Kategorie-Archiv: Leica

Erfahrungsbericht zur Leica M (Typ 240) – Teil 2: Erste Erfahrungen

Nachdem ich nun seit gut 2 Wochen die Leica M mein Eigen nennen darf, will ich nun etwas konkreter meine ersten Erfahrungen schildern. Seht dies als rein subjektiven Bericht, der kein echter Test sein will/kann.

Ich möchte hier der Reihe nach auf folgende Dinge eingehen:

  • Bedienelemente und Fertigungsqualität
  • Bildqualität unter realen Bedingungen
  • Neue Firmware und die Folgen
  • Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Fertigungsqualität und Bedienelemente

Zur Fertigungsqualität habe ich mich ja bereits mehrmals positiv geäußert. Dies bleibt auch nach den 2 Wochen so. Ich sehe hier keinen einzigen Punkt, bei dem Leica nachbessern müsste. Es ist ein Genuss, am Belichtungsrad zu drehen, der Fokus am Objektiv lässt sich butterweich bewegen und die Blenden rasten satt sein. Man spürt schon beim Anheben der Kamera, dass es sich um eine sehr stabile Konstruktion handeln muss. Mit 680 Gramm ist sie zwar schwer, aber doch deutlich leichter als die meisten vergleichbaren Spiegelreflexkameras. Eine Nikon D800 mit 50 mm Objektiv (AF-S 1.4) wiegt 1.300 Gramm, die Leica M mit angesetzten 50 mm (1.4 ASPH) 1.015 Gramm. Auffällig auch die Baugröße der Kamera – kleiner bekommt man eine Vollformatkamera wohl nicht mehr hin. Hier hat Leica wahre Ingenieurkunst bewiesen.

Kommen wir zu den Bedienelementen. Hier hat Leica einiges anders bzw. besser gemacht im Vergleich zur M9. Zum einen sitzt ein 3“ Display auf der Rückseite der Kamera, zum anderen fallen die Bedienknöpfe deutlich größer aus, was auch die Handhabung etwas leichter macht. Nicht ganz glücklich bin ich mit der Tastenkombination, die für die Belichtungskorrektur notwendig ist (man muss den Knopf auf der Vorderseite der Kamera gedrückt halten, während man auf der Rückseite am Einstellrad dreht). Das neue „joystickartige“ Bedienelement auf der Rückseite finde ich persönlich sehr gelungen. Die Bedienung einer Kamera ist aber immer eine sehr persönliche Sache – am besten einfach mal selber ausprobieren und etwas rumspielen.

Bildqualität unter realen Bedingungen

Kommen wir also zum Wesentlichen: der Bildqualität. Bisher habe ich mit der M knapp 400 Bilder gemacht. Leider war das Wetter in den ersten Wochen nicht allzu gut – das Potential der Kamera lässt sich aber trotzdem schon mal recht gut abschätzen. Die Bilder entstanden in unmittelbarer Umgebung von Freiburg. Die Bilder sind noch alle mit der alten Firmware (1.1.0.2) entstanden – ein Vergleiche der alten und neuen Firmware und deren Resultate findet ihr am Ende dieses Beitrages.

Die erste Serie, die ich euch zeigen möchte, entstand bei einer kleinen Tour auf den Schauinsland (alle Bilder mit dem Summicron-M 35 mm ASPH). ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Konvertierung des zweiten Bildes in Schwarz-Weiß wurde mit Darktable vorgenommen.

L1000096_1L1000156_1L1000129Das folgende Bild wurde mit dem Summilux-M 50 mm ASPH gemacht. Schärfe und Detailwiedergabe sind schon ziemlich beeindruckend (auch wenn es hier im Blog durch die geringe Auflösung nicht ganz rüber kommt).

L1000196Und dann noch ein paar Bilder von einer nächtlichen Tour durch Freiburg. Alle Bilder wurden mit dem Summilux-M 50 mm ASPH geschossen (ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Bilder wurden nicht bearbeitet – der Beschnitt wurde teilweise angepasst.

L1000052Das erste Bild der Serie finde ich ziemlich beeindruckend. Sogar die Struktur der Kirche (das Freiburger Münster), das im unbeleuchteten Teil des Bildes liegt, ist leicht zu erkennen. Im Original kann ich sogar noch die Backsteine erkennen und Inschriften entziffern. Die M geht mit solchen Low-Light-Situationen sehr gut um, unter- oder überzeichnet keine Teile extrem, die Belichtung wirkt in ihrer Gesamtheit sehr ausgewogen. Auffällig ist, dass der obere Teil der Leuchte etwas überstrahlt – dieses Phänomen muss ich in Zukunft genauer beobachten.

