in 3 Teile gliedern:

  • Technisches
  • Künstlerisches
  • Persönliches

Technisches: Beginnen wir also mit den technischen Errungenschaften des Jahres 2013 (und damit meine ich nicht die Landung der Chinesen auf dem Mond!). Aus fototechnischer Sicht fand ich das Jahr 2013 seit langem wieder spannend – „tümpelten“ die großen Firmen in den letzten Jahren eher vor sich hin, gab es heuer ein wahres Feuerwerk. Herausstreichen muss man sicher Sony, die derzeit die Strategie verfolgen, einfach alles, was den Ingenieuren einfällt, auf den Markt zu bringen – egal, ob es am Markt funktioniert oder nicht. Was hat man sich in den japanischen Labors dabei gedacht, eine Kamera in Form eines Objektives zu entwickeln, die für die Bedienung ein Smartphone benötigt? Für mich eine Fehlentwicklung ohne Chance, am Markt zu bestehen. Schon etwas besser hat man es bei der A7(r) gemacht – ein kompaktes spiegelloses System mit Vollformat-Sensor. Die A7(r) ist derzeit eine sehr reg diskutierte Kamera im Netz. Ich finde sie spannend, aber noch nicht restlos gelungen. Ich prophezeie daher schon mal einen Nachfolger für 2014. Und dann natürlich Nikon mit der DF. Persönlich finde ich die Kamera vom Konzept ziemlich misslungen. Trotzdem scheint sie bereits eine große Fangemeinde zu haben. Für mich ist das Konzept bei der DF nicht zu Ende gedacht worden – man ermöglicht das Anschließen alter Objektive an ein modernes Spiegelreflexsystem, baut aber keinen Schnittbildsucher ein; man ordnet sehr viele Steuerelemente in Form von Knöpfen und Reglern am Gehäuse an, führt diese Funktionen aber auch im Displaymenü an (doppelte Bedienelemente?!). Für mich alles sehr inkonsequent und inkonsistent. Nicht vergessen dürfen wir Canon: die haben nämlich überhaupt nichts Spannendes auf den Markt gebracht – Schockstarre so zu sagen. Erwähnenswert auch noch, dass Leica den Schweizer Mittelformatspezialisten Sinar übernommen hat und wenig später verkündet hat, dass es nun möglich ist, das S-System an das Mittelformatsystem von Sinar anzudocken. Sicher ein Nischenprodukt, aber durchaus spannend. Abgesehen von diesen Dingen gab es natürlich noch 1.000 andere Entwicklungen und Produkte, die uns beschäftigt haben.

Künstlerisches: Welche Fotos, Ausstellungen und Präsentationen haben mich dieses Jahr am meisten beeindruckt? Die Michel Comte Ausstellung im Kunsthaus Wien hat mich sehr beeindruckt, da sie mir einen Comte abseits von der Glitzerwelt zeigte – Fotos von Flüchtlingen, wunderbare Portraits und beeindruckende Schwarz-Weiß-Aufnahmen. Für mich eines der Highlight des Jahres. Wie immer bewegen mich auch heuer wieder die Bilder des World Press Award – teilweise schockierend. Extrem gelungen finde ich die Zusammenstellung der „Zeit“ der Bilder 2013 – ein Video, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Auch spannend war und ist der Oskar Barnack Award – klassische Reportagefotografie auf höchstem Niveau. Bei all den Ausstellungen und Bildern, die man über ein Jahr betrachtet, sucht man am Ende ein Projekt, das einem besonders in Erinnerung geblieben ist. Für mich ist dies definitiv „Stella Polaris Ulloriarsuaq – The Shining Memory Of Mother Earth“. Ein unglaubliches Projekt mit unglaublichen Bildern. Ansehen ist Pflicht! Beschäftigen musste man sich dieses Jahr auch mit dem Buchprojekt von Sebastiao Salgado: Genesis. Ein Projekt, das die schönen und unberührten Plätze dieser Welt aufsucht und dokumentiert. Wunderbare Schwarz-Weiß-Bilder, manchmal ein wenig zu sehr an der Grenze zum Kitsch – trotzdem mehr als sehenswert.

