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Der Comer See (Teil 1) – Die Welt in Farbe

Die letzten zwei Wochen haben wir am Lago di Como (Comer See) verbracht, um dort etwas auszuspannen und natürlich um zu fotografieren. Warum um diese Zeit an den Comer See? Nun ja, im Sommer wird es heuer aus privaten Gründen keinen längeren Urlaub geben, und so suchten wir einen Ort, wo es bereits etwas wärmer als in Süddeutschland ist und die Wahrscheinlichkeit auf schönes Wetter ausreichend hoch ist. Zudem waren wir noch nie am Comer See, kannten die Gegend also nur aus Büchern und Videos. Wir machten uns also am 25. April mit dem Auto auf und fuhren über die Schweiz, den Gotthard Tunnel und das Tessin an den Comer See. In Sorico (dem nördlichen Ende des Comer Sees) hatten wir eine kleine Ferienwohnung gemietet, sodass wir ohne Stress und Hektik Tagesausflüge unternehmen konnten. Als wir in Deutschland losfuhren, regnete es und leider sollte es auch in den ersten Tagen am Comer See nicht sehr viel besser werden. Aber bekanntlich gibt es ja kein schlechtes Fotowetter, sondern nur den Unwillen, die raue Natur nicht einfangen zu wollen.

Was hatte ich an Fotoausrüstung dabei? Alles! Natürlich hatte ich neben meiner Leica M alle drei Objektive mit: das Super-Elmar-M 21 mm ASPH, das Summicron-M 35 mm ASPH und das Summilux-M 50 mm ASPH. Das Stativ hatte ich auch dabei, variabel bestückt mit dem Videoneigekopf von Gabi oder meinen Kamerakugelkopf. Ich kann aber schon vorwegnehmen, dass ich 100% der Bilder ohne Stativ gemacht habe und ca. 80% der Bilder mit dem 35er. Das Arbeiten mit Stativ ist bis heute für mich nicht der richtige Weg – ich fühle mich mit Stativ zu sehr eingeengt, zu sehr beschränkt und zu unvariabel. Ich liebe es, mich schnell mit der Kamera zu bewegen, mich in die Hocke zu begeben, auf eine Mauer zu steigen und meinen Arbeitsradius schnell anpassen zu können. Ein Stativ hemmt mich dabei. Natürlich gibt es auch Situationen, wo ein Stativ ein absolutes Muss ist, z. B. Langzeitbelichtungen.

Wie bereits angedeutet war das Wetter an den ersten Tagen eher regnerisch, nebelig und verströmte eine sehr eigene Stimmung am Lario. Also nichts wie auf ans Wasser! Entstanden sind eine ganze Reihe von Bildern, die vom vorherrschenden Nebel geprägt sind. Ein ausgewähltes sei hier gezeigt.

Der Schwan von Sorico fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Der Schwan von Sorico fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

An den darauffolgenden Tagen besserte sich das Wetter deutlich, sodass wir auch die umliegenden Berge zu Gesicht bekamen und einige Ausflüge entlang des Westufers machten. Das Westufer ist von prächtigen Villen geprägt, die vielfach aus dem 15. Jahrhundert stammen, als die Umgebung des Comer Sees durch die Seidenindustrie reich wurde. Heute sind diese Villen restauriert und im Besitz von Industriellen oder Promis. So hat beispielsweise auch George Clooney ein Anwesen am Comer See – die Villa L‘ Oleandra.

Mauerblümchen fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Mauerblümchen fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Blick vom Norden in den Süden - Sorico mit Comer See fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Blick vom Norden in den Süden – Sorico mit Comer See fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Noch kein Surf-Wetter. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Noch kein Surf-Wetter. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Die Blumen des George. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Die Blumen des George. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Was den Comer See aber ausmacht, sind die vielen kleinen Dörfer, die ihren ursprünglichen Charakter weitgehend erhalten haben. Keine Spur von „herausgeputzt“ – etwas heruntergekommen, aber mit sehr viel Charme. Dieser Charme und diese spezielle Schönheit führten auch dazu, dass ich in den zwei Wochen über 1.000 Bilder machte – für mich und meine Leica M ist dies eine sehr hohe Bilddichte für diese kurze Zeit.

In der Nähe von Laglio. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

In der Nähe von Laglio. Fotografiert mit Leica M und Summilux-M 50 mm @ f/5.6.

Die unendliche Treppe. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Die unendliche Treppe. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Steinhaus mit Eingang. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Steinhaus mit Eingang. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.6.

Hochaktuelles Schild. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

Hochaktuelles Schild. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

Italienische Fassade. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Italienische Fassade. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Und hier noch ein paar Fakten zum Comer See: „Der Comer See, von den Einheimischen auch Lario genannt, ist 146 km² groß, 51 km lang und max. 4,2 km breit. Damit ist er nach dem Gardasee und dem Lago Maggiore, gemessen an der Wasserfläche, der drittgrößte See Italiens. Mit einer durch seine charakteristische Form bedingten Uferlinie von 170 km übertrifft er die beiden vorgenannten Seen in diesem Punkt. Bis zum Jahr 2006 glaubte man, die maximale Tiefe des Comer Sees sei 410 m. Neueren und präziseren Untersuchungen zufolge hat man herausgefunden, dass die bei Nesso erreichte Maximal-Tiefe 425 m beträgt.“ [Quelle: Wikipedia].