L1000061Das zweite Bild beweist die Eignung der Kamera für Low-Light. Das Bild zeigt die Brauerei Feierling in Freiburg. Man sollte seinen Blick auf die Wandstruktur in der Mitte der beiden Fenster richten – der Putz wird dort mit seiner ganzen Feinheit perfekt abgebildet. Die Pflastersteine im Vordergrund überstrahlen nicht durch das relativ starke Licht, das nach außen fällt. Die Lichtsituation wird ausgeglichen und von der Farbtemperatur her perfekt. Der automatische Weißabgleich hat somit perfekt funktioniert – auch wenn es hier nicht allzu schwer war.

Folgende zwei Bilder wurden durch ein Schaufenster gemacht (Format wurde in Darktable angepasst, sonst wurde keine Bearbeitung vorgenommen).

L1000064L1000066Wieder zeigt sich bei beiden Bildern die Fähigkeit, sehr ausgewogen dunkle und helle Bereiche abzubilden. Die Lichtsituation kann nicht unbedingt als schwierig beschrieben werden – bei ähnlichen Situationen habe ich aber schon Kameras erlebt, die dann völlig über- oder unterbelichtet haben, sich von der hellen Schaufensterbeleuchtung täuschen haben lassen. Für mich immer wieder beeindruckend, wie perfekt die Schärfe dort sitzt, wo sie hin soll (im ersten Bild auf der Brille in der Mitte).

Die neue Firmware und die Folgen

Bei Auslieferung der M war klar, dass die interne Software wohl noch nicht ganz ideal und fehlerfrei war. Vor allem der automatische Weißabgleich lag bei Mischlicht gerne mal etwas daneben, Hauttöne wurden schon mal zu rötlich dargestellt und die Farbwiedergabe passte nicht immer 100%. Am 8. Oktober (als ich noch mitten im Verfassen dieses Beitrages war) veröffentlichte Leica eine neue Firmware (2.0.0.11). In diversen Foren wurde mit Begeisterung aufgenommen, was Leica nun aus der M zaubert – endlich scheinen die Farbwiedergabe und der Weißabgleich zufriedenstellend zu funktionieren und einer solchen Kamera gerecht zu werden. Um dies auch prüfen zu können, habe ich vor dem Update auf die neue Firmware ein paar kritische Aufnahmen gemacht, anschließend das Update aufgespielt und dann die selben Aufnahmen wiederholt. Die Aufnahmen liegen also zeitlich max. 10 Minuten auseinander und sind so wohl recht gut vergleichbar. Ein Beispiel möchte ich euch hier zeigen – das erste Bild schildert die Aufnahme mit der alten Firmware, die zweite Aufnahme mit der neuen Firmware.

L1000310L1000312 Was auffällt ist, dass die zweite Aufnahme etwas heller ausfällt und die Farben etwas realistischer sind (kann man rein aus den Bildern nicht bewerten, ich weiß aber recht genau, wie das Ding in Wirklichkeit aussieht!). Die erste Aufnahme hat eine leichte Tendenz ins Blaue, wobei die zweite Aufnahme etwas neutraler wirkt.

Die anderen Aufnahmen (die ich hier nicht zeigen werde) zeigen:

  • Hauttöne werden realistischer dargestellt
  • keine Probleme mehr mit Rot- oder Grüntönen
  • Mischlicht wird besser abgebildet (kein Hang mehr zum Blauen hin)

Eine Zusammenfassung, was Leica alles nachgebessert hat, findet sich hier.

Und hier noch ein paar ganz allgemeine Aufnahmen, die ich mit der neuen Firmware gemacht habe.

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Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Dinge, die in Foren kritisch angemerkt wurden, die sich für mich aber relativieren:

  • „Kamera benötigt 2-3 Sekunden, bis sie nach dem Einschalten einsatzbereit ist.“ Da dieses Problem von langsamen Speicherkarten ausgelöst wird, habe ich mir (auf Hinweis in diversen Foren) eine sehr schnelle SD-Karte zugelegt (SanDisk Extreme Pro SDXC 64GB Class 10). Damit fällt die Einschaltzeit nicht länger als bei der Canon 1Ds aus. Für mich also kein Problem.
  • „Die Bodenplatte muss abgenommen werden, um die Batterie zu wechseln“. Da die Batterieleistung der M nun dermaßen gut ist, finde ich die Lösung mit der Bodenplatte eigentlich recht gut. Sie gibt der Kamera sehr viel mehr Stabilität. Für mich also eher ein positiver als ein negativer Punkt der Kamera.

