Erfahrungsbericht zur Leica M (Typ 240) – Teil 2: Erste Erfahrungen

Nachdem ich nun seit gut 2 Wochen die Leica M mein Eigen nennen darf, will ich nun etwas konkreter meine ersten Erfahrungen schildern. Seht dies als rein subjektiven Bericht, der kein echter Test sein will/kann.

Ich möchte hier der Reihe nach auf folgende Dinge eingehen:

  • Bedienelemente und Fertigungsqualität
  • Bildqualität unter realen Bedingungen
  • Neue Firmware und die Folgen
  • Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Fertigungsqualität und Bedienelemente

Zur Fertigungsqualität habe ich mich ja bereits mehrmals positiv geäußert. Dies bleibt auch nach den 2 Wochen so. Ich sehe hier keinen einzigen Punkt, bei dem Leica nachbessern müsste. Es ist ein Genuss, am Belichtungsrad zu drehen, der Fokus am Objektiv lässt sich butterweich bewegen und die Blenden rasten satt sein. Man spürt schon beim Anheben der Kamera, dass es sich um eine sehr stabile Konstruktion handeln muss. Mit 680 Gramm ist sie zwar schwer, aber doch deutlich leichter als die meisten vergleichbaren Spiegelreflexkameras. Eine Nikon D800 mit 50 mm Objektiv (AF-S 1.4) wiegt 1.300 Gramm, die Leica M mit angesetzten 50 mm (1.4 ASPH) 1.015 Gramm. Auffällig auch die Baugröße der Kamera – kleiner bekommt man eine Vollformatkamera wohl nicht mehr hin. Hier hat Leica wahre Ingenieurkunst bewiesen.

Kommen wir zu den Bedienelementen. Hier hat Leica einiges anders bzw. besser gemacht im Vergleich zur M9. Zum einen sitzt ein 3“ Display auf der Rückseite der Kamera, zum anderen fallen die Bedienknöpfe deutlich größer aus, was auch die Handhabung etwas leichter macht. Nicht ganz glücklich bin ich mit der Tastenkombination, die für die Belichtungskorrektur notwendig ist (man muss den Knopf auf der Vorderseite der Kamera gedrückt halten, während man auf der Rückseite am Einstellrad dreht). Das neue „joystickartige“ Bedienelement auf der Rückseite finde ich persönlich sehr gelungen. Die Bedienung einer Kamera ist aber immer eine sehr persönliche Sache – am besten einfach mal selber ausprobieren und etwas rumspielen.

Bildqualität unter realen Bedingungen

Kommen wir also zum Wesentlichen: der Bildqualität. Bisher habe ich mit der M knapp 400 Bilder gemacht. Leider war das Wetter in den ersten Wochen nicht allzu gut – das Potential der Kamera lässt sich aber trotzdem schon mal recht gut abschätzen. Die Bilder entstanden in unmittelbarer Umgebung von Freiburg. Die Bilder sind noch alle mit der alten Firmware (1.1.0.2) entstanden – ein Vergleiche der alten und neuen Firmware und deren Resultate findet ihr am Ende dieses Beitrages.

Die erste Serie, die ich euch zeigen möchte, entstand bei einer kleinen Tour auf den Schauinsland (alle Bilder mit dem Summicron-M 35 mm ASPH). ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Konvertierung des zweiten Bildes in Schwarz-Weiß wurde mit Darktable vorgenommen.

L1000096_1L1000156_1L1000129Das folgende Bild wurde mit dem Summilux-M 50 mm ASPH gemacht. Schärfe und Detailwiedergabe sind schon ziemlich beeindruckend (auch wenn es hier im Blog durch die geringe Auflösung nicht ganz rüber kommt).

L1000196Und dann noch ein paar Bilder von einer nächtlichen Tour durch Freiburg. Alle Bilder wurden mit dem Summilux-M 50 mm ASPH geschossen (ISO-Werte bitte den EXIF-Daten entnehmen – werden durch Bewegen der Maus über die Bilder angezeigt). Bilder wurden nicht bearbeitet – der Beschnitt wurde teilweise angepasst.

