Es gibt Orte, an denen man automatisch langsamer wird. Nicht weil es ruhig wäre, ganz im Gegenteil. Sondern weil gleichzeitig so viel passiert, dass das Gehirn irgendwann einfach kapituliert und beschließt: „Gut. Dann schauen wir uns eben alles an.“
Genau so fühlen sich die Märkte in Seoul an.
Plötzlich riecht alles gleichzeitig. Gegrilltes Fleisch. Fisch. Gewürze. Irgendetwas Süßes. Irgendetwas Fermentiertes. Und irgendetwas, bei dem man lieber nicht zu genau nachfragt, solange es gut schmeckt.
Die Märkte in Seoul sind kein Ort für stille Beobachtung. Sie sind laut, eng, hektisch und vollkommen lebendig. Menschen schieben sich an dampfenden Töpfen vorbei, Händler rufen durcheinander, irgendwo zischt Öl in einer Pfanne und neben dir fotografiert vermutlich gerade jemand sein Essen .
Ich hätte dort vermutlich Tage verbringen können. Nicht nur wegen des Essens, obwohl das alleine schon ein sehr überzeugendes Argument wäre, sondern wegen dieser unglaublichen Energie. Alles wirkt improvisiert und gleichzeitig perfekt eingespielt. Ein kontrolliertes Chaos mit erstaunlich gutem Geschmack.
Für Streetfotografie sind diese Märkte fast schon unfair. Hinter jeder Ecke passiert etwas. Licht fällt durch alte Plastikdächer, Menschen lachen, essen, diskutieren. Hände greifen nach Nudeln, Dampf zieht durch schmale Gänge und irgendwo sitzt ein älterer Herr völlig entspannt zwischen tausend Tüchern, als wäre das alles das Normalste der Welt.
Für mich ist es ein visuelles Abenteuer. Für die Menschen dort einfach Dienstagnachmittag.
Auch fotografisch waren diese Orte ein Traum. Viel Kontrast, harte Lichtquellen, unruhige Szenen und ständig Bewegung.
Die Bilder aus diesem Teil zeigen deshalb weniger „den Markt“ als vielmehr das Gefühl dort zu sein: dieses permanente Treiben, die Wärme, das Licht, das Chaos und die Erkenntnis, dass man definitiv hungrig einkaufen geht und mit noch mehr Hunger wieder herauskommt.







Euer Alex

Märkte sind bei uns quasi ausgestorben.
Es gibt noch spezialisierte.
Aber solche wo man alles finden kann, eher selten.
Ich frage mich immer: Wer kauft bei solchen Märkten ein?
Natürlich ist es vorstellbar sich eine scharlachrote Krawatte zu kaufen
und danach gegrillte Hühnerklauen zu verspeisen.
Natürlich würde scharfe Soße dazu serviert werden,
die wiederum auf der neuen Krawatte landet.
Das bekommt man nie wieder raus.
Aber der Typ hatte doch noch eine rosa Krawatte?
Also wer kauft dort ein?
Leute auf der Suche nach einem guten Geschäft, einem Good Deal?
Möglich.
Seoul erinnert etwas an unsere alte Welt.
Hi Rob,
also Märkte werden dort tatsächlich eher wie Supermärkte gesehen. Man geht hin und kauft alles ein was man eben so braucht. Das gleiche habe ich in Spanien kürzlich mit Markthallen erlebt. Ich denke hier sind wir im DACH-Raum etwas „verdorben“ worden und sehen nicht mehr das Reale und Wahre in diesen Märkten.
Alex