Was ich kritisch anmerken möchte (und was auch schon andere in Foren getan haben):

  • Das Anbringen einer Belichtungskorrektur ist mir durch das Drücken der Fronttaste und Drehen des Einstellrades zu „fummelig“. Schön wäre, wenn man dies je nach Bedarf und Bedürfnis des jeweiligen Fotografen ändern könnte.
  • Keine frei belegbaren Tasten vorhanden. Leica könnte die Info-Taste frei belegbar machen. Dies würde die Kamerabedienung noch etwas flexibler machen.

Ich hoffe, dass diese Punkte durch Firmware-Updates in den nächsten Monaten nachgebessert werden. Aber schon jetzt ist die Leica M (auch durch das letzte Firmware-Update) eine (fast) perfekte Kamera.

Somit bin ich am Ende meines Erfahrungsberichtes. Ich werde nun zur Normalität der Fotografie übergehen und in Zukunft wieder das Fotoprojekt und weniger die Kamera in den Mittelpunkt rücken. Von Zeit zu Zeit nehme ich mir aber die Freiheit heraus, über spezielle Aspekte der M zu berichten (spätestens zum nächsten großen Firmware-Update).

Bis dahin allen eine gute Zeit,

LiK

Erfahrungsbericht zur Leica M (Typ 240) – Teil 1: Auspacken der Wundertüte

Als am Montag, den 30. September 2013, ein unscheinbares Paket von UPS geliefert wurde, war klar, dass die nächsten Stunden, Tage und Wochen wohl sehr aufregend werden. Diese ersten Schritte mit der Leica M sollen nun hier dokumentiert werden – seht es weniger als „Test/Review“ als vielmehr als einfachen Erfahrungsbericht (die Bezeichnung „Erfahrungsbericht“ macht erst Sinn, wenn auch der kommende Teil online steht – also noch etwas Geduld bitte!). Wie der Umstieg zustande kam und meine fotografische Historie kann man im letzten Beitrag nachlesen. Die Beweggründe im Detail möchte ich aber hier, bevor wir das Paket dann gemeinsam auspacken, noch einmal schildern.

Ich denke, zur Firma Leica braucht man nichts mehr sagen – das ist Kult! Erfinder des Kleinbildformats, über Jahre DIE Reportagekamera schlecht hin (z. B. Leica III), der Absturz in den 80ern, Fehlmanagement in den 90ern, der Wiederaufstieg Mitte 2000. Heute ist Leica eine Firma, die weitgehend saniert ist, die den Umstieg auf das digitale Format perfekt umgesetzt hat und die mit der M9 und jetzt mit der M (Typ 240) Kameras auf den Markt gebracht hat, die Vieles von dem wieder gut machen, was davor schief lief. Kompromisslos auf das Wesentliche fokussiert, Fertigungsqualität, die Maßstäbe setzt, und trotz eines enormen globalen Preisdruckes eine Herstellung abseits von Billiglohnländern. Im Wesentlichen wird die M in Deutschland, einzelne Linsenelemente der Objektive in Portugal und der CMOS-Sensor in Belgien gebaut.

Warum bin ich also auf die Leica M umgestiegen:

  • Ich wollte zurück zu einer Kamera, die sich auf die wesentlichen Elemente der Fotografie beschränkt (mehr als Blende und Verschlusszeit benötigt man eben nicht 🙂 ) und ich wollte wieder so fotografieren, wie ich es vor mehr als 25 Jahren von meinem Vater gelernt hatte.
  • Ich wollte eine Kamera, die kompromisslos in Sachen Qualität und Fertigung ist – es sollte Freude machen, am Fokus- oder Blendenring zu drehen.
  • Ich wollte eine Kamera, die nicht für ein paar Euro in China hergestellt wird und dann mit 400%  Gewinn in Europa verkauft wird.

Somit blieben nicht viele Hersteller übrig – und wenn man ganz ehrlich ist, eigentlich nur einer: Leica. Man muss sich aber bewusst sein, dass man dafür einen gewissen Preis zahlen muss. Zum einen muss man seine Geldbörse etwas weiter öffnen, zum anderen muss man auch auf ein paar Dinge verzichten, die einem das Fotografieren manchmal etwas leichter machen (z. B. der Autofokus). Wobei wir schon bei den wesentlichen Merkmalen einer Leica M sind.

Die Konzentration auf das Wesentliche wurde mehrmals angesprochen. Der Leica M sieht man ihren Purismus an: wenige Bedienelemente, ein bauhaus-artiges Design und keine unnützen Funktionen (dass die neue M eine Video-Funktion hat, wurde ja von vielen Leica-Anhängern hart kritisiert!).

Mehr zur Bedienung und zu meinen ersten Erfahrungen aber im Laufe der nächsten Wochen. Nun ein paar Bilder vom eigentlichen Event: dem Auspacken. Alleine die Verpackung ist schon sehenswert.

Öffnet man den ersten Teil der Verpackung, klappen die vier Seiten der Schachtel wie von Zauberhand nach unten.