Persönliches: Nun fragt man sich natürlich, was man persönlich im abgelaufenen Jahr fotografisch umsetzen konnte. Für mich stand das Jahr ganz klar unter dem Motto: Wechsel. Ich musste und muss mich noch an meine neue Umgebung in Freiburg gewöhnen und habe im Herbst nach vielen Jahren auf Leica gewechselt. Ich befinde mich also noch sehr stark im „Kennenlernprozess“. Der Umgang mit der Kamera, die Umstellung auf Festbrennweiten und das Messsucherprinzip muss erprobt und aufgesaugt werden. Neue Fotomotive und Locations müssen gesucht und gefunden werden. Gleichzeitig stellte ich fest, wie viel Spaß mir das Fotografieren in der Natur macht (Landschaft, Street, etc.). Noch vor zwei Jahren konnte ich mich nur im Studio richtig austoben. Bedeutet dies der Abschied vom Studio? Ich denke, dass ich 2014 nicht ins Studio zurückkehren werde, aber ich möchte wieder das eine oder andere Portrait und Projekt mit Models machen – Freiburg bietet dazu ausgezeichnete Möglichkeiten.

Mein wichtigstes Bild im Jahr 2013? Sicher das unten dargestellte Foto. Aufgenommen wurde das Foto in Paris im Centre Pompidou. Das Bild erinnert mich immer an die wunderbaren Tage in Paris, die Stimmung im Museum und ein klein wenig an die Hektik, die mich damals umgab.

IMG_2293.geaendertSoweit also meine persönliche Sicht auf das Jahr 2013. Ich denke es war ein gutes Jahr – Veränderung zwingt einen, seine Komfortzone zu verlassen, und dies induziert wieder neue Inspiration und erzeugt neue Ideen. Somit können wir auf ein spannendes Jahr 2014 hoffen.

Euer LiK

Welcome home, Baby!

Wetzlar ist das Mekka der Leica-Fotografen. Hier will jeder Leica-Jünger in seinem Leben mal gewesen sein. Eine Stadt, die in der Geschichte der Fotografie eine so bedeutende Rolle spielt. Jedes Jahr organisiert die Leica Akademie die Erlebnistage in Wetzlar. Wie auch letztes Jahr sind wir daher Mitte November in dieses kleine Städtchen – ca. eine Stunde von Frankfurt a. M. entfernt – gefahren. Am Tag vor der Veranstaltung gab es aber einen ganz besonderen Leckerbissen, der auf unserer Tour stand: eine Werkstour bei Leica Camera in Solms. Ok, jetzt muss ich wohl etwas ausholen. Leica Camera ist bereits seit 1986 nicht mehr in Wetzlar beheimatet, sondern im etwa 10 km entfernten Solms. Ein winziges Städtchen, wo wohl niemand eine der besten Optikwerkstätten der Welt vermuten würde. Nun gut, dies wird sich in Kürze auch wieder ändern, denn Leica zieht um! Mitte 2014 zieht die gesamte Manufaktur in den neuen Leitz Park nach Wetzlar und kehrt somit an ihre alte Wirkungsstätte zurück. Der Umzug ist notwendig, da die derzeitige Leica Fabrik aus allen Nähten platzt. Ursprünglich war das Gebäude für 300 Personen vorgesehen, jetzt arbeiten dort über 600. Das derzeitige Leica Werk ist übrigens eine alte Möbelfabrik – interessantes Detail am Rande. Die Werksführung begleitete uns durch die gesamte Prozesskette der Objektiv- und Kameraentwicklung. Angefangen von der Linsenschleifung, über die Linsenanordnung, bis bin zum Objektivbau. Bei den Kameras sahen wir die Elektronikentwicklung, den Zusammenbau der M und M-E und das Testfeld für die Kalibrationsarbeiten. Einen kurzen Einblick gab es auch in die Forschungsabteilung – ganz schnell weitergehen und bitte nicht schauen! Beeindruckend war für mich vor allem, wie viele der Schritte noch echte Handarbeit sind. Das Bemalen der Ränder der Linsen, das Zusammensetzen der Objektive, die Montage der Kameras – alles Handarbeit. Wer übrigens wissen will, wie viele M (Typ 240) derzeit pro Tag gebaut werden: es sind um die 60 Stück! Das erklärt wohl die lange Lieferzeit von selbst. Fotografieren und Filmen war übrigens verboten – habe aber volles Verständnis dafür. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Kaufmann kam auch gerade bei der Eingangstür vorbei, als wir in der Vorhalle (was eher als Vorraum zu bezeichnen ist) standen und so zeigte sich wieder mal, dass Leica eben eine schöne kleine Familie ist. Das nächste Jahr soll die Werksführung dann bereits im neuen Werk möglich sein – wir sind gespannt!