Am nördlichen Ende flankiert der Lago di Mezzola den Comer See. In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Naturschutzgebiet „Riserva Naturale Pian di Spagna“, welches über 100 verschiedene Vögelarten beheimatet und zu Spaziergängen und Fototouren einlädt – abseits der schicken Gesellschaft am Comer See. Vögel bekomme ich  mit meinen kurzen Brennweiten zwar nicht eingefangen, aber jede Menge anderer interessanter Dinge.

Spirale. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Spirale. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

UFO. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

UFO. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/5.0.

Ich habe in diesem Beitrag natürlich nur einen ersten Auszug gezeigt und zudem nur Farbbilder, obwohl für mich die etwas heruntergekommene Architektur Italiens ein typisches Schwarz-Weiß-Sujet darstellt. Daher werde ich nächste Woche noch ein paar Beiträge und auch  Schwarz-Weiß-Bildern veröffentlichen.

Seid also gespannt…

LiK

Die guten alten Zeiten – Streulichtblende ist nicht gleich Streulichtblende

Die Streulichtblende (manchmal auch fälschlicherweise als Gegenlichtblende bezeichnet), stellt ein Zusatzelement des Objektives dar, welches leider viel zu oft unterschätzt wird. Nur allzu oft sehe ich verkehrt montierte Streulichtblenden – warum entzieht sich meiner Kenntnis bis heute. Wie dem auch sei – eine Streulichtblende macht auch bei höchst-vergüteten Linsenelementen und entsprechenden Objektiven Sinn. Bei den Leica Summicron- und Summilux-Objektiven wird die Streulichtblende mitgeliefert. Leider ist diese beim Summicron 35 mm ASPH. nur aus Plastik und hat eine Form, die eher an eine russische Konstruktion erinnert als eine deutsche feinmechanische Meisterleistung.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und originaler Streulichtblende.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und originaler Streulichtblende.

Bei den früheren 35er Summicrons wurde noch eine aus Metall gefertigte Streulichtblende mitgeliefert – damals sogar noch als schöne lamellenförmige Konstruktion. Und genau diese Streulichtblenden sind heute begehrte Sammlerstücke, die über ebay und den Gebrauchthandel vertrieben werden. Bereits seit ca. 1 Jahr bin ich auf der Suche nach einem solchen Teil. Wie durch Zufall entdeckte ich ein gut erhaltenes Exemplar im niederländischen Online Shop von Marco Schouten – http://www.schouten-select.com/. Ich nahm Kontakt auf und musste erfahren, dass das Objekt der Begierde leider schon vergeben war, aber eine zweite Blende gerade „reingekommen“ sei. Marco schickte mir schnell ein paar Bilder, wir verhandelten den Preis und schon war alles fixiert. Ich kann den Shop also nur ausdrücklich empfehlen!

Leica M mit Summicron-M 35 mm und "alte" Streulichtblende.

Leica M mit Summicron-M 35 mm und „alte“ Streulichtblende.

Das Bild und der entsprechende Vergleich zeigt es deutlich, dass die alte Form der Streulichtblende einfach besser zur Gesamtkonstruktion von Leica M und Summicron passt. Es gibt heute übrigens 4 Typen von Streulichtblenden für dieses Objektiv: Typ 12526 (die originale Plastikblende inklusive Schutzkappe, wie sie im Lieferumfang meines Objektives inkludiert war), Typ 12524 (der Vorgänger der heutigen Plastikblende, damals noch ohne Schutzkappe), Typ 12504 (die „alte“ Metallblende wie sie 1967 eingeführt wurde und wie ich sie erworben habe) und Typ 12585 (eine „alte“ Metallblende, welche eine etwas längere Bauform hat). Interessant auch, dass Leica alle aktuellen Sondereditionen des Summicron-M 35 mm (zum Beispiel als Teil der neuen Leica M Lenny Kravitz Edition oder der Leica M Safari) mit der Streulichtblende des Typs 12504 ausstattet.

Typ 12504 zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass die Blende in zwei Hälften zerlegt werden und einen entsprechenden Filter aufnehmen kann. Den eigentlichen Job, nämlich Streulicht verringern oder gar beseitigen, erledigen alle diese Streulichtblenden gleich gut. Warum Leica über die Jahre für die gleiche Objektivkonstruktion (bzw. nur leicht unterschiedliche Designs) so viele unterschiedliche Streulichtblenden entworfen und produziert hat, ist mir ein Rätsel. Eine gute Auflistung der Streulichtblenden und kurze Erklärungen finden sich hier.