L1000202_01Das Innere der Schachtel besteht nun aus 2 großen Bereichen: (1) einer abnehmbarer Schachtel, welche die Kamera beinhaltet, (2) zwei kleinen Schubladen, die das Zubehör beinhalten.

L1000220Die Schachtel mit der Kamera ist unspektakulär, aber trotzdem wunderschön gefertigt. Schon etwas aufregender wird es bei den Zubehörschubladen. Garantiekarte, Handbuch und Infoblätter befinden sich in der ersten Schublade, die Kabel und der Akku in der zweiten. Akku und Kabel sind zusätzlich in einem Samtbeutel verstaut. Wo andere Hersteller nicht mehr mal das Handbuch in gedruckter Form ausliefern, trumpft Leica also regelrecht auf.

Neben der Kamera gab der Leica-Shop übrigens eine Speicherkarte (16GB) und einen zweiten Akku gratis dazu (für die lange Wartezeit!). Das nenne ich mal einen Service…

Derzeit bin ich dabei, die Kamera, ihr Verhalten in unterschiedlichen Lichtsituationen und die Unterschiede zur 1Ds kennen zu lernen. Einen ersten Erfahrungsbericht mit Bildern hoffe ich, in ca. 10 Tagen online stellen zu können.

Bis dahin eine gute Zeit.

LiK

Goodbye „Big Mama“, welcome „Luigi“

Seit vielen Wochen habe ich hier in diversen Beiträgen davon geschrieben, dass es mit meiner EOS 1Ds III (liebevoll als „Big Mama“ bezeichnet) bald zu Ende ist. Nun ist es soweit! Aber erst mal der Reihe nach, und ganz von vorne!

Seit 1992 fotografiere ich und seit 1995 mache ich dies mit Canon Kameras. Begonnen hat alles mit der Kamera meines Vaters, einer analogen Fujica STX-1. Eine wunderbare Kamera, die satt in der Hand liegt und mit der ich damals durch halb Europa getrampt bin und jede Menge Dias geschossen habe (übrigens alles mit einem 50mm Objektiv).

dsc_23311995 lag dann eine Canon EOS 500 unter dem Weihnachtsbaum – völlig überraschend und unverhofft. Die Fujica blieb also in Südtirol zurück und die Canon zog mit mir nach Wien (1995 war ich bereits ein Jahr in Wien – man kann also nicht wirklich von einem gemeinsamen Umzug sprechen).

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie EOS 500 wurde übrigens von 1993 bis 1996 produziert und war damals die kleinste und leichteste Spiegelreflexkamera am Markt. Im Jahre 2000 stieg ich auf die EOS 3 um (immer noch eine analoge Kamera!), was einen Quantensprung bedeutete – Qualität und Bedienung waren sehr viel professioneller ausgelegt.

eos3Diese Kamera begleitete mich auf vielen Reisen (z. B. Spanien, Frankreich, Kroatien, Island, etc.). Im Jahre 2007 beschloss ich dann, das Lager zu wechseln und mich der digitalen Fotografie anzuschließen. Ich kaufte mir die EOS 5D (genau ein Jahr bevor der Nachfolger EOS 5D II auf den Markt kam). Und ich musste feststellen: Digital macht Spaß!

5dDiese Kamera begleitete mich in die USA, nach Neuseeland und quer durch Europa. Für mich gehört diese Kamera bis heute zu meinen Lieblingen. Im Jahre 2010 stand dann ein Wechsel an, der so nicht geplant war – ich bekam die Möglichkeit, sehr günstig eine Canon EOS 1Ds III zu kaufen, welche ich auf Grund ihrer Größe gleich „Big Mama“ taufte.

EOS1DsMarkIII_03Wieder zogen 3 Jahre ins Land – sehr viel Studioarbeit, die Reise durch Norwegen und die Normandie und einige Städtereisen wurden mit dieser Kamera gemacht. Alleine der Sound des Auslösers fasziniert mich bis heute extrem. Trotzdem habe ich mir oft die kleine handliche EOS 5D zurückgewünscht. Daher habe ich im letzten Jahr immer wieder mit dem Gedanken gespielt, Big Mama zur Adoption frei zu geben. Aber irgendwie konnte ich mich nicht trennen.