Ein kleines Video von der Objektivproduktion bei Leica:

Am Samstag und Sonntag ging es dann zu den Erlebnistagen. Das Programm war heuer noch attraktiver und spannender. Die Vorträge zogen sich von der Fotoreportage bis hin zur Landschaftsfotografie. Keine theoretische Themen, sondern Berichte von aktuellen Projekten. Besonders spannend und beeindruckend war für mich das Projekt Stella Polaris (einfach mal den Link besuchen und ihr werden von einem der interessantesten Foto-/Videoprojekte der letzten Jahre erfahren). Wie bereits letztes Jahr gab es auch heuer eine kleine Firmenausstellung, wo man von Stativen über Kameras so ziemlich alles bestaunen durfte. Für mich sind die Erlebnistage eine willkommene Abwechselung und die Möglichkeit, sich zwei Tage intensiv mit Projekten anderer Fotografen auseinanderzusetzen. Das nächste Jahr geht es mit Sicherheit wieder nach Wetzlar!

Euer LiK

Überarbeitung des Weblog-Design

Dem einen oder anderen ist es in den letzten Tagen sicher schon aufgefallen – es gibt ein leicht überarbeitetes Design des Weblogs. Ich habe mich nun dazu entschlossen, den Seitenbereich rechts wegzunehmen, um mehr Breite zu erhalten und die Bilder größer darstellen zu können. Das bedeutete, dass ich den Kalender und das Flickr-Plugin entfernen musste. Des Weiteren habe ich eine neue Menüstruktur eingeführt. Dort findet sich jetzt auch die Möglichkeit sich an- und abzumelden und ein Link um direkt den Flickr-Photostream ansehen zu können. In Summe wirkt die ganze Darstellung jetzt etwas leichter und luftiger. Ich hoffe Euch gefällt es.

Euer LiK

Erfahrungsbericht zur Leica M (Typ 240) – Teil 2: Erste Erfahrungen

Nachdem ich nun seit gut 2 Wochen die Leica M mein Eigen nennen darf, will ich nun etwas konkreter meine ersten Erfahrungen schildern. Seht dies als rein subjektiven Bericht, der kein echter Test sein will/kann.

Ich möchte hier der Reihe nach auf folgende Dinge eingehen:

  • Bedienelemente und Fertigungsqualität
  • Bildqualität unter realen Bedingungen
  • Neue Firmware und die Folgen
  • Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Fertigungsqualität und Bedienelemente

Zur Fertigungsqualität habe ich mich ja bereits mehrmals positiv geäußert. Dies bleibt auch nach den 2 Wochen so. Ich sehe hier keinen einzigen Punkt, bei dem Leica nachbessern müsste. Es ist ein Genuss, am Belichtungsrad zu drehen, der Fokus am Objektiv lässt sich butterweich bewegen und die Blenden rasten satt sein. Man spürt schon beim Anheben der Kamera, dass es sich um eine sehr stabile Konstruktion handeln muss. Mit 680 Gramm ist sie zwar schwer, aber doch deutlich leichter als die meisten vergleichbaren Spiegelreflexkameras. Eine Nikon D800 mit 50 mm Objektiv (AF-S 1.4) wiegt 1.300 Gramm, die Leica M mit angesetzten 50 mm (1.4 ASPH) 1.015 Gramm. Auffällig auch die Baugröße der Kamera – kleiner bekommt man eine Vollformatkamera wohl nicht mehr hin. Hier hat Leica wahre Ingenieurkunst bewiesen.