Der Blick durch den Messsucher ändert sich übrigens nicht wesentlich. Zum Vergleich hier die beiden Arten von Streulichtblenden mit entsprechendem Messsucherbild.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12526.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12504.

Blockade des Messsuchers durch die Streulichtblende 12504.

Wo liegen also die Vorteile der „alten“ Streulichtblende vom Typ 12504? Definitiv hat sie eine höhere Stabilität aufgrund der Metallkonstruktion. Mit Sicherheit gibt sie dem Objektiv ein angemessenes wertiges Aussehen.  Der Nachteil ist, dass es keinen Objektivdeckel zur Streulichtblende gibt – hier will ich aber weiter recherchieren und eine Lösung finden. Nachteil ist auch, dass das Objektiv mit angesetzter Streulichtblende nun nicht mehr in den originalen Objektivköcher passt.

Jeder muss also für sich entscheiden, welchen Typ und welche Art von Streulichtblende er bevorzugt. Ich werde in den nächsten Wochen definitiv die 12504 zu meinem Standard machen – ob dies auch langfristig so bleibt, wird sich zeigen.

LiK

The Beauty and the Beast – Kleiner Erfahrungsbericht zur Leica T

Bevor die Leser jetzt vom Hocker fallen und denken, ich hätte meine geliebte Leica M gegen eine Leica T getauscht: weit gefehlt! Ich nutzte vor ein paar Tagen aber die Gelegenheit, die Leica derzeit bietet, und testete eine Leica T.

Die Leica T wurde 2014 eingeführt, ist also fast genau ein Jahr am Markt. Das T-System bedeutete für Leica ein erhebliches Risiko, da es praktisch einen Neuanfang bzw. eine Neuentwicklung darstellt. Und so entschied man sich bei Leica, die Sache mal ganz anders anzugehen. Das Herz des Systems ist ein Uni-Body, also ein Gehäuse, das aus einem vollen Alublock gefräst wird. Dies ist im Maschinenbau und Gerätebau heute nichts besonderes, man muss sich aber doch die Frage stellen, ob dies für eine Kamera der richtige Ansatz ist.

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Das Kameragehäuse der Leica T wird aus einem vollen Alu-Blick gefräst. Quelle: Photoscala.

Apple hat das Uni-Body-Design im Consumer-Bereich bekannt gemacht und schwört bei vielen Geräten auf diese Technik. Natürlich, sie ist hübsch! Und wie! Das schlanke Gehäuse wirkt fast filigran, aber liegt trotzdem relativ stabil und fest in der Hand. Die Verarbeitung ist Leica-typisch hochwertig und so macht es einfach Spaß, die Kamera in den Händen zu halten und mit ihr zu arbeiten.

Kurz ein paar technische Details. In der Kamera steckt ein APS-C-Chip mit 16,5 Mio. Pixel. Die Bedienung erfolgt fast ausschließlich über das rückseitige Display, welches 3,7 Zoll misst. Zusätzlich hat die Kamera noch zwei Einstellräder, einen Auslöseknopf und einen Knopf, um Videoaufnahmen zu starten. Das war’s! Mehr Bedienelemente sind nicht vorhanden. Als Schutz gibt es noch den sog. Leica Snap T, welcher eine Art Schützhülle für die T darstellt. Ich hatte ein solches Teil in Orange dabei (sieh Bilder unten). Alle technischen Details zur Kamera finden sich hier.

Anbei nun einfach mal ein paar Bilder vom System, inkl. eines Größenvergleichs zur Leica M.

IMG_20150403_155526IMG_20150403_155636IMG_20150403_154807 IMG_20150403_155042Natürlich gehört zu einer Kamera auch ein Objektiv. Die Leica T verfügt über ein Wechselobjektivsystem, welches derzeit aus 4 Objektiven besteht: 55-135mm, 11-23 mm, 23 mm und einem 18-56 mm. Das letztgenannte stand mir für den Test zur Verfügung. Leider sind alle Objektive (bis auf das 23 mm) relativ lichtschwach – Anfangsöffnung meist 3,5 bis 4,5 (5,6), abhängig von der Brennweite. Alle Objektive verfügen über ein Autofokussystem, was sie auch deutlich schwerer und größer als die typischen M-Objektive macht. Die Bilder oben zeigen auch deutlich, dass die T eigentlich nicht wirklich kompakter als die M geraten ist – mit angesetztem Objektiv ist sie sogar deutlich größer (für mich eine kleine Enttäuschung).