Dann im Jahre 2012 machte ich einen Schritt, der meine Denkweise grundlegend ändern sollte: ich lieh mir eine Leica M9 aus! Den Bericht dazu findet ihr hier: Das Leica-Experiment. Klein, handlich, top verarbeitet und die Bildqualität zum niederknien. Trotzdem waren da ein paar Dinge, die mich an der M9 nicht überzeugten – vor allem wünschte ich mir eine Möglichkeit, unkompliziert Makros zu machen (ja, dies geht mit der M9 zwar auch, aber die Makroobjektive für die M sind nicht das, was ich mir vorstelle, und einen „Kamerabalgen“ wollte ich mir nicht zulegen müssen). Im September 2012 kündigte Leica den Nachfolger der M9 an, nur noch schlicht als M bezeichnet. Ich überlegte lange, wog die Vor- und Nachteile eines kompletten Systemwechsels ab und grübelte bis April 2013 so vor mich hin. Dann war ich mir sicher – ich wollte den Schritt wagen und mich auf den Leica-Minimalismus einlassen. Es stand also nach unglaublichen 18 Jahren „Fotografie mit Canon“ für mich ein Systemwechsel an. Ende April ließ ich mich im Leica-Shop München auf die Warteliste der M setzen (voraussichtliche Lieferzeit 6 bis 8 Monate!). Und nun am 25.09.2013 war es soweit: ein E-Mail erreichte mich mit der frohen Nachricht, dass meine M in den nächsten Tagen abholbereit sei. Da ich nicht nach München reisen konnte, machten wir die Abwicklung des Geschäftes per E-Mail. Bezahlung und Versand dauerte dann noch einmal ein paar Tage – aber am Montag, den 30. September 2013 traf ein schlichtes Paket in Freiburg ein. Ich darf sie euch also vorstellen – schlichtes Schwarz, dezent und unauffällig. Und sie oder besser gesagt er trägt auch schon einen Namen: LUIGI!

img24294In den nächsten Wochen werde ich euch noch mehr über den Umstieg erzählen, die Gründe im Detail erläutern und erste Bilder zeigen. Etwas Geduld müsst ihr aber haben – meine Art zu Fotografieren muss ich völlig umstellen… auch dazu später mehr. Bereits in den nächsten Tagen möchte ich aber einen ersten kleinen Bericht und ein paar „Unboxing-Bilder“ online stellen.

Bis dahin allen eine gute Zeit,

LiK

Top-Themen des Jahres 2012

In den letzten Wochen des Jahres frage vermutlich nicht nur ich mich, was denn die herausragenden Themen/Geschichten/Ereignisse des Jahres waren. Ich möchte hier keinen allgemeinen Jahresrückblick zum Besten geben, sondern die 3 Themen herauspicken, die für mich im Bereich der Fotografie im Jahre 2012 entscheidend waren. Dies können neue Produkte sein, die einen Meilenstein darstellen, können aber auch andere Ereignisse sein (natürlich alles aus meinem subjektiven Blickwinkel).

Platz 3: Lytro (Lichtfeldkamera). Für mich definitiv eines der innovativsten Produkte des Jahres. Eine Kamera mit der man erst nach der Aufnahme fokussiert. Möglich wird dies durch eine Vielzahl von Mikro-Linsen die vor jedem Pixel sitzen und somit das Licht aus unterschiedlichen Richtungen einfangen. Das Prinzip ist schon über 100 Jahre alt, in ein alltagstaugliches Produkt hat es die Idee erst jetzt geschafft. Natürlich gibt es noch jede Menge Randbedingungen zu beachten und Probleme zu lösen – das Prinzip Lichtfeldkamera ist aber sicher ein interessanter Ansatz der in den nächsten Jahren verstärkt Einzug in unsere Kamerasysteme finden wird. Infos und Bildbeispiele über Lytro findet ihr hier.

Platz 2: Leica M Monochrom. Für mich das interessanteste Produkt der letzten 10 Jahre. Viele trauten Leica vor einigen Jahren nicht mehr allzu viel zu und schon gar nicht echte Innovationen zu setzen. Um so überraschender war es, als diese kleine Firma (der globaler Marktanteil von Leica im Kamerabereich liegt derzeit bei 0,18%!!!) in den Jahren 2011 und 2012 ein echtes Feuerwerk zündete. Natürlich gipfelte dies in der neuen M zur Photokina 2012. Trotzdem stellt für mich die bereits Anfang 2012 präsentierte Leica M Monochrom den beeindruckenderen Schritt dar. Die Reduktion auf das Wesentliche, wie  von Leica vollzogen, wird durch die Reduktion auf eine Kamera die reine Schwarz-Weiß-Aufnahmen macht auf die Spitze getrieben und ist ein gewagter aber auch bewundernswerter Schritt. Am Markt wird diese Strategie jedenfalls belohnt und die Leica M Monochrom als ein neues Sahnestück gefeiert. Infos zur Leica M Monochrom findet ihr hier.