Kommen wir zu den Bedienelementen. Hier hat Leica einiges anders bzw. besser gemacht im Vergleich zur M9. Zum einen sitzt ein 3“ Display auf der Rückseite der Kamera, zum anderen fallen die Bedienknöpfe deutlich größer aus, was auch die Handhabung etwas leichter macht. Nicht ganz glücklich bin ich mit der Tastenkombination, die für die Belichtungskorrektur notwendig ist (man muss den Knopf auf der Vorderseite der Kamera gedrückt halten, während man auf der Rückseite am Einstellrad dreht). Das neue „joystickartige“ Bedienelement auf der Rückseite finde ich persönlich sehr gelungen. Die Bedienung einer Kamera ist aber immer eine sehr persönliche Sache – am besten einfach mal selber ausprobieren und etwas rumspielen.

Bildqualität unter realen Bedingungen

Kommen wir also zum Wesentlichen: der Bildqualität. Bisher habe ich mit der M knapp 400 Bilder gemacht. Leider war das Wetter in den ersten Wochen nicht allzu gut – das Potential der Kamera lässt sich aber trotzdem schon mal recht gut abschätzen. Die Bilder entstanden in unmittelbarer Umgebung von Freiburg. Die Bilder sind noch alle mit der alten Firmware (1.1.0.2) entstanden – ein Vergleiche der alten und neuen Firmware und deren Resultate findet ihr am Ende dieses Beitrages.

Die erste Serie, die ich euch zeigen möchte, entstand bei einer kleinen Tour auf den Schauinsland (alle Bilder mit dem Summicron-M 35 mm ASPH). ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Konvertierung des zweiten Bildes in Schwarz-Weiß wurde mit Darktable vorgenommen.

L1000096_1L1000156_1L1000129Das folgende Bild wurde mit dem Summilux-M 50 mm ASPH gemacht. Schärfe und Detailwiedergabe sind schon ziemlich beeindruckend (auch wenn es hier im Blog durch die geringe Auflösung nicht ganz rüber kommt).

L1000196Und dann noch ein paar Bilder von einer nächtlichen Tour durch Freiburg. Alle Bilder wurden mit dem Summilux-M 50 mm ASPH geschossen (ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Bilder wurden nicht bearbeitet – der Beschnitt wurde teilweise angepasst.

L1000052Das erste Bild der Serie finde ich ziemlich beeindruckend. Sogar die Struktur der Kirche (das Freiburger Münster), das im unbeleuchteten Teil des Bildes liegt, ist leicht zu erkennen. Im Original kann ich sogar noch die Backsteine erkennen und Inschriften entziffern. Die M geht mit solchen Low-Light-Situationen sehr gut um, unter- oder überzeichnet keine Teile extrem, die Belichtung wirkt in ihrer Gesamtheit sehr ausgewogen. Auffällig ist, dass der obere Teil der Leuchte etwas überstrahlt – dieses Phänomen muss ich in Zukunft genauer beobachten.

L1000061Das zweite Bild beweist die Eignung der Kamera für Low-Light. Das Bild zeigt die Brauerei Feierling in Freiburg. Man sollte seinen Blick auf die Wandstruktur in der Mitte der beiden Fenster richten – der Putz wird dort mit seiner ganzen Feinheit perfekt abgebildet. Die Pflastersteine im Vordergrund überstrahlen nicht durch das relativ starke Licht, das nach außen fällt. Die Lichtsituation wird ausgeglichen und von der Farbtemperatur her perfekt. Der automatische Weißabgleich hat somit perfekt funktioniert – auch wenn es hier nicht allzu schwer war.

Folgende zwei Bilder wurden durch ein Schaufenster gemacht (Format wurde in Darktable angepasst, sonst wurde keine Bearbeitung vorgenommen).

L1000064L1000066Wieder zeigt sich bei beiden Bildern die Fähigkeit, sehr ausgewogen dunkle und helle Bereiche abzubilden. Die Lichtsituation kann nicht unbedingt als schwierig beschrieben werden – bei ähnlichen Situationen habe ich aber schon Kameras erlebt, die dann völlig über- oder unterbelichtet haben, sich von der hellen Schaufensterbeleuchtung täuschen haben lassen. Für mich immer wieder beeindruckend, wie perfekt die Schärfe dort sitzt, wo sie hin soll (im ersten Bild auf der Brille in der Mitte).