Kurz zum Handling: Die Kamera liegt (wie bereits angedeutet) extrem gut in der Hand. Ich hatte die Befürchtung, dass die Kanten zu scharf sind und die Kamera daher „ungemütlich“ ist – dies trifft nicht zu! Mit dem T-Snap wird die Kamera noch ein bisschen griffiger, büst aber deutlich an „Schönheit“ ein. Bedient wird die Kamera fast vollständig über das Display. Und auch hier muss ich mein Vorurteil revidieren: die Bedienung ist flüssig, logisch und sehr durchdacht. Über zwei frei programmierbare kleine Wahlräder kann man Parameter schnell und leicht ändern. Kurzum: Handling und Bedienung sind 1A. Einziger negativer Punkt bei der Bedienung der Kamera war der Zugang bzw. der Start der Bildwiedergabe. Diese erfolgt durch eine „Wischgeste“ am Display (von oben nach unten, oder von unten nach oben). Dies habe ich als sehr mühsam und unpraktisch empfunden.

L1000056Negativ ist leider der Schultergurt aufgefallen, der aus Kautschuk besteht. Er ist zwar angenehm geformt und auch leicht dehnbar, zieht Dreck und Staub aber magisch an. Bereits nach wenigen Stunden klebten Haare und Staubteilchen daran: nobel sieht anders aus!

Kurz zu meiner Fototour: Ich zog mit der Kamera durch Freiburg und die Randbezirke, versuchte sie kennen zu lernen und ihre Stärken und Schwächen auszuloten. Ich arbeitete dabei mit dem oben erwähnten Objektiv und ohne externen Sucher. Bevor ich darauf im Detail eingehe, einfach ein paar Bilder.

L1000060 L1000066 L1000104Es lässt sich bereits an den wenigen Bildern erkennen, dass sich die Qualität sehen lassen kann. Farben sind ausgewogen, keine überzeichnete Schärfe. Kurzum: alles so wie man es von Leica erwartet. Fotografiert habe ich parallel im RAW- und JPG-Format. Auch die JPGs zeigten bereits eine sehr ansprechende Bearbeitung auf – Bilder also, die sich durchaus direkt aus der Kamera verwenden lassen.

Nun aber kurz zu den Punkten, die mir besonders aufgefallen sind – einfach mal stichpunktartig zusammengefasst.

Was gefiel mir gut:

  • Das Teil sieht einfach nur extrem genial aus. Es macht Spaß, die Kamera in den Händen zu halten, sie zu bedienen, mit ihr durch die Gegend zu ziehen.
  • Die Bedienung ist völlig anders als bei anderen Kameras, aber extrem gelungen. Das Touchscreen und die entsprechende Bedieneroberfläche machen Spaß.
  • Das Auslösegeräusch ist extrem leise und klingt sehr wertig. Sie klingt nicht ganz so sexy wie meine M, aber kommt ihr schon sehr nahe.
  • Die Bildqualität ist extrem gut. Die Farben sind ausgewogen, die Detailwiedergabe beeindruckend und der Kontrastumfang gut. Dies spricht auch eindeutig für das verwendete Objektiv.
  • Das Fotografieren über das Display funktioniert erstaunlich gut. In keiner Situation hatte ich das Bedürfnis, einen externen Sucher verwenden zu müssen, wenngleich das echte M-Feeling natürlich nicht aufkommen wollte.

Was gefiel mir nicht:

  • Hätte mir eine deutlich kompaktere Kamera gewünscht – der Größenvergleich mit der M zeigt es: kompakt sieht anders aus!
  • Nach schnellen Bildfolgen „blockiert“ die Kamera für mehrere Sekunden (Schreibmodus) völlig. Man sollte zumindest neue Objekte über das Display anvisieren können – das Schreiben/Speichern der Bilder müsste im Hintergrund laufen.
  • Die Wiedergabe der Bilder ist durch die „Wischgeste“ etwas mühsam zugänglich – ein echter „Play-Knopf“ würde der Kamera gut tun.
  • So schön Alu auch ist, so schnell zerkratzt es. Ich möchte Kameras sehen, die mehrere Jahre im Einsatz waren – Kratzer sind leider alles andere als schön (die typische „M-Patina“ ist hier nicht zu erwarten).
  • Die Schutzhülle T-Snap muss für das Wechseln der Batterie und der Speicherkarte jedes Mal abgenommen werden. Zudem lässt sich dieses Biest nur sehr schwer von der Kamera lösen. Leider eine völlig unzureichende Lösung!
  • Der Kameragurt ist aus Kautschuk und zieht Staub und Dreck magisch an. Ist nicht nur unhübsch, sondern auch noch ziemlich unpraktisch.
  • Die derzeit erhältlichen Objektive sind zu lichtschwach – bitte mehr Festbrennweiten mit großer Blendenöffnung.

L1000070 L1000113Abschließend lässt sich sagen, dass sich Leica einiges vorgenommen hat und ein völlig neues Kamerasystem anbietet. Derzeit ist das Angebot an Objektiven noch klein – bei einem Verkaufserfolg werden aber sicher einige neue Objektive folgen. Die Entscheidung, auf ein Uni-Body-Design aus Alu zu gehen, ist umstritten, stellt derzeit im Kamerasektor aber sicher ein Alleinstellungsmerkmal dar. Ob es für den Fotografen auf Dauer die beste Lösung ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass die Kamera mit 1.500.-€ sicher nicht billig, der Preis für eine in Europa gefertigte Kamera aber sicher gerechtfertigt ist. Etwas Sorgen bereiten mir aber eher die in Japan gefertigten Objektive (Hersteller ist mir unbekannt!), welche auch mit Preisen um die 1.500.-€ zu Buche schlagen. Die Qualität der Verarbeitung ist sehr gut und auch optisch lässt sich nichts aussetzen, aber die Lichtstärke ist für mich derzeit nicht akzeptabel.