Platz 1: Yasuyoshi Chiba. Im Jahre 2011 überrollte ein Tsunami Japan und löste damals ein wahre Kettenreaktion von Katastrophen aus. Der junge Fotograf Yasuyoshi Chiba hielt die Zeit danach mit seiner Kamera in einer Fotoserie, bestehend aus 12 Bildern, fest. Als ich das erste mal diese Serie gesehen habe, war ich tief ergriffen – von der Direktheit der Bildsprache, aber auch von der unglaublichen Traurigkeit. 2012 gewann Yasuyoshi Chiba mit dieser Serie den ersten Preis des renommierten Wettbewerbes „World Press Photo“ in der Kategorie „People in der News“. Die Serie könnt Ihr Euch hier ansehen.

Und wo sind Eure Highlights des Jahres 2012?

Wir lesen uns im Jahre 2013!

LiK

Leica Erlebnistage 2012

Letztes Wochenende ging es für zwei Tage nach Wetzlar zu den Leica Erlebnistagen 2012. In der Stadthalle Wetzlar hatten sich die Leica-Jünger versammelt, um 2 Tage über Fotografie zu quatschen, sich auszutauschen, Fotos zu diskutieren und natürlich auch das eine oder andere neue Produkt zu „befummeln“. Am Samstag begann die Veranstaltung mit einer Eröffnungsrede von Herrn Alfred Schopf, dem Vorstand der Leica Camera AG. Danach wurde das Bild in den Mittelpunkt gestellt und es folgten eine ganze Reihe von Vorträgen. Hervorheben möchte ich dabei Herrn Manuel Übler, der über sein Projekt „The elderly‘s Home“ berichtete – Schwarz-Weiß-Bilder, die das Leben eines Altersheimes in Indien dokumentierten: eindringlich und bewegend! Am zweiten Tag stach das Projekt von Herrn Claus Brandt hervor: Namibia – Träume aus Sand. Der vielfach ausgezeichnete Landschaftsfotograf (darunter bester Landschaftsfotograf des Jahres 2005) dokumentierte in herausragenden Bildern die Schönheit Namibias. Ebenfalls erwähnenswert ist der Vortrag von Herrn Herbert Piel „Die Geschichte hinter den Bildern“ – Reportagefotografie auf höchstem Niveau, gepaart mit lustigen und manchmal auch bewegenden Geschichten über die Entstehung der einzelnen Bilder.

Neben all den schönen Fotos, die man auf der Leinwand zu sehen bekam, gab es auch eine Ausstellung (Portraits von Manuel Übler) und wie bereits angedeutet eine kleine (aber feine) Produktpräsentation. Um die 30 Firmen präsentierten sich im Foyer der Messehalle – von Fototaschen über Stative, bis hin zu Kameras. Natürlich nutzte ich die Gelegenheit, um die neue Leica M in die Hände zu bekommen. Und ich kann nur sagen, Leica scheint alles richtig gemacht zu haben – schönes großes und helles Display, perfekte Verarbeitung, gute Bedienung (auch wenn hier in den nächsten Wochen noch etwas nachgearbeitet wird) und natürlich das ultimative M-Feeling!

Was bleibt also von der Veranstaltung? Ich kann eigentlich nur Positives berichten. Leica organisiert eine Show, die nicht auf Technik abzielt, sondern das Bild in den Mittelpunkt stellt. Es ist völlig egal, ob man nun mit Leica, Canon oder Nikon fotografiert – in Wetzlar geht es um das Foto und nicht um die Technik dahinter. Das hat mich sehr beeindruckt und das würde ich mir von anderen Firmen auch wünschen. 2013 soll die Veranstaltung das erste Mal im neuen Leica-Park abgehalten werden, einem neuen Firmengelände am Stadtrand von Wetzlar. Wir werden mit Sicherheit dort sein, und wer weiß, vielleicht trifft man sich ja!

Euer LiK

Das Leica-Experiment

Am Wochenende hatte ich die einmalige Gelegenheit eine Leica M9 inkl. eines 35 mm 2.0 zu testen. Schon seit langer Zeit bin ich vom Mythos Leica angetan und hatte die gute M9 schon mehrmals kurz in meinen Händen. Für ein Fotografieren in aller Ruhe reichte die Zeit aber leider bisher noch nicht. Das sollte sich dieses Wochenende aber ändern. Die folgenden Zeilen sollen keinen technischen Test darstellen, sondern einfach einen Erfahrungsbericht repräsentieren, von einem „Fotoverrückten“ der sonst fast immer mit Canon (beruflich ab und an mit Nikon und Sony) gearbeitet hat und jetzt die ersten Gehversuche mit der Leica M9 wagt. Also bitte keine bösen Kommentare von langjährigen Leica-Besitzern – für konstruktive Kritik bin ich aber immer zu haben 🙂

