Valencia – Wenn die Altstadt im Abendlicht erstrahlt (Teil 2)

Nachdem wir im ersten Teil bereits die verwinkelten Gassen der Altstadt erkundet haben, bleiben wir noch ein wenig im Herzen Valencias. Denn gerade in den späten Nachmittags- und Abendstunden entfaltet die Stadt einen ganz besonderen Zauber.

Wenn die Sonne langsam tiefer sinkt und die Hitze des Tages nachlässt, verändert sich die Atmosphäre in den engen Straßen spürbar. Das harte Licht des Mittags weicht warmen Gold- und Orangetönen, die sich an den Fassaden spiegeln und selbst unscheinbare Ecken in kleine Bühnen verwandeln. Für Fotografen beginnt jetzt die vielleicht schönste Zeit des Tages.

Die schmalen Gassen wirken im Abendlicht fast wie natürliche Lichtkanäle. Sonnenstrahlen finden ihren Weg zwischen den Häusern hindurch und zeichnen helle Linien auf das Kopfsteinpflaster, während nur wenige Meter weiter bereits tiefe Schatten warten. Dieses Wechselspiel aus Licht und Dunkelheit verleiht den Straßen eine besondere Tiefe und sorgt ständig für neue Motive.

Auch die urbane Kunst gewinnt in diesen Stunden noch einmal an Ausdruckskraft. Die zahlreichen Wandgemälde, Graffiti und kunstvoll gestalteten Rollläden scheinen förmlich zu leuchten. Farben werden intensiver, Kontraste weicher. Viele der Werke erzählen kleine Geschichten, manche sind humorvoll, andere gesellschaftskritisch oder einfach nur dekorativ. Gemeinsam prägen sie den unverwechselbaren Charakter der Altstadt und machen jeden Spaziergang zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Besonders faszinierend ist dabei die Vielfalt. Hinter jeder Ecke wartet etwas Neues: ein großformatiges Wandbild, eine kunstvoll bemalte Tür, ein verstecktes Detail an einer Hauswand oder ein Geschäft, dessen geschlossener Rollladen nach Feierabend zum Kunstwerk wird. Valencia zeigt hier eine kreative Seite, die sich nicht in Museen oder Galerien versteckt, sondern ganz selbstverständlich Teil des täglichen Lebens ist.

Während die Straßen langsam ruhiger werden, füllen sich die Plätze mit Menschen, die den Abend genießen. Aus Bars und Restaurants dringen Stimmen und Gelächter, irgendwo spielt Musik, und über allem liegt dieses warme mediterrane Licht, das man nur schwer beschreiben kann. Es ist eines dieser Lichter, die man nicht nur sieht, sondern spürt.

Ein paar Worte noch zur Ausrüstung: Das APO-Summicron 35 mm an der M11-P ist für mich schlicht eine Traumkombination (wie schon so oft hier geschrieben). Schärfe, Kontrast, Farben: da passt einfach alles. Eigentlich. Denn in den engen Gassen Valencias ertappte ich mich mehr als einmal dabei, einen halben Schritt zurückzugehen. Und noch einen. Und noch einen. Bis irgendwann eine Hauswand oder ein parkendes Auto freundlich, aber bestimmt signalisierte: „Weiter zurück geht heute leider nicht.“ In genau diesen Momenten hätte ein 28-mm-Objektiv vermutlich die elegantere Lösung dargestellt. Die zusätzliche Weite wäre in manchen Situationen Gold wert gewesen. Trotzdem: Mein 35er wird nirgendwo hingehen. Dafür liebe ich den Bildwinkel einfach zu sehr. Es ist ein wenig wie bei einem guten Freund, der gelegentlich einen kleinen Tick hat. Man weiß genau, dass er nicht perfekt ist, aber gerade deshalb möchte man ihn nicht missen.

Euer Alex

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