Stellt sich die Frage, ob die Leica T eine Berechtigung am Markt und eine Chance zum Überleben hat. Ich denke, in der derzeitigen Situation und Systemausbaustufe wird es schwer werden – Leica muss dringend nachlegen. Einige lichtstarke Festbrennweiten würden dem System gut tun, wenngleich natürlich schon jetzt die Möglichkeit der Nutzung der M-Objektive besteht. Die Kamera muss sich in diesem Preissegment unter anderem mit der Olympus OM-D und der Sony A7 (II) messen. Ein direkter Vergleich zeigt deutlich, dass jede Kamera ihre Vor- und Nachteile hat, die Leica T die anderen beiden aber wohl nur im Bereich „Bedienkonzept“ und „Design“ übertrumpfen kann. Reicht dies aus, um einen Markterfolg einzufahren? Nein! Ich denke auch nicht, dass die Sensorgröße der entscheidende Faktor sein wird (der Erfolgt der OM-D zeigt dies deutlich). Die Antwort ist wohl ziemlich einfach: Das Gesamtpaket muss besser und attraktiver werden – auch wenn der Ansatz schon sehr gut ist. Mehr Objektive, bessere Serienbildfunktion, leichte Anpassung beim Bedienkonzept (Play-Funktion!), und besseres Zubehör! That’s it!

Ich bin mir aber sicher, dass Leica das System zu Erfolg führen will/kann.

LiK

Regen, Wind und … Marathon

In den letzten Jahren habe ich ja schon einige Marathon fotografisch begleitet. Aber der 29. März 2015 sollte ein ganz spezieller Tag sein. So einen Lauf stellt man sich immer unter Sonnenschein vor…Menschen die am Straßenrand die Läufer anfeuern und begeisterte Läufer die im Lichte des Frühlings ihre Kilometer abstrampeln. Nun ja! Am 29. März war nun alles anders: Außentemperatur um die 7°C, leichter Regen bereits am Start und ein Wind, der sich später zum Orkan auftürmte und über Europa fegen sollte. Niemand ist zu beneiden, der bei diesem bescheidenem Wetter einen Marathon laufen soll/will/muss. Trotzdem kamen über 11.000 „Verrückte“ nach Freiburg und liefen! Die Zeiten standen dabei natürlich nicht mehr im Mittelpunkt. So mancher Läufer verlief sich bei diesem Wetter sogar, lief bereits beim Halbmarathon ins Ziel, kehrte um, und brachte den Marathon zu Ende. Ein stürmischer Tag im wahrstem Sinne des Wortes!

Ich begleitete die Läufer und schoss mit meiner Leica M ein paar Bilder. Dabei konzentrierte ich mich auf die speziellen Momente des Laufs: ich wollte herausarbeiten wie anstrengend so ein Lauf doch ist, die Geschwindigkeit und den Kampf in den Mittelpunkt stellen. Fünf Bilder möchte ich euch zeigen.

Das erste Bild entstand bei einer Versorgungsstation, wo es für Läufer (und Fotografen!) Trinken gab.Ich wartete einige Zeit ab, bis sich ein Läufer so bewegte wie ich es mir vorstellte. Ich fokussierte bereits vorab auf die Trinkbecher, sodass ich im richtigen Moment nur noch abdrücken musste. Die Bearbeitung in Schwarz-Weiß lässt die leichte Unschärfe etwas weniger ins Gewicht fallen und fokussiert das Auge des Betrachter etwas mehr auf den Becher und die Hand des Läufers. Trotz aller Unzulänglichkeiten des Bildes ein schöner und emotionaler Moment.

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Durst! Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/2.0.

Die nächsten beiden Bilder haben das Ziel die Geschwindigkeit eines solchen Laufes in den Vordergrund zu stellen. Ein Marathon ist kein Sprint, trotzdem ist die Geschwindigkeit beachtlich. Also habe ich mich neben der Strecke positioniert und die Kamera mit den Läufern mitgezogen. Dabei wählte ich eine Belichtungszeit, die im Bereich von einer viertel bis achtel Sekunde lag. Ziel war nicht die scharfe Abbildung der Läufer, sondern die Darstellung der Dynamik. Besonders das zweite Bild mit seinen Farben ist meiner Meinung nach richtig gut gelungen.

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Speed #1. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

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Speed #2. Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/4.0.