Die neue Firmware und die Folgen

Bei Auslieferung der M war klar, dass die interne Software wohl noch nicht ganz ideal und fehlerfrei war. Vor allem der automatische Weißabgleich lag bei Mischlicht gerne mal etwas daneben, Hauttöne wurden schon mal zu rötlich dargestellt und die Farbwiedergabe passte nicht immer 100%. Am 8. Oktober (als ich noch mitten im Verfassen dieses Beitrages war) veröffentlichte Leica eine neue Firmware (2.0.0.11). In diversen Foren wurde mit Begeisterung aufgenommen, was Leica nun aus der M zaubert – endlich scheinen die Farbwiedergabe und der Weißabgleich zufriedenstellend zu funktionieren und einer solchen Kamera gerecht zu werden. Um dies auch prüfen zu können, habe ich vor dem Update auf die neue Firmware ein paar kritische Aufnahmen gemacht, anschließend das Update aufgespielt und dann die selben Aufnahmen wiederholt. Die Aufnahmen liegen also zeitlich max. 10 Minuten auseinander und sind so wohl recht gut vergleichbar. Ein Beispiel möchte ich euch hier zeigen – das erste Bild schildert die Aufnahme mit der alten Firmware, die zweite Aufnahme mit der neuen Firmware.

L1000310L1000312 Was auffällt ist, dass die zweite Aufnahme etwas heller ausfällt und die Farben etwas realistischer sind (kann man rein aus den Bildern nicht bewerten, ich weiß aber recht genau, wie das Ding in Wirklichkeit aussieht!). Die erste Aufnahme hat eine leichte Tendenz ins Blaue, wobei die zweite Aufnahme etwas neutraler wirkt.

Die anderen Aufnahmen (die ich hier nicht zeigen werde) zeigen:

  • Hauttöne werden realistischer dargestellt
  • keine Probleme mehr mit Rot- oder Grüntönen
  • Mischlicht wird besser abgebildet (kein Hang mehr zum Blauen hin)

Eine Zusammenfassung, was Leica alles nachgebessert hat, findet sich hier.

Und hier noch ein paar ganz allgemeine Aufnahmen, die ich mit der neuen Firmware gemacht habe.

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Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Dinge, die in Foren kritisch angemerkt wurden, die sich für mich aber relativieren:

  • „Kamera benötigt 2-3 Sekunden, bis sie nach dem Einschalten einsatzbereit ist.“ Da dieses Problem von langsamen Speicherkarten ausgelöst wird, habe ich mir (auf Hinweis in diversen Foren) eine sehr schnelle SD-Karte zugelegt (SanDisk Extreme Pro SDXC 64GB Class 10). Damit fällt die Einschaltzeit nicht länger als bei der Canon 1Ds aus. Für mich also kein Problem.
  • „Die Bodenplatte muss abgenommen werden, um die Batterie zu wechseln“. Da die Batterieleistung der M nun dermaßen gut ist, finde ich die Lösung mit der Bodenplatte eigentlich recht gut. Sie gibt der Kamera sehr viel mehr Stabilität. Für mich also eher ein positiver als ein negativer Punkt der Kamera.

Was ich kritisch anmerken möchte (und was auch schon andere in Foren getan haben):

  • Das Anbringen einer Belichtungskorrektur ist mir durch das Drücken der Fronttaste und Drehen des Einstellrades zu „fummelig“. Schön wäre, wenn man dies je nach Bedarf und Bedürfnis des jeweiligen Fotografen ändern könnte.
  • Keine frei belegbaren Tasten vorhanden. Leica könnte die Info-Taste frei belegbar machen. Dies würde die Kamerabedienung noch etwas flexibler machen.

Ich hoffe, dass diese Punkte durch Firmware-Updates in den nächsten Monaten nachgebessert werden. Aber schon jetzt ist die Leica M (auch durch das letzte Firmware-Update) eine (fast) perfekte Kamera.

Somit bin ich am Ende meines Erfahrungsberichtes. Ich werde nun zur Normalität der Fotografie übergehen und in Zukunft wieder das Fotoprojekt und weniger die Kamera in den Mittelpunkt rücken. Von Zeit zu Zeit nehme ich mir aber die Freiheit heraus, über spezielle Aspekte der M zu berichten (spätestens zum nächsten großen Firmware-Update).