Bevor wir aber beginnen, ein paar einführende Worte: Die Leica M9 ist eine sog. Messsucherkamera und unterscheidet sich daher vom Konzept der Spiegelreflexkameras ganz erheblich. Man blickt bei einer solchen Kamera eben nicht durch das Objektiv, sondern durch einen eigenen Messsucher. Das hat den großen Vorteil, dass der Spiegelkasten entfällt und die Kamera daher deutlich kleiner gebaut werden kann, hat aber auch den Nachteil, dass man nicht exakt das sieht, was man wirklich fotografiert (Versatz von Sucher und Objektiv). Die Leica M9 verfügt zudem über kein Autofokussystem, unterstützt den Fotografen beim Fokussieren aber über ein sog. Schnittbild. Wer mehr dazu wissen will, soll bitte einfach dem folgenden Link folgen: Link.

Zur Verarbeitungsqualität braucht man bei Leica nichts zu sagen…perfekt! Ein Genuss eine solche Kamera in den Händen zu halten. Das Objektiv und dessen bewegten Teile (Blendenwahlrad, Fokusring) laufen wie Butter. Davon können Canon und Nikon wirklich noch etwas  lernen!

Anbei mal ein paar Bilder um einen Überblick über Größe und Ausführung zu bekommen (neben der kleinen Leica M9, meine Canon 1Ds III).

Das Experiment beginnt: Nachdem ich mich also mit der prinzipiellen Bedienung der Kamera vertraut gemacht habe, ging es raus in die freie Wildbahn. Freiburg zeigte sich von seiner schönsten Seite: Sonne, belebte Straßen und der Markt am Münster. Die größte Umstellung am Anfang war natürlich das Fokussieren – Leica macht es einem aber nicht allzu schwer, denn das Schnittbild tut seinen Dienst perfekt und von Bild zu Bild wurde ich schneller und präziser. Bei statischen (also sich nicht bewegenden) Objekten kann ein geübter Fotograf mit einer AF-Kamera durchaus mithalten. Schon etwas schwieriger wird es bei bewegten Objekten. Hier hilft aber der alte Trick von Henri Cartier-Bresson: einfach warten bis sich das Objekt in die Schärfenebene bewegt. Funktioniert einfach und sehr exakt.

Voraussetzung für ein angenehmes Fokussieren ist aber ausreichend Licht. Das Schnittbild ist bei starkem Gegenlicht oder sehr dunkler Umgebung sehr schwer zu interpretieren und das genaue Fokussieren daher fast unmöglich.

Die zweite große Umstellung ist das Belichtungssystem. Jede moderne Spiegelreflexkamera besitzt heute ein sog. Mehrfeldmesssystem, welches dafür sogt, dass die Belichtung der Szene bzw. des Objektes über einen möglichst großen Bereich gleichmäßig gemessen und gewichtet wird. Die Leica M9 macht dies nur mit einer mittenbetonten Messung. Bei „dominanten“ über das gesamte Bildfeld erstreckten Objekten funktioniert dies wunderbar, bei kleinen Objekten mit starkem Gegenlicht versagt diese Methode aber. Hier hilft natürlich eine entsprechende Belichtungskorrektur, welche bei der Leica durch drehen des Daumenrades angebracht werden kann.

Der nächste wichtige Punkt ist die Bauform der Kamera. Meine Canon 1Ds III liegt passgenau in der Hand, hat aber das Gewicht eines Ziegelsteins und geht bei langen Fototouren ganz schön in die Oberarme. Die Leica M9 hingegen ist klein, geradlinig gebaut und fühlt sich angenehm leicht an. Der Halt der M9 kann durch sog. Thumps-Up verbessert werden (der Daumen erhält dann eine entsprechende Stütze und die Kamera liegt etwas besser in der Hand). Insgesamt muss man sagen, dass die Leica M9 gut in der Hand liegt, aber nicht diesen Grip aufweist wie eine Canon 1Ds III. Für langes Fotografieren macht sich das geringe Gewicht der M9 aber angenehm bemerkbar.

Die kleine Bauform der Kamera hat auch zur folge, dass man als Fotograf kaum auffällt und ein unscheinbares Arbeiten möglich ist. Nicht umsonst gilt die Leica M-Serie als DIE Street-Kamera schlechthin.

Ein paar Worte sind auch zum Geräusch zu sagen, die eine Leica M9 von sich gibt: bssssstttttt! Das Auslösegeräusch ist angenehm leise – diskretes Fotografieren also ohne Probleme möglich. Wer mal hören will, wie eine M9 so klingt, soll bitte hier klicken: AUSLÖSEGERÄSUSCH ANHÖREN.