Die nächsten beiden Bilder entstanden im Ziel, unmittelbar nach Einlaufen des MaraToni. Mit 4:30 Stunden blieb er zwar einiges über seiner erhofften Zeit, aber er bewältige Wind, Regen und den Streckenverlauf bravourös. Die Strapazen und die Anstrengung wird deutlich – Bilder sagen mehr als 1.000 Worte. Besonders das zweite Bild, mit seinem Kontrast zwischen lächelnder Staffelläuferin und unzufriedenem Marathonläufer finde ich gut getroffen.

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Ausgepowert! Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/3.5.

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Zufreiden?! Fotografiert mit Leica M und Summicron-M 35 mm @ f/3.5.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass sich das Wetter wohl nur selten nach dem Sportevent richtet. Hätte der Marathon nur 2 Tage später stattgefunden, hätte er wohl abgesagt werden müssen (Orkan Niklas)! So sind wir alle froh, dass alles gut gegangen ist und die Läufer inkl. MaraToni heil und gesund im Ziel angekommen sind.

LiK

Neues von der Surrealografie

In den letzten Wochen hatte ich etwas Zeit mich wieder mit meiner neuen Liebe, der Surrealografie, zu beschäftigen. Wenn jemand nicht weiß, was das ist, bitte diesem Link folgen. Es ging also wieder in den Wald, und es wurde experimentiert – gezogen geschwenkt, gewackelt! Kurzum: ich hatte meinen Spaß mit der Kamera, dem Ergebnis und mit mir selbst. Zwei Bilder will ich wieder hier zeigen…keine leichte Kost, nehmt euch Zeit hinein zu tauchen. Es lohnt sich!

Die Fortsetzung der Surrealografie #1.

Die Fortsetzung der Surrealografie #1.

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Die Fortsetzung der Surrealografie #2.

Beide Bilder sind sich sehr ähnlich, sind aber doch auch sehr verschieden (ich weiß, klingt sehr philosophisch!). Ich möchte an dieser Stelle nicht interpretieren, aber speziell das zweite Bild wirkt auf mich wie das Segment einer Spirale. Fast wie die Ringe eines sehr alten Baumes: the Circle of Life. Ok, jetzt höre ich wirklich auf!

LiK

Meckern auf hohem Niveau – Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH.

Wie bereits letzte Woche geschrieben, hatte ich am Bodensee ausgiebig Zeit mein neues Objektiv Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH zu testen und es kennen zu lernen. Das Objektiv wird an meiner Leica M (Typ 240) betrieben (für jene Leser, welche diesen Blog nicht regelmäßig verfolgen). Ich möchte nachfolgend keinen Testbericht wiedergeben, sondern einfach meine sehr persönlichen Beobachtungen schildern.

Vorneweg sei erwähnt, dass die optische Qualität des Objektives hervorragend ist – in vielen Tests, Blogbeiträgen und Artikeln wird dies belegt und beschrieben. Es gibt also nichts zu meckern, außer man meckert auf extrem hohem Niveau. Was ich gerne tun möchte! Ich kenne den Weitwinkelbereich zwischen 17 und 24 mm relativ gut aus meiner Canon-Zeit und weiß daher gut wie man diesen Brennweitenbereich einsetzen kann und darf und auf was man besonders achten sollte.

Verzeichnung

Ich muss zugeben, dass durch meine bevorzugte Nutzung der Brennweitenbereiche von 35 mm und 50 mm, Bilder mit dem neuen 21er auf mich durchaus einen etwas seltsamen Eindruck machten. Ich fragte mich relativ schnell, warum denn plötzlich alles so flach wirkt, und wo denn die Leica-typische „3D-Darstellung“ bleibt. Ein Tele-Objektiv verdichtet den Raum und sorgt dafür, dass alles sehr plastisch wirkt; ein Weitwinkel hingegen lässt auch kurze Distanzen plötzlich unendlich wirken. Dadurch kommt es plötzlich zu einer Verzerrung des Bildes, welche sich primär auf die Tiefen-Wahrnehmung auswirkt. Durch die kurze Brennweite entstehen aber auch baulich bedingte Abbildungsfehler des optischen Systems, welche zu einer lokalen Veränderung des Abbildungsmaßstabes führen. Die Maßstabsänderung beruht auf einer Änderung der Vergrößerung mit zunehmendem Abstand des Bildpunktes von der optischen Achse. Diese Verzeichnung ist rotationssymetrisch um das sog. Verzeichnungszentrum. Soweit zur Theorie. Was bewirkt dies aber? Diese Abbildungsfehler erzeugen wahrnehmbare Verzerrungen im Bild. Parallele Linien laufen dadurch nicht mehr parallel, senkrechte Linien laufen nicht mehr senkrecht oder horizontale nicht mehr horizontal. Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht den Effekt eindrucksvoll.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Bei Objektiven mit Verzeichnung wird ein Rechteck nicht maßstabsgetreu abgebildet. Quelle: Wikipedia.

Warum sind nun nicht alle Objektive von dieser Verzeichnung betroffen? Sind sie leider doch! Je kleiner die Brennweite, desto deutlicher der Verzeichnungseffekt. Beim Fischaugenobjektiv ist dieser Effekt sogar gewünscht.