Bis dahin allen eine gute Zeit,

LiK

Die alte Dame

Das letzte Shooting des Jahres 2012 fand über die Weihnachtsfeiertage statt – das Beste kommt zum Schluss! Eine wahrlich alte Dame posierte feierlich vor meiner Linse. Nicht jeder lässt sich mit über 70 Jahren noch fotografieren – unsere alte Schreibmaschine aber schon. Big Mama bestückt mit einem 50 mm Objektiv erlaubte mir, mit normalem Tageslicht (seitlich einfallend) ein paar Aufnahmen dieser alten Dame zu schießen. Die Aufarbeitung vollführte ich, wie für ein Geschöpf dieses Alters würdig, in Schwarz-Weiß. Der Kontrast wurde absichtlich bis ans Limit des Erträglichen hochgezogen und das Grau zu einem „tiefen Schwarz“ umgesetzt. Heraus kamen Aufnahmen, die mich ein wenig an die alten Filme der 30er und 40er Jahre erinnern – besonders das letzte Bild (durch eine leichte Unschärfe fast ein wenig unvollkommen) hat es mir angetan.

LiK

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Top-Themen des Jahres 2012

In den letzten Wochen des Jahres frage vermutlich nicht nur ich mich, was denn die herausragenden Themen/Geschichten/Ereignisse des Jahres waren. Ich möchte hier keinen allgemeinen Jahresrückblick zum Besten geben, sondern die 3 Themen herauspicken, die für mich im Bereich der Fotografie im Jahre 2012 entscheidend waren. Dies können neue Produkte sein, die einen Meilenstein darstellen, können aber auch andere Ereignisse sein (natürlich alles aus meinem subjektiven Blickwinkel).

Platz 3: Lytro (Lichtfeldkamera). Für mich definitiv eines der innovativsten Produkte des Jahres. Eine Kamera mit der man erst nach der Aufnahme fokussiert. Möglich wird dies durch eine Vielzahl von Mikro-Linsen die vor jedem Pixel sitzen und somit das Licht aus unterschiedlichen Richtungen einfangen. Das Prinzip ist schon über 100 Jahre alt, in ein alltagstaugliches Produkt hat es die Idee erst jetzt geschafft. Natürlich gibt es noch jede Menge Randbedingungen zu beachten und Probleme zu lösen – das Prinzip Lichtfeldkamera ist aber sicher ein interessanter Ansatz der in den nächsten Jahren verstärkt Einzug in unsere Kamerasysteme finden wird. Infos und Bildbeispiele über Lytro findet ihr hier.

Platz 2: Leica M Monochrom. Für mich das interessanteste Produkt der letzten 10 Jahre. Viele trauten Leica vor einigen Jahren nicht mehr allzu viel zu und schon gar nicht echte Innovationen zu setzen. Um so überraschender war es, als diese kleine Firma (der globaler Marktanteil von Leica im Kamerabereich liegt derzeit bei 0,18%!!!) in den Jahren 2011 und 2012 ein echtes Feuerwerk zündete. Natürlich gipfelte dies in der neuen M zur Photokina 2012. Trotzdem stellt für mich die bereits Anfang 2012 präsentierte Leica M Monochrom den beeindruckenderen Schritt dar. Die Reduktion auf das Wesentliche, wie  von Leica vollzogen, wird durch die Reduktion auf eine Kamera die reine Schwarz-Weiß-Aufnahmen macht auf die Spitze getrieben und ist ein gewagter aber auch bewundernswerter Schritt. Am Markt wird diese Strategie jedenfalls belohnt und die Leica M Monochrom als ein neues Sahnestück gefeiert. Infos zur Leica M Monochrom findet ihr hier.

Platz 1: Yasuyoshi Chiba. Im Jahre 2011 überrollte ein Tsunami Japan und löste damals ein wahre Kettenreaktion von Katastrophen aus. Der junge Fotograf Yasuyoshi Chiba hielt die Zeit danach mit seiner Kamera in einer Fotoserie, bestehend aus 12 Bildern, fest. Als ich das erste mal diese Serie gesehen habe, war ich tief ergriffen – von der Direktheit der Bildsprache, aber auch von der unglaublichen Traurigkeit. 2012 gewann Yasuyoshi Chiba mit dieser Serie den ersten Preis des renommierten Wettbewerbes „World Press Photo“ in der Kategorie „People in der News“. Die Serie könnt Ihr Euch hier ansehen.

Und wo sind Eure Highlights des Jahres 2012?

Wir lesen uns im Jahre 2013!

LiK