Weiter geht es hier mit ein paar Bilder die ich heute geschossen habe…M9 in Freiburg unterwegs 🙂

Die zwei oberen Bilder wurden am Markt beim Münster von Freiburg aufgenommen. Ich habe Sie bewusst in Schwarz-Weiss konvertiert um den Bildeindruck zu verstärken. Ich würde sagen, es sind typische Leica-Bilder: Szenen aus dem Leben!

Die Farbwiedergabe der Leica M9 ist im übrigen sehr neutral und zurückhaltend – keine Übersättigung! Anbei zwei Bilder in Farbe um dies beurteilen zu können.

Das erste Bild wurde im Herzen Freiburgs aufgenommen. Am Bild kann man sehr gut beobachten, dass die M9 den relativ großen Kontrastumfang zwischen Himmel und Wasser perfekt abfängt – die einzelnen Bildteile „saufen“ nicht ab. Am zweiten Bild lassen sich die neutrale Farbwiedergabe an den Bäumen und an der roten Fassade beobachten. Erahnen lässt sich auch das Auflösungsvermögen der M9 – bereits ohne Vergrößerung kann beobachtet werden, wie detailreich die Struktur am Mauerwerk wiedergegeben werden kann (Bild zum vergrößern anklicken!). Großen Anteil haben dabei natürlich auch die hervorragenden Leica-Objektive.

Was lässt sich also nach diesen ersten Erfahrungen mit der M9 sagen:

  • Das Eingewöhnen in die Leica-Philosophie geht erstaunlich schnell (die Menüführung ist einfach und schlüssig, alles ist auf das Wesentliche beschränkt).
  • Das Fokussieren geht bei guten Lichtverhältnissen leicht und angenehm von der Hand, wird bei schlechtem Licht oder Gegenlicht aber zum Geduldsspiel bzw. zur Lotterie (durch Wahl einer entsprechend kleinen Blende kann diesem Problem aber entgegen gesteuert werden.
  • Die „Griffigkeit“ der Kamera ist nicht ganz so gut wie bei professionellen Spiegelreflexkameras (etwas besser soll sie bei der M9-P sein). Trotzdem liegt die Kamera erstklassig in der Hand.
  • Die Bildqualität der Kamera ist erstklassig. Dafür gibt es wohl mehrere Gründe: (1) die hervorragende Optik von Leica, (2) der maßgeschneiderte Sensor von Kodak KAF, und (3) das einfache optische Design des Gesamtsystems.
  • Als etwas schmalbrüstig ist ohne Zweifel das Display zu bezeichnen (wie in einigen Tests im Internet nachzulesen ist) – trotzdem finde ich, dass es für den normalen Gebrauch ausreichend ist. Probleme bekommt man, wenn man die Belichtung punktgenau Vorort beurteilen will/muss. Die Schärfe lässt sich trotz anderen Behauptungen, meiner Meinung nach ausreichend genau abschätzen.
  • Das Arbeiten mit der M9 macht ohne jeden Zweifel Spaß…leicht, klein und unauffällig lassen sich Bilder machen, die mit einer großen Spiegelreflex nicht möglich wären. Der Weg zurück zum bewussten Fotografieren wird einem mit einer solchen Kamera leicht gemacht – man muss sich einfach Zeit lassen. So schön und angenehm es mit den „japanischen Plastik-Bombern“ von Canon und Nikon auch zu fotografieren ist, so oft wird der Prozess zu einem Schießen von Fotos: Masse über Klasse!
  • Das 35 mm 2.0 das ich verwenden durfte ist ein erstklassiges Objektiv. Ohne Zweifel müsste man seinen Objektivpark aber um 1 bis 2 Objektive erweitern (ideal wäre wohl 35, 50, 75 mm).
  • Sollte Leica zur Photokina oder 2013 eine M10 bringen müsste diese meiner Meinung nur eine kleine Änderungen aufweisen um zu meiner Traumkamera zu werden: besseres Display! Und über den Preis sprechen wir nicht 🙂
  • Offen bleibt für mich wie sich die M9 im Studio verhalten würde. Völlig klar ist, dass die M9 keine typische Studiokamera ist, trotzdem lässt sie sich dort hervorragend einsetzen (einige Beispiele finden sich dazu im Netz – z.B. hier).

Somit bin ich auch schon fast am Ende…ein eindeutiges Ergebnis lässt sich für mich aus den zwei Tagen aber nicht ableiten. Eine unglaublich angenehme Kamera, die eine hervorragende Bildqualität bringt. Der Prozess des Fotografierens verändert sich beim Umstieg von Spiegelreflexkamera auf Messsucherkamera aber deutlich: langsamer, bewusster und reduzierter. Ein stärkerer Fokus auf das Wesentliche.

Ich hoffe der eine oder andere hat gefallen am Bericht gefunden. Ich habe bewusst auf technische Details verzichtet (davon findet man genug im Internet).

LiK