Die gute Nachricht ist nun, dass man die Verzeichnung relativ gut rechnerisch beseitigen kann. Kennt man das geometrische Modell des Objektives, so kann man die Verzeichnung leicht beseitigen. Das unten stehende Bild zeigt die Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs bei einer Fokussierung auf eine Entfernung von einem Meter. Die Zahlen an den Isolinien geben den Betrag der Korrektur in Mikrometern an. Die Länge der Pfeile entspricht der fünfzehnfachen Länge der Korrektur. Die Koordinaten u und v sind die Bildkoordinaten bezogen auf die Bildmitte (Quelle: Wikipedia). Es zeigt sich also deutlich, dass die Verzerrung zum Rand hin deutlich ansteigt und Extremwerte in den Ecken erreicht.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Verzeichnung eines 20-mm-Objektivs. Quelle: Wikipedia.

Heute arbeiten Hersteller meist mit einer kamera-internen Reduktion der Verzeichnung. Dazu wird das Objektiv entsprechend codiert (gekennzeichnet) und damit von der Kamera automatisch identifiziert. Die hinterlegten Korrekturwerte können dann bereits beim Schreiben des Bildes angebracht werden. Bei vielen Herstellern erfolgt diese Korrektur übrigens auch bei RAW-Bilder (man sollte also den Begriff „Raw“ nicht unbedingt als Indiz dafür nehmen, dass es tatsächlich völlig unbearbeitete Bilder sind). Leica scheint hier übrigens eine andere Linie als die großen Hersteller aus Asien zu fahren. Speziell Canon, Nikon und besonders Sony korrigieren in der Kamera unglaublich viele Dinge – der Fotograf bekommt also ein deutlich verändertes/bearbeitetes RAW-File geliefert. Man sollte sich bei einer Leica-M also bewusst sein, dass man mit der baulich bedingten Verzeichnung leben muss, oder in der Nachbearbeitung selber Hand an legen muss. Als Beispiel sei auf das Bild unten verwiesen.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungwöhnlich, besonders nicht wenn Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden.

Verzeichnung bei einem 21 mm Objektiv ist nicht ungewöhnlich. Besonders auffällig, wenn vertikal verlaufende Objekte im oberen oder unteren Bereich positioniert werden (z. B. Stelzen des Pier).

Man erkennt deutlich, dass man sehr vorsichtig damit umgehen sollte, vertikal oder horizontal verlaufende Objekte in den oberen oder unteren Bereich des Bildes zu setzen, besonders in die entsprechenden Ecken. Das Pier im Bild wird deutlich verzerrt, die senkrechten Stelzen kippen förmlich nach außen. Viele Bildbearbeitungsprogramme korrigieren diese Effekte bereits beim Importieren der Bilder, sodass auch hier der Fotograf bevormundet wird. Da ich mit Darktable arbeite, kann ich sehr individuell entscheiden, ob ich eine Korrektur anbringen will oder nicht (andere Software lässt dies natürlich auch zu, versteckt die Option nur manchmal etwas zu gut). Ein guter Weg Objektive zu korrigieren/kalibrieren ist beispielsweise die Generierung von Korrekturprofilen mit Hugin und die entsprechende Nutzung der Profile in Darktable (ich werde diesen Prozess in den nächsten Woche hier im Blog im Detail beschreiben).

Vignettierung

Neben der Verzeichnung ist sicher die Vignettierung der auffälligste Effekt, der mit abnehmender Brennweite immer stärker wird. Auch die Vignettierung kann bei bekanntem geometrischen Modell des Objektives gut korrigiert werden und wird dementsprechend von vielen Herstellern bereits beim Speichern der Bilder automatisch korrigiert – so auch von Leica. Bereits in den Raw-Daten ist die Vignettierung weitgehend beseitigt. Das Leica Super-Elmar-M 21 mm vignettiert im übrigen nur sehr minimal (dies kann man auch den entsprechenden Messdiagrammen entnehmen). Daher soll auf diesen Effekt hier nicht weiter eingegangen werden. Das Ausmaß der Vignette ist übrigens stark von der Blende abhängig. Je großer die Blende (kleine Blendenzahl) desto geringer die Vignettierung (siehe Abbildung, Quelle: Markus Schopfer, Wikipedia).

Blende

Die Vignettierung stellt heute bei den meisten Objektiven kein großes Problem dar. Zusätzlich ist die Vignettierung zu einem stilistischen Mittel geworden und wird oft sehr bewusst eingesetzt.