L1000052Das erste Bild der Serie finde ich ziemlich beeindruckend. Sogar die Struktur der Kirche (das Freiburger Münster), das im unbeleuchteten Teil des Bildes liegt, ist leicht zu erkennen. Im Original kann ich sogar noch die Backsteine erkennen und Inschriften entziffern. Die M geht mit solchen Low-Light-Situationen sehr gut um, unter- oder überzeichnet keine Teile extrem, die Belichtung wirkt in ihrer Gesamtheit sehr ausgewogen. Auffällig ist, dass der obere Teil der Leuchte etwas überstrahlt – dieses Phänomen muss ich in Zukunft genauer beobachten.

L1000061Das zweite Bild beweist die Eignung der Kamera für Low-Light. Das Bild zeigt die Brauerei Feierling in Freiburg. Man sollte seinen Blick auf die Wandstruktur in der Mitte der beiden Fenster richten – der Putz wird dort mit seiner ganzen Feinheit perfekt abgebildet. Die Pflastersteine im Vordergrund überstrahlen nicht durch das relativ starke Licht, das nach außen fällt. Die Lichtsituation wird ausgeglichen und von der Farbtemperatur her perfekt. Der automatische Weißabgleich hat somit perfekt funktioniert – auch wenn es hier nicht allzu schwer war.

Folgende zwei Bilder wurden durch ein Schaufenster gemacht (Format wurde in Darktable angepasst, sonst wurde keine Bearbeitung vorgenommen).

L1000064L1000066Wieder zeigt sich bei beiden Bildern die Fähigkeit, sehr ausgewogen dunkle und helle Bereiche abzubilden. Die Lichtsituation kann nicht unbedingt als schwierig beschrieben werden – bei ähnlichen Situationen habe ich aber schon Kameras erlebt, die dann völlig über- oder unterbelichtet haben, sich von der hellen Schaufensterbeleuchtung täuschen haben lassen. Für mich immer wieder beeindruckend, wie perfekt die Schärfe dort sitzt, wo sie hin soll (im ersten Bild auf der Brille in der Mitte).

Die neue Firmware und die Folgen

Bei Auslieferung der M war klar, dass die interne Software wohl noch nicht ganz ideal und fehlerfrei war. Vor allem der automatische Weißabgleich lag bei Mischlicht gerne mal etwas daneben, Hauttöne wurden schon mal zu rötlich dargestellt und die Farbwiedergabe passte nicht immer 100%. Am 8. Oktober (als ich noch mitten im Verfassen dieses Beitrages war) veröffentlichte Leica eine neue Firmware (2.0.0.11). In diversen Foren wurde mit Begeisterung aufgenommen, was Leica nun aus der M zaubert – endlich scheinen die Farbwiedergabe und der Weißabgleich zufriedenstellend zu funktionieren und einer solchen Kamera gerecht zu werden. Um dies auch prüfen zu können, habe ich vor dem Update auf die neue Firmware ein paar kritische Aufnahmen gemacht, anschließend das Update aufgespielt und dann die selben Aufnahmen wiederholt. Die Aufnahmen liegen also zeitlich max. 10 Minuten auseinander und sind so wohl recht gut vergleichbar. Ein Beispiel möchte ich euch hier zeigen – das erste Bild schildert die Aufnahme mit der alten Firmware, die zweite Aufnahme mit der neuen Firmware.

L1000310L1000312 Was auffällt ist, dass die zweite Aufnahme etwas heller ausfällt und die Farben etwas realistischer sind (kann man rein aus den Bildern nicht bewerten, ich weiß aber recht genau, wie das Ding in Wirklichkeit aussieht!). Die erste Aufnahme hat eine leichte Tendenz ins Blaue, wobei die zweite Aufnahme etwas neutraler wirkt.

Die anderen Aufnahmen (die ich hier nicht zeigen werde) zeigen:

  • Hauttöne werden realistischer dargestellt
  • keine Probleme mehr mit Rot- oder Grüntönen
  • Mischlicht wird besser abgebildet (kein Hang mehr zum Blauen hin)

Eine Zusammenfassung, was Leica alles nachgebessert hat, findet sich hier.

Und hier noch ein paar ganz allgemeine Aufnahmen, die ich mit der neuen Firmware gemacht habe.