Gegenlicht

Für jemanden der gerne direkt zur Sonne ausgerichtet fotografiert, ist das Verhalten des jeweiligen Objektives bei Gegenlicht extrem wichtig. Die Linsen- und Glasqualität spielt besonders bei Gegenlicht eine wichtige Rolle. Verfärbungen, Schleier und Schlieren sind  das gewohnte Bild bei billig gefertigten Objektiven. Wie nicht anders zu erwarten spielt das Leica Super-Elmar 21 mm hier in der absoluten Top-Liga. Leica verbaut die besten Glassorten in ihren Objektiven, und so ist es nicht verwunderlich, dass Gegenlicht eine ganz wunderbare Lichtstimmung erzeugt. So soll es sein! Beobachten kann man dies im unten stehenden Bild.Unterhalb der Sonne kann ein leichter roter Schleier beobachtet werden (verstärkt wohl auch durch die Lichtbrechung/-verfärbung an der Wolke) – nicht weiter störend. Das Verhalten des Objektives insgesamt aber sensationell.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

extremes Gegenlicht macht dem Super-Elmar-M 21 mm nichts aus.

Chromatische Aberration

Was sich bei dieser Gegenlichtaufnahme aber relativ gut beobachten lässt ist das Auftreten von Chromatischer Aberration. Der Brechungsindex von Glas hängt von der Wellenlänge des Lichtes ab. Dies wird Dispersion genannt und verursacht die sog. chromatische Aberration. Im Bild sichtbar wird dies durch Farbsäume, also Verfärbungen an Kanten und Schärfenebenen. Meist entstehen rote oder grüne Farbsäume vor oder hinter der eigentlichen Schärfenebene. Im oberen Bild sieht man diesen Effekt im Bereich der weiß schimmernden Wasserfläche (vordere Bildmitte). Chromatische Aberration ist ein Effekt von dem die Leica M stärke betroffen ist als Spiegelreflexkameras, da das Auflagemaß (Abstand Sensor zu Befestigung des Objektiv) geringer ist und die Lichtstrahlen daher wesentlich flacher auf den Sensor treffen. Leica hat diesem Umstand bei der M (Typ 240) durch eigene Mikrolinsenelemente, welche über dem eigentlichen Sensor sitzen, speziell geformt wurden und dadurch eine entsprechende Lichtbrechung unterstützen, Rechnung getragen. Trotzdem hat besonders die verwendete Brennweite einen ganz erheblichen Einfluss auf diesen die Chromatische Aberration. Chromatische Aberration kann mit heutiger Bildverarbeitungssoftware aber relativ gut beseitigt werden. Ein Absenken des Rotkanals bzw. des Rotanteils im Bild reicht meist schon aus.

Das Problem mit dem Sucher

Die Leica M und ihr optischer Sucher ist nun mal nur für Brennweiten bis zu 28 mm ausgelegt. Bei kürzeren Brennweiten muss ein externer Sucher oder der Live View (LV) verwendet werden. Klappt auch alles wunderbar! Bei der Verwendung des LV ergab sich für mich aber ein eindeutiges Aha-Erlebnis. Die Leica M erlaubt nämlich einen eigenen Belichtungsmodus für den LV zu konfigurieren, der bei aktiviertem LV genutzt wird. Arbeitet man beispielsweise immer mit der mittenbetonten Belichtungsmessung, wählt in der Konfiguration für den LV aber die Mehrfeldmessung, so kann man zwischen den zwei Modi durch aktivieren des LV blitzschnell umschalten. Gerade mit einem Weitwinkel macht oft eine Mehrfeldmessung mehr Sinn als eine mittenbetonte Messung. Ein lästiges Umstellen des Belichtungsmodus entfällt also, wenn man die Lösung mit dem LV nutzt. Genial und einfach!

Und was bleibt am Ende?

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass das Fotografieren mit einem Weitwinkel Übung braucht. Wie jede andere Brennweite, muss auch der Weitwinkel besonnen und gekonnt eingesetzt werden. Auf keinen Fall sollte es zu einer inflationären Nutzung dieser Brennweite kommen: weniger ist oft mehr. Ab und an ein Bild mit einem Weitwinkel lockert eine Präsentation auf und beeindrucken den Betrachter. Zu viele Weitwinkelbilder stumpfen den Betrachter aber schnell ab. Spannung lässt sich durch eine bewusste Nutzung des Vordergrundes erzeugen; auch hier empfiehlt sich aber ein vorsichtiges Herantasten und eine sehr gezielte Nutzung dieser Strategie.

Das Leica Super-Elmar-M 1:3,4/21 mm ASPH. ist aber definitiv eine Bereicherung und ein durchgehend beeindruckendes Objektiv. Nur sehr wenige Lichtsituationen bringen es ein wenig aus dem Tritt (z. B. extremes Licht erzeugt leichte chromatische Aberration) – der Vergleich mit anderen Objektiven anderer Hersteller dieser Brennweite zeigt aber deutlich wie gut und ausgereift das optische Konzept und die entsprechende Konstruktion ist. Leica hat sich mit diesem Objektiv viel Zeit gelassen – das Ergebnis kann sich sehen lassen. Hut ab!

Ich hoffe diese Zeilen haben euch Spaß gemacht und ihr habt genau so viel gelernt wie ich dabei.

LiK