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L1000383L1000409L1000426

Probleme und Verbesserungsvorschläge (aus jetziger Sicht)

Dinge, die in Foren kritisch angemerkt wurden, die sich für mich aber relativieren:

  • „Kamera benötigt 2-3 Sekunden, bis sie nach dem Einschalten einsatzbereit ist.“ Da dieses Problem von langsamen Speicherkarten ausgelöst wird, habe ich mir (auf Hinweis in diversen Foren) eine sehr schnelle SD-Karte zugelegt (SanDisk Extreme Pro SDXC 64GB Class 10). Damit fällt die Einschaltzeit nicht länger als bei der Canon 1Ds aus. Für mich also kein Problem.
  • „Die Bodenplatte muss abgenommen werden, um die Batterie zu wechseln“. Da die Batterieleistung der M nun dermaßen gut ist, finde ich die Lösung mit der Bodenplatte eigentlich recht gut. Sie gibt der Kamera sehr viel mehr Stabilität. Für mich also eher ein positiver als ein negativer Punkt der Kamera.

Was ich kritisch anmerken möchte (und was auch schon andere in Foren getan haben):

  • Das Anbringen einer Belichtungskorrektur ist mir durch das Drücken der Fronttaste und Drehen des Einstellrades zu „fummelig“. Schön wäre, wenn man dies je nach Bedarf und Bedürfnis des jeweiligen Fotografen ändern könnte.
  • Keine frei belegbaren Tasten vorhanden. Leica könnte die Info-Taste frei belegbar machen. Dies würde die Kamerabedienung noch etwas flexibler machen.

Ich hoffe, dass diese Punkte durch Firmware-Updates in den nächsten Monaten nachgebessert werden. Aber schon jetzt ist die Leica M (auch durch das letzte Firmware-Update) eine (fast) perfekte Kamera.

Somit bin ich am Ende meines Erfahrungsberichtes. Ich werde nun zur Normalität der Fotografie übergehen und in Zukunft wieder das Fotoprojekt und weniger die Kamera in den Mittelpunkt rücken. Von Zeit zu Zeit nehme ich mir aber die Freiheit heraus, über spezielle Aspekte der M zu berichten (spätestens zum nächsten großen Firmware-Update).

Bis dahin allen eine gute Zeit,

LiK

6 Gedanken zu „Erfahrungsbericht zur Leica M (Typ 240) – Teil 2: Erste Erfahrungen

  1. Rob

    Nur mal so zur Info:
    Ich nehme an die Base-ISO ist 200?
    Welchen ISO-Bereich empfiehlt Leica für die M?
    Es wäre toll wenn man die Aperture/Blende bei den EXIF-Daten sehen könnte.
    Dann würde man wissen wann bei Offenblende fotografiert wurde, ist aber nicht so wichtig.

    Das die Qualität stimmt und es wenig bis keine Probleme gibt davon bin ich mal ausgegangen. Das überrascht also nicht.

    Schön das es bald wieder nur um die Fotografie geht.
    Obwohl ich die zwei Berichte zur M sehr interessant fand.
    Bleibt nur noch zusagen: „Luigi mach‘ der Familie keine Schande!“
    Warte da fällt mir ein besserer Spruch ein: „Lös‘ aus den Luigi!“

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  2. lichtknoten Artikelautor

    Ja, die Base-Iso ist 200. Leica empfiehlt nichts – meine Erfahrung zeigt aber, dass man bis 1.600 problemlos fotografieren kann. 3.200 geht auch noch ganz gut, 6.400 zeigt dann doch starkes Rauschen.

    Blende ist in den EXIF-Daten nur als „Schätzwert“ enthalten. Es gibt bei der M ja keine elektronische Verbindung zwischen Blende und Kamera. Daher ist die Blendenangabe eher unsicher und wird meinst nicht angeben. Darktable schätzt die Blende recht gut ab (Genauigkeit +-0,5).

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  3. Toni

    Bin schon mal gespannt die Kammera aus der Nähe zu sehen. Die Fotos sind echt cool besonders das erste Foto von nächtlichen Tour.
    Es könnte ein Standbild aus einen Krimi sein.

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  4. Hans-Peter

    Das mag jetzt etwas subjektiv sein, aber ich finde deine Texte vorzüglich. Sachkundig, kein Wort zuviel, angenehm zurückhaltend, für mich als Lehrling in Sachen Leica ein Genuss.
    Danke

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    1. lichtknoten Artikelautor

      Danke für den Hinweis. Inzwischen gibt es ja eine neue FW, welche die Korrektur auch mit nur dem Rad erlaubt.

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